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Neuer ÖAW-Präsident Peter Schuster, Foto: privat.


Institut für Theoretische Chemieder Fakultät für Chemie Homepage von Peter Schuster Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
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  Peter Schuster wurde am 7. März 1941 in Wien geboren, studierte Chemie an der Universität Wien. Seine Beiträge zur Theorie der Wasserstoff-Bindungen brachten ihm 1973 den Ruf für das Ordinariat für Theoretische Chemie an der Universität Wien ein. 1993 erhielt Schuster das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Er ist seit 1992 wirkliches ÖAW-Mitglied.  
Die Ziele des neuen ÖAW-Präsidenten Peter Schuster
Wissenschaft, Köpfe & Karriere
Anna Kim (Redaktion) am  9. Mai 2006

Peter Schuster, Vorstand des Instituts für Theoretische Chemie, wird am 1. Oktober 2006 sein dreijähriges Amt als Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften antreten. Im Interview verriet er, dass er sich für mehr Stipendien, mehr Stellen für Junior Scientists und eine nachhaltige Reform der ÖAW einsetzen wird.

Redaktion: Welche Ziele haben Sie sich als neuer Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gesetzt?
Peter Schuster: Im Wesentlichen drei: Das erste Ziel ist die Reform der Struktur der ÖAW, wobei am Ende des Reformprozesses eine moderne Forschungsträgerorganisation stehen und die Einheit von Forschungsträgerorganisation und Gelehrtengesellschaft erhalten bleiben soll.

Mein zweites Anliegen betrifft die Förderung junger WissenschafterInnen. Einerseits geht es um die Stipendiensituation an der ÖAW; bei den DOC- und den APART-Stipendien etwa haben wir wesentlich mehr sehr gut beurteilte Anträge, als wir Stipendien vergeben können. Hier werde ich mich für eine Verbesserung der Finanzen einsetzen: Es sollte in einem Land mit den wirtschaftlichen Erfolgsparametern Österreichs kein hervorragend beurteiltes Projekt einer Doktorarbeit geben, welches nicht gefördert wird. Ein ganz besonders wichtiges Anliegen ist mir aber die Förderung junger WissenschafterInnen in der Phase der 'Junior Scientists', zwischen der Post-Doc-Zeit und der Berufung an eine Universität oder als Leiter eines Forschungsinstituts. Hier fehlen Positionen - meiner Meinung nach ist dies auch der Hauptgrund für die Abwanderung junger WissenschafterInnen, vor allem nach Übersee.

Schließlich ist mir wichtig, dass die Wissenschaft mehr an die Öffentlichkeit herangeführt wird, als es bisher geschehen ist. Wir haben bereits sehr erfolgreiche Programme an der Akademie, etwa die Public Lectures, die auch die Schulen mit einbinden. Ich glaube aber, dass es notwendig ist, diese Bemühungen zu verstärken und die Akademie bekannter zu machen, vor allem in Hinblick auf die hervorragenden und weltweit anerkannten Leistungen ihrer alten und neuen Institute. Das Hauptanliegen muss sein: Spitzenforschung zu unterstützen, zu fördern, Exzellenz zu steigern - und dies den Bürgern zu vermitteln.

Redaktion: Das sind sehr engagierte Ziele, da muss man doch glatt fragen, wie viel Macht ein ÖAW-Präsident eigentlich besitzt?
Schuster: (lacht) Eine direkte Macht des ÖAW-Präsidenten gibt es nicht. Der Präsident ist Mitglied eines Präsidiums, welches die Akademie leitet. Alle Entscheidungen werden von dem Plenum der Akademie, der Gesamtsitzung, getroffen, der Präsident kann zwar die eine oder andere Weichenstellung vorbereiten, aber er muss auch überzeugen können, um die Zustimmung der anderen Präsidiumsmitglieder und vor allem die der Gesamtsitzung zu erhalten.

Redaktion: Sie haben vorhin von einer Reform der ÖAW gesprochen - was genau soll reformiert werden?
Schuster: Die ÖAW hat heute ein Budget, das jenem einer kleinen Universität entspricht. Um solche Mittel zu verwalten, braucht sie andere Instrumente als jene einer konventionellen Gelehrtengesellschaft. Zum einen gehört dazu eine institutionalisierte Leistungskontrolle durch Evaluierung. Dieses Mittel existiert bereits - die ÖAW war die erste akademische Institution Österreichs, welche Evaluierung verbindlich eingeführt hat - und muss nur fortgesetzt und perfektioniert werden. Zum anderen sind Strukturen notwendig, die in der Art eines Aufsichtsrates operieren und begleitend die Entwicklung kontrollieren. Man muss aber auch die Institutsdirektoren, die nur zum Teil Akademiemitglieder und als solche in der Gesamtsitzung vertreten sind, mehr einbinden, als es bisher geschehen ist. In der Max-Planck-Gesellschaft etwa sind alle Direktoren ex officio Mitglieder und dürfen in allen Gremien gleichberechtigt mitwirken. Es sind Instrumente nötig, die eine harmonische Interaktion zwischen der Gelehrtengesellschaft, den Leitern der Forschungseinrichtungen und einer Kontrolle durch die Geldgeber möglich machen.

Redaktion: Was streben Sie als ÖAW-Präsident an Kooperationen oder Projekten mit der Universität Wien an?
Schuster: Es laufen bereits zahlreiche Projekte mit der Universität Wien. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die Zusammenarbeit von den einzelnen WissenschafterInnen ausgehen muss, die Organisationen sollten aber dafür Rechnung tragen, dass solche Kooperationen möglich sind, erleichtert und, sofern möglich, finanziell unterstützt werden. Dafür werde ich mich in der Akademie einsetzen. Wenn Kooperationen Unterstützungen in dieser Hinsicht brauchen, werden sie sie von mir bekommen.

Vom Volumen her möchte ich betonen, dass die Universitäten - was die Finanzen betrifft - der Hauptträger der Grundlagenforschung sind; aber außeruniversitäre Forschung und Universitätsforschung sollen einander ergänzen und gegenseitig befruchten - auch Konkurrenz kann in diesem Zusammenhang sehr produktiv wirken. In vielen Ländern ist eine solche synergetische Interaktion bereits realisiert. Ich würde mir das auch für ganz Österreich wünschen; in einigen Wissenschaftsbereichen ist es zum Teil ja bereits realisiert.

Redaktion: Wenn Sie ab Oktober als ÖAW-Präsident fungieren, werden Sie noch Zeit für Ihre eigene Forschung haben?
Schuster: (lächelt) Das Zauberwort lautet: fokussieren. Man muss sich - nachdem die Zeit knapp ist, die man für die eigene Forschung aufwenden kann - auf bestimmte Probleme, die einem wichtig erscheinen, konzentrieren. Während meiner Tätigkeit als Vizepräsident der ÖAW von 2000 bis 2003 musste meine Forschung etwas zurückstecken. Ich habe mich jetzt drei Jahre lang erholt, und ich glaube, mein Team und ich stehen nun wieder ganz gut in der Forschung da. Man darf auch mein Alter nicht vergessen [Peter Schuster wurde Anfang März 65, Anm. der Red.], ich werde mich nun auf drei Probleme konzentrieren, und das werden die drei sein, welche ich nach Möglichkeit auch in mein Dasein als Emeritus mitnehmen werde.

Redaktion: Nämlich?
Schuster: Erstens, die Algorithmen- und die Softwareentwicklung zur Untersuchung der Strukturen von Ribonukleinsäuremolekülen. Auf diesem Gebiet ist es uns gelungen, ein Softwarepaket zu entwickeln, welches viel verwendet wird und auf diesem Gebiet weltweit die Nummer 2 oder vielleicht sogar die Nummer 1 darstellt. Zweitens, die Erforschung der Evolution an einfachen Systemen: Moleküle, die evolutionsbefähigt sind, werden auch in der evolutionären Biotechnologie dazu verwendet, um maßgeschneiderte Moleküle zu "züchten". Diese Prozesse, obwohl sie bereits Anwendung finden, werden noch nicht vollkommen verstanden. Wir bemühen uns, hier ein besseres Verständnis zu erreichen, damit die Experimente möglichst kostengünstig und erfolgreich verlaufen. Schließlich entwickeln wir für die Systembiologie mathematische Formalismen, die eingesetzt werden können, um die Probleme auf diesem Gebiet etwas besser in den Griff zu bekommen. (ak)

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