Steht man im neuen NanoSIMS-Labor im Biozentrum, fühlt man sich wie mitten in einer Star Trek Episode. Ebenfalls nach Science Fiction klingt der Name des am Mittwoch, 10. Februar 2010, feierlich eingeweihten High-Tech-Geräts: Nano-Sekundärionen-Massenspektrometer - kurz NanoSIMS - heißt der extrem empfindliche, räumlich hochauflösende Analysator, der gleichzeitig bis zu sieben verschiedene Elemente bzw. Isotope desselben Elements von Proben im Nanometerbereich bestimmen kann.
Super-hohe Raumauflösung
Noch vor ein paar Jahren hätte es sich Michael Wagner, Hauptinitiator und Leiter der neuen "Core Facility für Isotopenforschung in den Lebenswissenschaften" nicht träumen lassen, dass diese Art der Analyse überhaupt im Bereich des Möglichen liegt: "Das NanoSIMS kann ein 3D-Bild der Element- und Isotopenzusammensetzungen einer Probe mit einer räumlichen Auflösung zwischen 30 und 50 Nanometer erzeugen", so der Mikrobiologe: "Das heißt, ich kann damit in eine winzig kleine biologische Probe hineinschauen und zum Beispiel exakt messen, wie viel Schwefel, wie viel Phosphor oder wie viel Kohlenstoff an einer ganz bestimmten Stelle vorkommt - und das in einem einzigen Messdurchgang. Oder um es für FachkollegInnen zu formulieren: Ein NanoSIMS ist tausendmal empfindlicher und sehr viel besser räumlich auflösend als Mikroautoradiographie mit dem radioaktiven Isotop 14C, die bislang als die empfindlichste Methode in diesem Bereich galt."
Einzigartige Forschungsmöglichkeiten
In ganz Europa gibt es das Spezialgerät nur an weiteren zehn Standorten - das macht die "Core Facility" am Biozentrum, zu der neben dem neuen NanoSIMS auch die bereits 2006 in Betrieb genommene Isotopeneinrichtung für die Bestimmung von stabilen Isotopen in Umweltwisenschaften (SILVER-Labor) sowie das Raman-Mikrospektrometer gehört - zu einem der weltweit am besten ausgestatteten Kompetenzzentren für Isotopenforschung in den Lebenswissenschaften.
Fakultätsübergreifendes Kompetenzzentrum
Am NanoSIMS beteiligt sind neben der Fakultät für Lebenswissenschaften die Fakultäten Chemie und Geowissenschaften, Geographie und Astronomie sowie die Max F. Perutz Laboratories. Finanziert wurde das wertvolle Gerät, das nur von einer einzigen Firma weltweit (CAMECA, Frankreich) hergestellt wird, aus Mitteln der Universität Wien, der beteiligten Fakultäten sowie der Stadt Wien.
Die Arbeit mit dem NanoSIMS erlaubt den teilnehmenden WissenschafterInnen völlig neue Einblicke in ihre jeweiligen Forschungsfelder, die ihnen beste Voraussetzungen für einen Platz im internationalen Spitzenfeld schafft. "Die Anwendungsbereiche sind unglaublich vielfältig", sagt Michael Wagner: "Das reicht von der Bestimmung der Identität und Funktion von Mikroorganismen in der Umwelt und in medizinisch relevanten Proben , wie wir sie durchführen werden, über die Erforschung der Wechselwirkung von Organismen, etwa in Böden oder im Meer, bis hin zu zellbiologischen Forschungen und zur Materialanalyse. Die ChemikerInnen haben zum Beispiel vor, die subzelluläre Verteilung von metallhaltigen tumorhemmenden Wirkstoffen in Tumorzellen nachzuweisen um Implikationen auf den Wirkmechanism abzuleiten."
Komitee wählt Projekte aus
Da die Messzeiten relativ lange sind, ist der Probendurchlauf limitiert. "Wir rechnen damit, dass wir mehr Anfragen bekommen, als tatsächlich durchgeführt werden können", sagt Wagner. Deshalb wird ein ExpertInnenkomitee zusammengestellt, das unter den eingereichten Projektanträgen die besten auswählen und nach Dringlichkeit reihen soll. Den jeweiligen Messdurchgang am NanoSIMS konkret ausführen wird Arno Schintlmeister, ein eigens geschulter Experte, dessen Stelle von den Fakultäten für Chemie und Lebenswissenschaften gemeinsam finanziert wird.
"Mit der Einrichtung der NanoSIMS-Facility platziert sich die Universität Wien weltweit unter den Top-Standorten im Bereich der Isotopenforschung und trägt zur weiteren Stärkung sowie internationalen Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Disziplinen bei", freut sich Michael Wagner, der auf den Schlüssel zum NanoSIMS-Raum besonders gut aufpassen wird. (br)
Die "NanoSIMS-Facility" der Universität Wien wurde am Mittwoch, 10. Februar 2010, eröffnet und bildet gemeinsam mit dem SILVER-Labor und dem Raman-Mikrospektrometer die "Core Facility für Isotopenforschung in den Lebenswissenschaften", der Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Wagner vom Department für Mikrobielle Ökologie als Leiter und Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Richter als stellvertretender Leiter vorstehen. |