Am Dienstag, 30. Juni 2009, wurde das "Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938" der Öffentlichkeit präsentiert (Webstream). Das handgeschriebene Buch wird im Denkmal Marpe Lanefesch, dem ehemaligen jüdischen Bethaus des Allgemeinen Krankenhauses, am Campus der Universität Wien (Hof 6) aufbewahrt. Das Online-Gedenkbuch mit 2.200 Namen von Betroffenen ist unter gedenkbuch.univie.ac.at abrufbar. |
Esther Fritsch von der Israelitischen Kultusgemeinde und Rektor Georg Winckler eröffneten gemeinsam die Veranstaltung. Der erste Teil des Abends fand im Denkmal Marpe Lanefesh, dem ehemaligen Jüdischen Bethaus, statt, wo auch das handgeschriebene Gedenkbuch hinterlegt wurde.
Friedrich Stadler vom Institut für Zeitgeschichte und Institut für Philosophie, der das Gedenkbuch gemeinsam mit Herbert Posch erstellte, übergab das Gedenkbuch im Namen des "Forums Zeitgeschichte der Universität Wien" an Esther Fritsch und Rektor Georg Winckler.
Seit einigen Jahren setzt die Universität Wien Initiativen, die vielschichtigen Dimensionen des Nationalsozialismus an der eigenen Institution aufzuarbeiten. 2009 erinnert die Universität Wien mit dem Gedenkbuch an das Unrecht während der Zeit des Nationalsozialismus, und sie ist sich zugleich der Mitverantwortung für das unfassbare Leid bewusst, das den Angehörigen der Universität Wien damals zugefügt wurde.
Rektor Georg Winckler unterschrieb vor Ort die Präambel des Gedenkbuchs. Die Namen von 2.200 Betroffenender entlassenen, vertriebenen und entrechteten Frauen und Männer sind im Gedenkbuch handschriftlich verzeichnet.

Das Werk wird in einer Glasvitrine im Denkmal Marpe Lanefesh (übersetzt: Heilung für die Seele), dem ehemaligen jüdischen Bethaus des Allgemeinen Krankenhauses, am Campus der Universität Wien aufbewahrt. Im Bild (v.l.n.r.): Rektor Wolfgang Schütz von der Medizinischen Universität Wien Rektor Georg Winckler, Esther Fritsch von der Israelitischen Kultusgemeinde und Vizebürgermeister Michael Ludwig.
 Rabbiner Schlomo Eliezer Hofmeister von der Israelitischen Kultusgemeinde und Vizebürgermeister Michael Ludwig blättern im handgeschriebenen Gedenkbuch.
Neben dem handschriftlichen Werk umfasst das Projekt auch die Online-Datenbank "Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938". Diese umfasst derzeit rund 2.200 Namen von Betroffenen. Bisher konnten die Namen von 1.770 der rund 2.230 vertriebenen Studierenden festgestellt werden, sowie die Namen der 234 Betroffenen von Aberkennungen akademischer Grade und rund 200 Namen von vertriebenen ProfessorInnen und DozentInnen. Mit der Online-Version des Gedenkbuches sind Namen und Biografien Betroffener weltweit einsehbar.
Über hundert Interessierte waren zur feierlichen Präsentation des Gedenkbuches auf den Campus der Universität Wien gekommen.
Der 2. Teil des Abends fand in der Aula am Campus der Universität Wien statt. Nach einleitenden Worten durch Rektor Georg Winckler, erläuterten die Ersteller des Gedenkbuchs Herbert Posch und Friedrich Stadler die Hintergründe des Werks.

Im Anschluss fand ein Podiumsgespräch mit Gerhard Botz vom Institut für Zeitgeschichte, Clemens Jabloner, dem Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes, und Heidemarie Uhl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaft statt. Moderiert wurde die Diskussion von Bertrand Perz vom Institut für Zeitgeschichte (2.v.l.).
… in einer voll besetzten Aula am Campus der Universität Wien statt. (Fotos: Unifoto.at/Klaus Steiner)
Präsentation des Gedenkbuchs (Webstream) |