Von Mittwoch, 19. bis Samstag, 22. August 2009, findet zu Ehren des Filmschaffenden Artur Brauner im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eine Open-Air-Film-Retrospektive statt. Die Filmschau trägt den Titel "Verpflichtung als Zeitzeuge" und wird von Frank Stern vom Institut für Zeitgeschichte und Stephan Matyus vom Bundesministerium für Inneres kuratiert. Der Eintritt ist frei. |
Den wenigsten ist der Name Artur Brauner ein Begriff, obwohl Brauner - 1918 in Lodz geboren und Überlebender der NS-Judenverfolgung - seit über 60 Jahren als Filmproduzent aktiv ist. Die meisten haben aber schon einen seiner Filme gesehen; sei es eine seiner berühmten Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Briece als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand oder eine der zahlreichen Edgar Wallace-Verfilmungen - Filme, die Artur Brauner kommerziellen Erfolg bescherten, um anspruchsvolle Filme über die Schoah, den mörderischen Antisemitismus und dessen Folgen nach 1945 zu produzieren.
"Wunde Stellen im Zeitbewusstsein berühren"
Manche seiner Filme wie "Hitlerjunge Salomon" oder "Zeugin aus der Hölle" sind einem größeren Publikum bekannt, doch viele bewegende filmische Auseinandersetzungen, deren Ideen von ihm stammen und die er produziert hat, sind weitgehend unbekannt geblieben. Es sind Filme, die wunde Stellen im Zeitbewusstsein - in der Erinnerung - berühren, Filme gegen das Vergessen und Filme, die sich aktuellen Fragen von Schuld und Verantwortung stellen.
Das Medium Film kann, wie Artur Brauners persönliches Engagement zeigt, eine "Verpflichtung als Zeitzeuge" übernehmen und heutige Generationen erreichen. Diese Verpflichtung bestimmt die diesjährige Retrospektive der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vor den Mauern des ehemaligen Konzentrationslagers. Bereits seit fünf Jahren wird die Filmschau vom Bundesministerium für Inneres organisiert.
Vier Filme, die auf wahren Begebenheiten basieren
"Der letzte Zug", "Babijjar" und "Von Hölle zu Hölle" sind von Artur Brauner als eine in sich geschlossene Trilogie bezeichnet worden. Sie handeln von der Deportation Berliner Jüdinnen und Juden, dem Massaker an der jüdischen Bevölkerung in der Nähe Kiews und dem Pogrom an der jüdischen Bevölkerung nach der Befreiung im Juli 1946 in Kielce. Die Retrospektive fügt dem als vierten Film "Morituri" hinzu, den Artur Brauner unmittelbar nach der Befreiung drehte und der in den letzten Tagen der NS-Herrschaft spielt. Die Spielfilme basieren auf wahren Begebenheiten, und entstanden oftmals unter Mitwirkung oder auf der Grundlage persönlicher Erinnerungen Überlebender. (vg)
"Verpflichtung als Zeitzeuge" 19. – 22. August 2009, jeweils 20 Uhr Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Erinnerungsstraße 1, A-4310 Mauthausen Programm (PDF)
Die Spielfilme werden durch einen kurzen Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Frank Stern eingeleitet. Nach den Filmvorführungen gibt es die Möglichkeit zur Diskussion. Ferner wird ein Gratis Busshuttle von Wien und von Linz nach Mauthausen und retour angeboten. Anmeldungen und weitere Informationen unter: 01 53 1 26 3867, BMI-IV-7@bmi.gv.at oder www.mauhausen-memorial.at |