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Soziales Netzwerk aus einer agentenbasierten Simulation, ...


... einer der Forschungsschwerpunkte von Christian Stummer. Er leitet zurzeit zwei Forschungsprojekte zum Thema am Institut für Betriebswirtschaftslehre.


Lea Wakolbinger war Leiterin des Organisationskomitees beim ersten "International Workshop on Agent-based Simulation of Diffusion Processes", der Anfang April am Institut für Betriebswirtschaftslehre stattfand.


Workshop-Teilnehmer Wander Jager von der Universität Groningen ist einer der führenden Experten auf dem Gebiet der "Social Simulations".


Workshop: "Agent-based Simulation of Diffusion Processes" Institut für Betriebswirtschaftslehre der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften FWF-Projekt "QuaSiMoDI" OeNB-Projekt "MCCE"
Simulation von Diffusionsprozessen
Forschungsprojekte, Veranstaltungen
Redaktion am 19. Mai 2010

In der Wirtschaft sind Prognosen über die Ausbreitung und Annahme eines neuen Produkts - z. B. die Akzeptanz neuer Vertriebskanäle wie "Einkaufen per Handy" - von hoher praktischer Bedeutung. Eine Methode, um solche Diffusionsprozesse vorherzusagen, ist die "agentenbasierte Simulation". Die Erforschung und Weiterentwicklung dieses Instruments ist einer der Schwerpunkte einer Forschungsgruppe am Institut für Betriebswirtschaftslehre, die ihre aktuellen Projektergebnisse beim ersten "International Workshop on Agent-based Simulation of Diffusion Processes" vorgestellt hat.

Diffusionsprozesse sind vor allem in Zusammenhang mit der epidemischen Verbreitung von Krankheiten (z. B. Keuchhusten) bekannt. Bedeutsam sind Prognosen über Diffusionsverläufe aber auch in der Wirtschaft: So kann die erwartete Akzeptanz eines alternativen Vertriebskanals - wie zum Beispiel das Mobiltelefon - oder einer Innovation - etwa eines neuen Biotreibstoffs - die Entscheidung für oder gegen eine wesentliche Investition beeinflussen.

Am Donnerstag und Freitag, 8. und 9. April 2010, hatten 40 WissenschafterInnen verschiedener Fachrichtungen aus insgesamt 14 Ländern Gelegenheit, sich am Institut für Betriebswirtschaftslehre zu Forschungsfortschritten, methodischen Neuerungen und aktuellen Anwendungen auf dem Gebiet der "agentenbasierten Simulation" solcher Diffusionsprozesse auszutauschen.

Agenten in wissenschaftlicher Mission

"Agentenbasierte Modelle bilden das Zusammenspiel von heterogenen AkteurInnen - sogenannten 'Agenten' - ab und erlauben so die Simulation des komplexen Verhaltens eines Gesamtsystems", erklärt Betriebswirt Christian Stummer, der den internationalen Workshop gemeinsam mit seinen KollegInnen Lea Wakolbinger, Markus Günther und Elmar Kiesling organisierte: "Agenten sind dazu mit individuellen Bedürfnissen und Präferenzen ausgestattet, sie können autonom Entscheidungen treffen und sind in ein soziales Netzwerk eingebettet, über das sie im Laufe der Simulation Informationen austauschen."

Agentenbasierte Ansätze ermöglichen insbesondere die vergleichsweise unkomplizierte Abbildung vielfältiger Charakteristika des realen Systems - wie z. B. die Modellierung von MeinungsführerInnen mit vielen Kontakten und hoher Glaubwürdigkeit oder die Berücksichtigung der geographischen Verteilung von KonsumentInnen und AkteurInnen. "Praktikabel geworden ist das allerdings erst durch die heutzutage zur Verfügung stehenden Rechenkapazitäten", so Stummer, dessen Forschungsgruppe sich schon seit drei Jahren schwerpunktmäßig mit der Simulation von Diffusionsprozessen beschäftigt.

Junges Forschungsfeld

Von Nutzen sind diese Simulationsmethoden sowohl für PraktikerInnen, denen sie eine bessere Entscheidungsgrundlage bieten, als auch für WissenschafterInnen, die damit vielfältige Forschungsfragen näher untersuchen können. Allerdings sind in dem jungen Forschungsfeld noch eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen, und zwar insbesondere in Hinblick auf die realitätsgetreue Parametrisierung von Simulationsszenarien bzw. die spätere empirische Bestätigung der Ergebnisse.

Zukünftige Möglichkeiten und potenzielle Einschränkungen der agentenbasierten Modelle waren auch beim zweitägigen Workshop Thema: Das breite inhaltliche Spektrum der 22 Fachvorträge reichte von methodenorientierten Beiträgen, etwa zu (dynamischen) Netzwerkstrukturen, bis hin zu konkreten Anwendungen an Fallbeispielen aus der Wirtschaft.

Aktuelle Forschungsprojekte

Sowohl der Auslöser als auch der Rahmen für die Veranstaltung waren zwei aktuelle Forschungsprojekte unter der Leitung von Christian Stummer: Im dreijährigen FWF-Projekt QuaSiMoDI, das im Jänner 2008 startete, soll in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftssoziologie und der Technischen Universität Wien ein Prognose-Instrument entwickelt werden, das - unter Nutzung der heutzutage verfügbaren Rechenkapazitäten - die Simulation des Einflusses definierter Marketingmaßnahmen auf den Diffusionsprozess erlaubt. Dieses Instrument wird noch im Rahmen des Projekts am Beispiel von BioFiT, einem Synthesekraftstoff aus Biomasse, getestet.

Das zweite Projekt wird vom Jubiläumsfonds der OeNB gefördert und analysiert unter dem Titel "Multi-Channel Consumer Experience (MCCE)" Entscheidungen von KonsumentInnen zwischen verschiedenen Vertriebskanälen - wie beispielsweise das Internet, Kataloge oder Filialen. Mit Hilfe agentenbasierter Ansätze soll eine Methode entwickelt werden, die es erlaubt, den Einfluss diverser Maßnahmen auf dieses "multioptionale Kanalwahlverhalten" zu simulieren

Erster internationaler Workshop über agentenbasierte Simulation

Beide Projekte wurden im Rahmen des Workshops dem interdisziplinären Fachpublikum vorgestellt. "In diesem Sinne ist der Workshop auch als konkreter Output zur Verbreitung unserer Ergebnisse zu sehen", resümiert Stummer: "Insgesamt hat die Veranstaltung dazu beigetragen, das soziale Netzwerk zwischen 'AgentInnen' verschiedener Fachrichtungen weiter zu verdichten, Informationen auszutauschen und durch die Verknüpfung dieses Wissens die Forschung zu Diffusionsprozessen ein gutes Stück voranzubringen." (br)

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