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Rektor Georg Winckler bei seiner Ansprache zur 60 -Jahr-Feier der Sommerhochschule. Fotos: Stefan Weihs


Streicher Ensemble mit Mitgliedern der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Froschauer


Sylvia Kritzinger bei ihrem Vortrag


Lesung der Schriftstellerin Anna Mitgutsch


Podiumsteilnehmer beim Vortrag am 6. August 2009. v.l.n.re.:: Georg Lienbacher, Leiter des Verfassungsdienstes im Bundeskanzleramt; Markus Seidl, Geschäftsführer der Österreichischen Raumordnungskonferenz; Astrid Kratschmann, sBausparkasse; Bundesrat Johann Peinsteiner, Bürgermeister von St. Wolfgang; Franz-Stefan Meissel, Direktor der Sommerhochschule; Heinz Fassmann, Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie u. Astronomie und Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften


Michael Stampfer, Geschäftsführer des Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds am Podium des Vortrages von Sylvia Kritzinger


Martin Gleitsmann, Abteilungsleiter der WKO; Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit am Podium des Vortrages von Robert Rebhahn


Arnulf Grübler, Mitglied des Intergovernmental Panel on Climate Change und Wissenschafter am International Institute for Applied System Analysis


Robert Rebhahn, Professur für Arbeitsrecht und Sozialrecht an der Universität Wien


Sommerdiskurs aus Wirtschaft, Recht und Kultur 2009      
Sommerdiskurs 2009 der Universität Wien am Wolfgangsee
Wissenschaft
Gastbeitrag von Julia Jungwirth am 13. August 2009

Bereits zum zweiten Mal fand der Sommerdiskurs der Sommerhochschule der Universität Wien, dieses Jahr unter dem Motto "Polis und Techne – Zur Steuerung von Systemwandel", vom 6. bis 8. August vor der Kulisse des Wolfgangsees statt. Franz-Stefan Meissel, Direktor der Sommerhochschule der Universität Wien sowie Initiator und Organisator der Tagung, konnte wieder zahlreiche renommierte VertreterInnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen für einen fächerübergreifenden Austausch gewinnen.

Am ersten Tag der Veranstaltung wurde das Publikum auf einem "nicht so glatten Parkett wie in Wien" von Heinz Fassmann, dem Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie u. Astronomie, in den Themenbereich "Probleme der Raumordnung in Österreich - Vorschläge für eine Neuorganisation" eingeführt. Dabei wurden Strukturprobleme - vor allem eine gewisse "föderale Unübersichtlichkeit" und "mangelnde Koordination von übergreifenden Planungszielen" - herausgearbeitet und anschließend im Plenum diskutiert.

Fokus Klimawandel

Ähnliche strukturelle Probleme einer globalisierten Welt zeichneten sich beim Thema "Transformationen der Energiesysteme im Lichte des Klimawandels" ab. Der an der Yale University lehrende Arnulf Grübler zeigte - anhand rezenter Studien des Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) - ein erschreckendes Bild der globalen Klimasituation auf: Entgegen anderslautenden öffentlichen Diskussionen sei der Klimawandel nachweislich nicht mehr aufzuhalten und anthropogen. Das Ziel der Europäischen Union, den Wandel auf zwei Grad Celsius einzudämmen, erscheint aus Sicht des Experten mehr als ambitioniert, müssten doch dafür bis spätestens 2080 weltweit die CO-2 Emissionen auf null Prozent (!) reduziert werden. Ob und inwiefern der politische Wille zu einem Systemwandel dieser Größenordnung weltweit vorhanden ist, wird sich bei der Kyoto-Nachfolgekonferenz im Dezember dieses Jahres in Kopenhagen zeigen. Grübler machte jedenfalls deutlich, dass wir "schleunigst den Bereich der reinen Klimapolitik verlassen" und gemeinsam mit der Ökonomie und anderen Einzeldisziplinen neue umsetzbare Strategien erarbeiten müssten.

Wandel im Gesundheitssystem

Am zweiten Tag der Tagung stellte Robert Rebhahn vom Institut für Arbeits- und Sozialrecht den "Wandel im Gesundheitssystem – ideal und real" dem Publikum als komplexe Materie vor. Mangels objektiver, umfassender Daten im Bereich "Gesundheitswesen" (Stichwort Qualitätsberichte) sei eine seriöse Einschätzung des Öffentlichen Gesundheitssystems in Österreich kaum möglich. Intransparenz der Zahlungs- und Planungsebenen führen dabei zu weiteren Schwierigkeiten und konterkarieren eine klare längerfristige Planung. Ausgehend von einem solidarischen Finanzierungssystem proklamiert Rebhahn als Innovationsmodell den Grundsatz der "Trennung von Zahlern und Leistungsanbietern".

Mit dem Vortrag "Einatmen. Ausatmen. Vom Schutz der Intimität im elektrischen Zeitalter" schloss der ICT-Jurist Nikolaus Forgó thematisch an das Thema des Vormittags an: Anhand der sogenannten elektronischen Gesundheitskarte führte Forgó dem Publikum mit den dramaturgischen Fertigkeiten eines gelernten Drehbuchautors vor, was es bedeutet, wenn Technik und Recht im Bereich des Internets - noch - nicht zusammen zubringen sind.

Steuerungsmechanismen und -instrumente

Abgerundet wurde der Sommerdiskurs 2009 am letzten Tag von Sylvia Kritzinger, Leiterin des Fakultätszentrum für Methoden der Sozialwissenschaften, mit ihrem Vortrag zu "Innovation und Governance: der Einfluss von Interessen". Sie spannte mit ihrem theoretischen Modell einen politikwissenschaftlichen Bogen über Steuerungsmechanismen. Policy Modi - als Begriff der Politikwissenschaft, der die unterschiedliche Ausgestaltung von Steuerungsinstrumenten bezeichnet - können und werden bereits von vornherein von den Interessen der AkteurInnen gesteuert und unterscheiden sich je nach den Interessen der AkteurInnen einerseits und den verfahrenstechnischen Strukturen im Governance-Prozess andererseits.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, und Michael Stampfer, dem Geschäftsführer des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, wurden diese theoretisch vorgestellten Aspekte anhand universitätspolitischer Steuerungsprozesse und im Lichte der Geschichte der Forschungsförderung in Österreich seit 1945 aus praktischer Sicht deutlich.

Der Sommerdiskurs war von spürbarem Diskussions- und Interaktionsinteresse getragen und kann als große Bereicherung für alle TeilnehmerInnen und deren spezifisches Fachgebiet verbucht werden. Die Aspekte "Interdisziplinarität", "Internationalität" und das Andenken "neuer Wege bei der Erarbeitung aktueller Themenbereiche", die Rektor Winckler bei der heurigen 60-Jahr-Feier der Sommerhochschule als deren besonderes Zukunftspotential hervorstrich, konnten in den offenen und modernen Diskussionen des Sommerdiskurses als Markenzeichen der Veranstaltung ausgemacht werden.
Als Generalthema des für Anfang August 2010 geplanten dritten Sommerdiskurses nannte Initiator Meissel "Komplexität und Verantwortung".

Mag. Dr. Julia Jungwirth, Institut für Römisches Recht und Antike Rechtsgeschichte, Teilnehmerin des Sommerdiskurses 2009

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