Der Campus der Universität Wien entstand nach der Schenkung des Areals an die Universität Wien auf dem Gelände des Alten Allgemeinen Krankenhauses. Nach der Revitalisierung und Adaptierung beherbergt er heute Institute der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen und der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, die zugehörigen Fachbereichsbibliotheken, verschiedene universitäre und universitätsnahe Einrichtungen sowie - im ersten Hof - Unternehmen, Geschäfte und Gastronomiebetriebe. In den zehn Jahren seit der Eröffnung hat sich der Campus zu einem pulsierenden Ort der wissenschaftlichen Forschung und Lehre, aber auch zu einem städtischen Erholungsraum und abendlichen Treffpunkt entwickelt.
Komplexe Anforderungen an ein Leitsystem
Das Erschließungskonzept des in zehn Höfe gegliederten weitläufigen Geländes sieht eine generelle Aufteilung in eine sog. "Drittmittelzone" im Hof 1 und die Ansiedelung der wissenschaftlichen Einrichtungen in den übrigen Höfen vor. Die Anforderungen an ein funktionsgerechtes Leitsystem waren daher vielschichtig. Der Campus ist ein sehr weitläufiges, durch unterschiedlich große Höfe strukturiertes Areal mit vielen Zugängen und Durchgängen, großen Freiflächen und einer Fülle an sehr unterschiedlichen wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Einrichtungen. Weder gibt es einen zentralen Zugang noch ein zentrales, von allen BesucherInnen zu passierendes "Informationsdrehkreuz" oder eine zentral gelegene Auskunftsstelle.
Die meisten Studierenden, WissenschafterInnen und BesucherInnen finden den Zugang über die Eingänge an der Ecke Alser Straße/Spitalgasse und Alser Straße/Nationalbank und müssen daher - teilweise durch mehrere Höfe - zu ihren Zielen "geleitet" werden. Das bestehende, seit Eröffnung des Campus 1998 unveränderte Orientierungssystem konnte diese Aufgabe nur unzureichend erfüllen und musste erneuert bzw. ersetzt werden. Im Auftrag der Universität Wien entwickelte die Firma "d-licious Köck & Rastbichler Grafik Design OEG" - in Zusammenarbeit mit den Dienstleistungseinrichtungen Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement sowie Raum- und Ressourcenmanagement - ein modernen Anforderungen entsprechendes Leit- und Orientierungssystem im Corporate Design der Universität, das folgende Bereiche umfasst:
- die Gestaltung von Orientierungsplänen und die Errichtung von Orientierungstafeln und Wegweisern in den Höfen des Campus, - eine neue Beschilderung der (Haus-)Eingänge zu den Einrichtungen am Campus. - eine entsprechende Vorinformation und Suchfunktionen für Einrichtungen auf der Webseite des Campus.
Die Gestaltung des Leit- und Orientierungssystems erfolgte mithilfe der Umsetzung von vier Informationsprinzipien:
1. Überblick und Orientierung Durch einen dreidimensional gestalteten, auf das Wesentliche reduzierten und daher leicht erfassbaren Geländeplan wird den BesucherInnen Überblick und Orientierung ermöglicht. Der Orientierungsplan findet sich sowohl auf den Wegweisern als auch auf den Informationstafeln und - in Ausschnitten - auf den Detailplänen. Die Web-Variante des Plans dient zur Vorinformation im Internet.
2. Information dort, wo sie benötigt wird Wer den Campus betritt, geht durch das jeweilige Zugangstor - und sucht erst anschließend Orientierung. Daher wurden die Haupt-Informationstafeln als frei stehende Pylone an den Wegkreuzungen positioniert. Damit sie auch aus großer Entfernung gut sichtbar sind und um die Fülle der Informationen aufnehmen zu können, sind sie entsprechend hoch - womit ein weiterer Effekt erzielt wird: Über das im Corporate Design gestaltete Leitsystem wird der Campus als Standort und Teil der Universität Wien gekennzeichnet. Im ersten Hof sind die Orientierungspylone abends beleuchtet.
3. Informationsreduktion auf das Wesentliche Ein Leitsystem dient der raschen Orientierung, nicht der Repräsentation der einzelnen Institutionen über ihre vollständigen Namen. Daher wurden die teils sehr langen Institutsnamen auf die wesentliche Information reduziert. Statt beispielsweise "Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, Abteilung Finno-Ugristik" steht auf den Informationstafeln lediglich: Finno-Ugristik. Statt "Fachbereichsbibliothek" steht lediglich: Bibliothek. Der vollständige Name findet sich erst auf den Schildern bei den Hauseingängen.
4. Klare Gliederung und einheitliches Informationsdesign Die über 50 Zielorte des universitären Bereichs wurden in drei Gruppen gegliedert, alphabetisch geordnet und nach Höfen und Stiegen systematisch nummeriert. Die Gaststätten und Unternehmen im Hof 1 werden in eigenen, in der zweiten Ausbaustufe zu realisierenden Informationstafeln gelistet. Durch die konsequente Anwendung des Corporate Design der Universität Wien auf das Leitsystem sind die einzelnen Bestandteile (Informationspylone, Wandschilder und Schilder bei den Eingängen) als korrespondierende Elemente leicht zu identifizieren. Die Elemente selbst sind in verschiedene farblich abgesetzte Informationsbereiche klar gegliedert.
Die nächsten Schritte
Nach Montage der Pylone und Schilder in den einzelnen Höfen und Durchgängen werden bis Jahresende die Online-Pläne auf der Webseite des Campus dem neuen Plandesign angepasst und mit Suchfunktionen ausgestattet. Im kommenden Jahr ist daran gedacht, den Campus als Standort und Teil der Universität Wien auch nach außen besser sichtbar zu machen, was durch den Einsatz von Fahnen - frei stehend ähnlich jenen vor dem Hauptgebäude oder direkt an der Außenfassade angebracht - erreicht werden soll. Nicht zuletzt sollen auch Zug um Zug die noch vorhandenen Aufschriften mit dem Namen "Universitätscampus (AAKH)" durch den neuen Namen "Campus der Universität Wien" ersetzt werden. |