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Bericht von General Burcev an das ZK der KPdSU und Georgij Dimitrov über die Lage in Graz vom 21. Juni 1945. Links oben: handschriftlicher Vermerk Dimitrovs über die Weiterleitung des Dokuments an Außenminister Molotov.


1. Seite des Briefes des KPÖ-Vorsitzenden Johann Koplenig an Gen. Filipof(f) (= Stalin) über die Ergebnisse der Länderkonferenz vom 14. Oktober 1945. Rechts oben: Eingangs- stempel der Abteilung für internationale Information des ZK der KPdSU. Links oben: handschriftlicher Vermerk Dimitrovs über die Weiterleitung an den zuständigen Referenten G. Korotkevic.


Brief des Leiters der TASS-Abteilung in Wien N. Kanin an die Abteilung für Außenpolitik des ZK der KPdSU über Übergriffe sowjetischer Soldaten in Österreich vom 11. Dezember 1946. Briefkopf: Telegraphenagentur der Sowjetunion (TASS), Abteilung für Österreich, Wien, Beethoven-Platz.


Begleitbrief des stv. Hochkommissars der UdSSR in Österreich Generaloberst A. Zheltov an den Leiter der Außenpolitischen Kommis- sion des ZK der KPdSU V. Grigorjan vom 19. August 1949 mit Bericht über die "Vereinigung Fortschrittlicher Sozialisten". Links oben: Briefkopf des Sowjetischen Teils der Alliierten Kommission für Österreich, Wien, Hotel Imperial.


Institut für Osteuropäische Geschichte
Historische Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Sowjetische Besatzung in Österreich
Forschungsprojekte, 1945-55
Eszter Bokor (Redaktion) am 29. März 2005

Am 29. März 1945 betrat die Rote Armee Österreich; die sowjetische Besatzungsmacht blieb bis 1955 im Land. Ein aktuelles Forschungsprojekt am Institut für Osteuropäische Geschichte und der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bringt überraschende neue Erkenntnisse über die sowjetische Besatzungspolitik in Österreich zutage. So etwa Pläne zur Teilung Österreichs in eine Ost- und Westzone analog zu Deutschland.

ÖDR und BRÖ analog zu DDR und BRD? Was nach dem Plot zu einem Polit-Thriller klingt, war 1947 für die Kommunistische Partei Österreich (KPÖ) ein mögliches Szenario. In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 1947 fand in Budapest eine Geheimbesprechung zwischen Vertretern der KPÖ und Georgij Korotkevič, dem Referenten der Internationalen Abteilung der KPdSU, statt. Diskutiert wurde die Teilung Österreichs, wobei die KPÖ die Führung über den sowjetisch besetzten Ostteil des Landes übernehmen sollte. "Im Fall ihrer Verwirklichung hätten diese Pläne Ostösterreich möglicherweise ein DDR-ähnliches Schicksal beschert. Die sowjetische Führung wollte aber davon nichts wissen", so der Historiker Mag. Wolfgang Mueller. Der Teilungsplan entsprach nicht den Interessen der UdSSR, da die sowjetische Besatzungszone wohl von sowjetischer Hilfe abhängig gewesen wäre. Zudem hätte eine Teilung Österreichs den Westmächten die strategisch wichtigeren Alpenregionen zwischen Westdeutschland und Italien zukommen lassen. Dies wäre, so Mueller, ein "Horrorszenario" für die Sowjetunion gewesen. Forschungslücke sowjetische Besatzungspolitik Diese neuen Erkenntnisse lieferte ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Arnold  Suppan vom Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien und Prof. Norman N. Naimark von der Stanford University, das gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) durchgeführt worden war. Im Rahmen des vom FWF finanzierten Forschungsprojekts "Russische Quellen zur Sowjetbesatzung in Österreich 1945-1955 " untersuchte der Historiker Mag. Wolfgang Mueller von der ÖAW über hundert bisher unveröffentlichte Dokumente aus dem Bestand des Zentralkomitees der KPdSU, die sich heute im Russischen Staatsarchiv für Sozial- und politische Geschichte (RGASPI) befinden. Das Projekt sollte neues Wissen darüber liefern, wie die Sowjetunion in den Jahren 1945 bis 1955 die Lage in Österreich beurteilte, wie sie ihre Besatzungspolitik gestaltete und welche Rolle dabei die ÖsterreicherInnen spielten. "Die Sowjetbesatzung in Österreich wurde ? im Gegensatz zur Besatzungspolitik der anderen Großmächte ? bis heute nur wenig erforscht. Dies lag daran, dass die sowjetischen Originalquellen auch für ForscherInnen lange Zeit kaum zugänglich waren und erst jetzt schrittweise aufgearbeitet werden", erläutert der Historiker die Relevanz des Projekts. Geheime Dokumente aus russischen Archiven Untersucht wurden Berichte, Briefe, Besprechungsprotokolle sowie geheime Politbürobeschlüsse und Ministerratsverordnungen. Besonders wichtige Quellen waren Berichte von Besatzungsoffizieren in Österreich sowie die Korrespondenz zwischen der KPÖ-Spitze und der Parteiführung der KPdSU. So wurden etwa Briefe der KPÖ gefunden, adressiert an den "Genossen Filippov" ? den Komintern-Decknamen von Stalin. Wer diese Dokumente nachlesen will, hat ab Herbst 2005 dazu Gelegenheit: Dann soll ein zweisprachiger, kommentierter Dokumentband mit dem Titel "Sowjetische Besatzungspolitik in Österreich 1945-1955" erscheinen, in dem die untersuchten Quellen in der russischen Originalversion und in deutscher Übersetzung zu finden sind. Verbindung zwischen KPÖ und Sowjetführung Das Archivmaterial lieferte auch neue Informationen über den Austausch zwischen der KPÖ und der KPdSU: Die KPÖ hatte ihre Politik entsprechend der sowjetischen Linie auszurichten und die Sowjetführung über die Entwicklungen in Österreich zu informieren. Im Gegenzug erhielt sie materielle und propagandistische Unterstützung aus der UdSSR. "Dass die KPÖ Gelder aus Moskau erhielt, wurde lange vermutet, ist von der KPÖ jedoch stets bestritten worden. Jetzt fanden wir erstmals sowjetische Dokumente über diese Geldflüsse, die sich bis 1955 auf mindestens 68 Mio. Schilling beliefen", fasst Wolfgang Mueller einige Forschungsergebnisse zusammen. Stalins Initiativgruppe Mueller berichtet von einem weiteren bisher unbekannten historischen Detail: Im April 1945 bereitete Stalin die Entsendung einer so genannten "Initiativtruppe" nach Österreich vor. Dabei handelte es sich um geschulte ExilkommunistInnen, die sich hier für die Stärkung der kommunistischen Bewegung einsetzen sollten. Mit dem Erscheinen Karl Renners auf der politischen Bühne wurde dieser Plan jedoch von Moskau revidiert, stattdessen setzte auch die sowjetische Führung auf die Bildung einer provisorischen Regierung. (eb)   Vortrag am 13. April 2005, 13.30 Uhr Mag. Wolfgang Mueller: "Die sowjetische Besatzungspolitik in Österreich 1945-1955" Hörsaal des Instituts für Osteuropäische Geschichte Universitätscampus Hof 3 Spitalgasse 2-4, 1090 Wien   Konferenz vom 8. bis 11. Mai 2005 "Der österreichische Staatsvertrag zwischen internationaler Strategie und nationaler Identität" Programm (pdf) Österreichische Akademie der Wissenschaften Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 2, 1010 Wien   Buchtipps Wolfgang Mueller, Gennadij Bordjugov, Arnold Suppan, Norman Naimark (Hg.): Sowjetische Besatzungspolitik in Österreich 1945-1955: Dokumente aus russischen Archiven, ÖAW-Verlag, Herbst 2005 Wolfgang Mueller: Die sowjetische Besatzung in Österreich 1945-1955 und ihre politische Mission, Herbst 2005  

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