Inwieweit waren Institutionen wie Parlament oder Militär in der Zwischenkriegszeit vergeschlechtlicht? Welches Geschlecht wurde AkteurInnen des Staates damals zugeschrieben? Diesen und anderen Fragen rund um Geschlechterperspektiven in der Zeit zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg geht die interdisziplinäre Tagung "Staat in (Un)Ordnung" am Freitag, 5. November, und Samstag, 6. November 2010, nach. |
WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen - u.a. Germanistik, Politikwissenschaft, Zeitgeschichte, Film- und Theaterwissenschaft - referieren und diskutieren im Rahmen der Tagung "Staat in (Un)Ordnung" über vergeschlechtlichte Repräsentation von Herrschaft in der Zwischenkriegszeit. Anhand der vier Themenkomplexe Staatliche Institutionen, Modelle nicht-staatlicher Vergemeinschaftung, Legitimation staatlicher Herrschaft sowie Staatsgewalt und Widerstand wird das Zusammenwirken von Staat und Geschlecht in literarischen und staatstheoretischen Texten wie auch Filmen der Zwischenkriegszeit analysiert.
Vertiefung des FWF-Projekts "Tropen des Staates"
Die interdisziplinäre Tagung findet im Rahmen des von September 2008 bis Juni 2011 laufenden FWF-Projekts "Tropen des Staates" statt. Unter der Leitung von Roland Innerhofer vom Institut für Germanistik analysiert das fünfköpfige GermanistInnen- und PolitologInnenteam - Stefan Krammer, Marion Löffler, Wolfgang Straub, Martin Weidinger und Sabine Zelger - das Zusammenspiel von Literatur, Film und Staatstheorie der Zwischenkriegszeit in Österreich und Deutschland.
Ihre bisherigen Analysen werden nun im Zuge der interdisziplinären Tagung gemeinsam mit KollegInnen aus unterschiedlichen Disziplinen vertieft. Im Rahmen der Veranstaltung liegt der Fokus auf dem Zusammenwirken von "Staat und Geschlecht" in dieser Periode.
Ordnung und Unordnung von Geschlechterverhältnissen
Den OrganisatorInnen der Tagung, Stefan Krammer vom Institut für Germanistik, Marion Löffler und Martin Weidinger vom Institut für Politikwissenschaft, ist es wichtig "ein methodisch breites Spektrum zu diskutieren, sodass im Sinne der 'Intersektionalität' auch Themen wie Antisemitismus und Nationalismus Raum finden."
Neben einer internationalen Vernetzung setzt die Tagung einen besonderen Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit und den inhaltlichen Austausch zwischen ForscherInnen unterschiedlicher Institute. "Ziel ist es, einen Raum zur Kooperation zu schaffen, der im üblichen Lehr- und Forschungsbetrieb der Universität selten realisiert werden kann", so die TagungsorganisatorInnen. Darüber hinaus ist den VeranstalterInnen auch die studentische Teilnahme wichtig.
Programmquerschnitt
Die Tagung wird am Freitag, 5. November 2010, um 9 Uhr vom ehemaligen Dekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, Franz Römer, eröffnet. Die anschließenden Vorträge haben u.a. "Staat und Familie - ein zerrüttetes Verhältnis?" (Marion Löffler), "Erotik schauen, Kapital sehen. Eine filmische Genealogie zwischen 1925 und 1933 am Schauplatz Wien" (Elisabeth Büttner) und "Imaginierte Männlichkeit. Ernst Jünger oder Die totale Mobilmachung der organischen Konstruktion" (Roland Innerhofer) zum Thema.
Am Samstag referieren u.a. Ulla Wischermann von der Goethe Universität Frankfurt am Main über "Transnationale Frauenbewegungen und ihre internationale Organisierung in der Zwischenkriegszeit", Frank Stern vom Institut für Zeitgeschichte über "Filmbilder von Sex und Gender als Demokratische Subversionen" und Eva Horn vom Institut für Germanistik über "Die doppelte Maria. Weibliche Führerschaft in Fritz Langs Metropolis". (td)
Interdisziplinäre Tagung: "Staat in (Un)Ordnung. Geschlechterperspektiven auf die Zwischenkriegszeit" Freitag, 5. November und Samstag, 6. November 2010, ab 9 Uhr ÖBV - Österreichische Beamtenversicherung Seminarraum 2 Grillparzerstraße 14, 1010 Wien Programm (PDF)
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