Am 3. März wird in Japan das traditionelle Puppenfest begangen. Am Freitag, den 9. März wurde auch an der Abteilung für Japanologie gefeiert: mit der Aufstellung eines originalen Puppensets, japanischen Spielen und der Begrüßung der neuen AustauschstudentInnen aus Japan. |
An der Abteilung für Japanologie des Instituts für Ostasienwissenschaften wurde das Puppenfest gefeiert, um die neuen AustauschstudentInnen aus Japan an der Universität Wien willkommen zu heißen. Zu diesem Anlass wurde ein originales Puppenset aufgestellt. Das Set, bestehend aus 15 Puppen, stammt von Prof. Dr. Yoshio Fujioka von der Internationalen Atomkommission, der es 1959 dem (damaligen) Institut für Völkerkunde der Universität Wien schenkte.
Ein Fest für die Mädchen
Das Puppenfest "hina matsuri" am 3. März zählt seit der Tokugawa-/Edo-Zeit (1603–868) zu den fünf jährlichen Festen Japans. In der Edo-Zeit begannen wohlhabende Samurai und Kaufleute, "dairibina" (das Kaiserpaar) und Zierrat für ihre Töchter zur Schau zu stellen. Art des Arrangements und Kleidung wurden jener der Hofadeligen aufs Genaueste nachgeahmt. Mit der Zeit kamen immer mehr Puppen und Miniaturgegenstände dazu. Bis Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich das Puppenfest vollständig etabliert. Bis heute ist es für Mädchen in Japan ein besonderes Fest und steht für Respekt gegenüber den Eltern, Ahnenverehrung und Loyalität zur Familie. Darüber hinaus ist es Ausdruck der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, ihre Freude und ihr Stolz für sie und das Bemühen, ihnen jeden Wunsch zu erfüllen.
Speis, Trank und Pfirsichblüten
Zur Feier des Tages tragen die Mädchen Kimonos, präsentieren ihre Puppen und essen mit Familie und Freunden. Typische Speisen sind Hishimochi (diamantförmige Reiskuchen) und rot-, weiß- und grünfarbiger Puffreis. Dazu gibt es Shirozake, einen süßen, weißen Reiswein. Zu dem Brauch gehört es auch, Pfirsichblüten- und Pflaumeblütenzweige aufzustellen. Pfirsichblüten sind Symbol für Sanftheit und Anmut, also alles Ideale für eine junge Frau in Japan. Sie stehen auch für das Glück in der Ehe. Aus diesen Gründen wird das Puppenfest auch "momo no sekku", Pfirsichblütenfest, genannt.
Ein kaiserlicher Puppenhof
Bereits zwei Wochen vor dem Fest werden die Puppen auf einem mit rotem Stoff überzogenen Stufengestell aufgestellt. Ein vollständiges Set, wie es die Abteilung für Japanologie besitzt, besteht aus 15 Puppen und ist bis ins kleinste Detail dem früheren kaiserlichen Hof nachgeahmt. Kernstück sind die "dairibina" - Kaiser und Kaiserin - auf der obersten Stufe. Auf der nächsten Stufe befinden sich drei "kanjo", die Hofdamen. Sie präsentieren die Jugend, das mittlere und das hohe Alter. Sie servieren dem Herscherpaar Sake. Auf den unteren Stufen folgen "gonin-bayashi" (die Musiker), "zuijin" (die Minister), "shicho" (die Diener) und Zubehör wie Möbeln, Sänften und Zierbäume in Miniaturformat. Nach dem 3. März werden die Puppen für das nächste Jahr eingepackt. Angeblich soll ein spätes Wegräumen ein spätes Heiraten der Töchter bedeuten.
Eine alte Tradition
Das Puppenset wird den Töchtern bei der Geburt oder zu ihrem ersten Geburtstag geschenkt und wiederum deren Töchtern weitervererbt. Manche Puppen sind schon Jahrhunderte im Familienbesitz und haben nicht nur materiellen Wert. Heute wird das Puppenfest in Japan nicht mehr in jeder Familie gefeiert, damit geht eine alte Tradition verloren, die eine wichtige Bedeutung hat. An der Wiener Japanologie wird diese Tradition jedoch gepflegt: Heuer wurde das Puppenfest bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit den japanischen AustauschstudentInnen gefeiert.
Petra Raab ist Praktikantin am Institut für Ostasienwissenschaften, Abteilung Japanologie und studiert Japanologie. |