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Der Mathematiker Otmar Scherzer hat eine Doppelprofessur an der Fakultät für Informatik und an der Fakultät für Mathematik inne und leitet die Forschungsplattform Computational Science Center.


Forschungsplattform Computational Science Center der Fakultät für Mathematik und der Fakultät für Informatik Fakultät für Mathematik Fakultät für Informatik CV von Otmar Scherzer
Otmar Scherzer: Computational Science als Chance für Wien
Studium/Lehre, Professuren
Markus Steiner (Redaktion) am 23. August 2010

Seit Juli 2009 hat Otmar Scherzer die Doppelprofessur für "Computational Science - Mathematical Modeling and Algorithmics in Application Area" an den Fakultäten für Mathematik und für Informatik inne. Daneben leitet der mehrfach ausgezeichnete Mathematiker die neu gegründete Forschungsplattform Computational Science Center, die er in Kooperation mit beiden Fakultäten ins Leben gerufen hat und die als solche derzeit einzigartig in Österreich ist.

"Ich war nicht immer ein Vorzugsschüler in Mathematik", gesteht Otmar Scherzer, der 1964 im oberösterreichischen Vöcklabruck geboren wurde. Erst ab einem bestimmten Zeitpunkt habe er eine besondere Leidenschaft für dieses Fach entwickelt - "und die hat mich seitdem nicht mehr losgelassen", so der neue Professor. Am meisten fasziniert ihn die Angewandte Mathematik: "Ich glaube daran, dass die Mathematik, die ich betreibe, von Nutzen sein kann - zum Beispiel in den Biowissenschaften, der Psychologie oder der Physik."

Interdisziplinäre Anlaufstelle

Dieser interdisziplinäre Denkansatz spiegelt sich auch in der Konzeption des Computational Science Centers wider: Diese neue Forschungsplattform, die in erster Linie die Forschungsrichtungen Mathematik und Informatik miteinander verbinden soll, ist im Prinzip als Anlaufstelle für die verschiedensten Anwendungswissenschaften gedacht. "Es ist spannend zu beobachten, wie hier Forschungsgebiete aufeinandertreffen, die auf den ersten Blick keine gemeinsamen Berührungspunkte vermuten lassen. Auf diese Weise tun sich ganz neue Forschungsthemen auf", meint Scherzer.

Wie fruchtbar ein derartiges Aufeinandertreffen sein kann, zeigt sich auch am Beispiel zweier Nationaler Forschungsnetzwerke (NFN) - vom FWF finanzierte Schwerpunktprogramme -, in denen Scherzer mit seiner Arbeitsgruppe involviert ist: Das Programm "Industrial Geometry" verknüpft Mathematik und Informatik mit Anwendungen der Geometrie; im NFN "Photoacoustic Imaging" arbeitet man gemeinsam mit BiologInnen, MedizinerInnen und PhysikerInnen an der Realisierung von photoakustischen Tomographen.

Computational Science Center als Chance für Bildungsstandort

Mit der Gründung der neuen Forschungsplattform hat die Universität Wien zurzeit österreichweit die besten Chancen, Computational Science als neue Forschungs- und Studiendisziplin zu etablieren. "Ein entsprechender Versuch in Graz wurde trotz eines sehr positiven Echos von StudentInnenseite inzwischen wieder aufgegeben. Wenn es nun in Wien gelingt, einen Master-Studiengang einzurichten, wäre das ein wichtiger Schritt nach vorne und eine Stärkung des Bildungsstandorts", ist der Mathematiker überzeugt.

Von Linz über Innsbruck nach Wien


Seine wissenschaftliche Karriere hat der heute 46-jährige Vater von zwei Kindern 1982 als Student der Technischen Mathematik an der Universität Linz begonnen. Die weiteren Stationen seines Werdegangs umfassen u. a. einen einjährigen Forschungsaufenthalt im Rahmen des Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendiums an der Texas A&M University und an der University of Delaware sowie eine Professur für Angewandte Mathematik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Universität Bayreuth. Zuletzt war er acht Jahre lang als Professor für Angewandte und Computerorientierte Mathematik an der Universität Innsbruck tätig.

"Die Entscheidung, von Innsbruck wegzugehen, war für mich ein bedeutender Schritt", betont Scherzer. Dies nicht nur, weil er als begeisterter Skifahrer im Winter die Berge vermisse, sondern auch, weil er durch den Wechsel von Tirol in die Bundeshauptstadt einen Personalverslust hinnehmen musste.

Attraktive Position …

Dass er sich dennoch für Wien entschieden hat, hat mehrere Gründe: "Die Leitungsposition, die mir hier angeboten wurde, war sehr attraktiv. Ich habe dadurch die Möglichkeit, die Entwicklung des Computational Science Centers von Grund auf aktiv mitzugestalten und bin dabei organisatorisch nicht dem Institutsvorstand und Fakultätsdekan, sondern ausschließlich dem Rektor unterstellt." Aufgrund der Größe der Universität Wien hegt der engagierte Wissenschafter zudem die Hoffnung, hier mehr StudentInnen gewinnen zu können als in Innsbruck.

… und ehrgeizige Ziele

Im Rahmen der neuen Aufgaben hat sich Otmar Scherzer, der für seine wissenschaftlichen Leistungen bereits mit zahlreichen Ehrungen wie etwa dem Theodor-Körner-Preis (1991) oder dem START-Preis (1999) ausgezeichnet worden ist, klare Ziele gesetzt: "Zunächst möchten wir unsere Arbeitsgruppe aufrechterhalten sowie die Verlängerungsanträge für die beiden Nationalen Forschungsnetzwerke durchbekommen. Zudem werden wir uns weiter für die Etablierung eines Master-Studiums für Computational Science einsetzen und Bemühungen in Richtung eines Initiativkollegs vorantreiben", fasst Scherzer zusammen. (ms)

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Otmar Scherzer ist seit Juli 2009 Professor für "Computational Science - Mathematical Modeling and Algorithmics in Application Area" an der Fakultät für Mathematik und an der Fakultät für Informatik sowie Leiter der Forschungsplattform Computational Science Center.

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