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Anfangs verbindet den Söldner (Heinz Weixelbraun) und die Leichenschänderin (Sonja Romei) nur die Schnapsflasche. Fotos: Rita Newman


Dann kommt man sich näher ?


? wird von einem Soldaten (Sebastian Wendelin) überrascht ?


? und der Kampf bleibt nicht aus.


Rabenhof Theater Wiener Wortstätten Karten zu gewinnen!
Premiere der "wiener wortstätten": "Haut und Himmel" im Rabenhof
Kultur
Simone Kremsberger (Redaktion) am  7. Dezember 2006

Ein Söldner und eine Leichenschänderin sind die Hauptfiguren in Dimitré Dinevs Theaterstück "Haut und Himmel", das derzeit im Rabenhof zu sehen ist. Das Stück, das die Liebe in Zeiten des Krieges thematisiert, ist die erste Produktion der "wiener wortstätten" ? eines interkulturellen Autorentheaterprojekts von Hans Escher und Bernhard Studlar, das ein Zentrum für zeitgenössische europäische Dramatik in Wien etablieren will.

Mit seinem Roman "Engelszungen" ist Dimitré Dinev bekannt geworden. Nach dem Erzählband "Ein Licht über dem Kopf" hat sich der aus Bulgarien stammende, in Österreich lebende Autor dem Theater zugewandt und ist in seinem aktuellen Stück von den Engelszungen auf die Engelsflügel gekommen: Diese befinden sich ? auf jeder Backe einer ? am Allerwertesten der männlichen Hauptfigur.

Liebe in Zeiten des Krieges

Ein ganzkörpertätowierter Söldner und eine Leichenschänderin sind die Protagonisten von "Haut und Himmel". Er lässt sich Erinnerungen an seine Abenteuer in aller Welt in die Haut einritzen und fürs Kriegmachen bezahlen. Sie klaut den Leichen die Brieftaschen und sieht sich die Fotos der Freundinnen der toten Soldaten an. Als sich die beiden begegnen, sind sie Gegner ? doch dann kommen sie sich näher; sie näht dem verletzten Helden eine Wunde und er teilt die Schnapsflasche mit ihr. Bis eine weitere Figur das Dreipersonenstück komplett macht, ein junger Soldat, der die beiden aufschreckt und das Liebesfeld wieder zum Kriegsschauplatz erklärt.

Autorentheaterprojekt "wiener wortstätten"

Große Themen, wenig Handlung, aber viel Dialog machen das Stück aus, das im Rahmen der "wiener wortstätten" entstanden ist. Dieses interkulturelle Autorentheaterprojekt wurde 2005 von Hans Escher und Bernhard Studlar ("Transdanubia Dreaming") ins Leben gerufen, um die Auseinandersetzung und Vernetzung zwischen AutorInnen zu fördern. Ausgehend von in Wien lebenden, aus Osteuropa stammenden AutorInnen, soll im Lauf der Jahre ein internationales Netzwerk entstehen und ein Zentrum für zeitgenössische europäische Dramatik in Wien etabliert werden.

Liebesgeschichte ohne Rührseligkeiten

Die Aufführung von "Haut und Himmel" im Rabenhof Theater ist die erste Produktion der "wiener wortstätten". Hans Escher inszeniert, Sonja Romei und der aus "Kommissar Rex" bekannte Schauspieler Heinz Weixelbraun geben das Paar, Sebastian Wendelin den Soldaten. Auf einer kargen Bühne, nur mit zwei Autoreifen und einer einsamen Glühbirne ausgestattet, entspinnt sich eine Liebesgeschichte ohne große Intensitätsmomente, aber auch ohne Rührseligkeiten. Weixelbraun gibt den liebes- und kriegserprobten Söldner überzeugend. (Obwohl ihn der Kostümbildner im Brautkleid auf die Bühne schickt.)

"Er" und "Sie" im Paradies

Manche Klischees hat Dinev bei der Charakterisierung dieses Paars allerdings nicht ausgespart: Der Söldner ist ein Mann, wie er ? etwa bei Hemingway ? im Buche steht, einsam, ruhelos, versoffen und manchmal philosophisch. Während die Leichenschänderin die pragmatisch-romantische Rolle über hat ? ums Überleben kämpfend, aber an die Liebe glaubend. Er hat so manchen Witz im Textbuch, während sie ihm vorhält: "Ihr Männer trennt die Frauen nur in Nutten und Heilige." Naja. Im Paradies geht es eben traditionell zu: Sie flickt ihm die zerfetzte tätowierte Schlange am Rücken zusammen und er gibt ihr einen Apfel zu essen.

Plattform für Gegenwartsliteratur

Dennoch ist hier ein unsentimentales Stück über Liebe, ein nicht reißerisches Stück über den Krieg gelungen ? und mit den "wiener wortstätten" eine Plattform, um zeitgenössische Dramatik zu fördern und auf die Bühne zu bringen. Applaus. (sk)    

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