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von li. nach re.: Donna Cross von der Edith Cowan University Western Australia, Sektionsleiterin Heidrun Strohmeyer, Bildungspsychologin Christiane Spiel und Erling Roland von der University of Stavanger, Norwegen. Foto: T. Dirtl


Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluationder Fakultät für Psychologie
Strategie gegen Gewalt an Schulen
Forschungsprojekte
Redaktion am 13. Juni 2007

Gewalt und Aggressionen stellen ein sehr ernstes Problem an Schulen dar. SchülerInnen werden regelmäßig von MitschülerInnen körperlich attackiert; verbale Beschimpfungen kommen noch häufiger vor. Derzeit gibt es in Österreich zwar viele Maßnahmen zur Gewaltprävention, jedoch sind diese weder theoretisch fundiert noch in eine Gesamtstrategie eingebettet. Diesem Manko hat sich nun die Bildungspsychologin Christiane Spiel angenommen: Ihr Team erarbeitet im Auftrag des Unterrichtsministeriums eine Gesamtstrategie zur Gewaltprävention an Österreichs Kindergärten und Schulen.

Bis Oktober 2007 soll das vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:uuk) in Auftrag gegebene Konzept für eine Gesamtstrategie gegen Gewalt an Schulen stehen. "Der Austausch mit internationalen ExpertInnen ist dabei sehr wichtig, da schon einige Länder erfolgreich eine solche Gesamtstrategie entworfen und in die Praxis umgesetzt haben", erklärt die Projektleiterin Univ.-Prof. Mag. DDr. Christiane Spiel vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation. Als Vorbilder dienen unter anderem Modelle wie das "Zero"-Programm in Norwegen oder das "friendly schools"-Programm in Australien.

Österreich liegt im "Spitzenfeld"

"Das Phänomen Gewalt in seinen unterschiedlichsten Ausformungen ist in Österreich im internationalen Vergleich stark ausgeprägt", so Spiel: "Wir können nicht sagen, bei uns ist es nicht so schlimm." Bei einer 2004 erschienenen WHO-Vergleichsstudie liegt Österreich beim so genannten "Bullying", also dem Ausüben physischer oder psychischer Gewalt, sowohl bei Tätern als auch Opfern im absoluten "Spitzenfeld". Den Gewaltbegriff fasst Spiel dabei weit und meint nicht nur körperliche Attacken, sondern etwa auch das Verbreiten von Gerüchten über andere Schüler oder das Ausschließen vom Spielen.

Internationaler Austausch

Der Strategieplan wird einschlägige wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Erfahrungen anderer Ländern inkludieren. Diese sollen dann an die österreichische Situation und die verschiedenen Altersstufen angepasst werden. Dazu tauschte sich das Team um Christiane Spiel mit Prof. Debra Pepler (University of York, Toronto, Kanada), Prof. Erling Roland (University of Stavanger, Norwegen) sowie Prof. Donna Cross (Edith Cowan University Western Australia) aus. All diese Inputs werden bei der Erstellung des Strategieplans berücksichtigt. Ein besonders wichtiges Vorbild sei Norwegen, sagt Spiel: Dort haben Ministerpräsident, Unterrichtsminister sowie Schulpartner ein "Manifest gegen Gewalt" unterzeichnet. "Um etwas bewegen zu können, brauchen wir die Politik und auch die Medien", erklärt die Bildungspsychologin.

"Zero" Toleranz gegen Gewalt

Das norwegische "Zero"-Programm soll verdeutlichen, dass keine Form von Gewalt geduldet werde. "Die gesamte Schule vom Direktor bis zu den Eltern ist darin eingebunden: Aggressionen werden nicht toleriert, die Lehrer schreiten sofort ein, die Eltern werden verständigt", erzählt der Norweger Erling Roland. LehrerInnen werden unter anderem mit Videos geschult, wie sie in Bullying-Situationen reagieren und mit Opfern bzw. Tätern umgehen sollen. "Innerhalb von drei Jahren nach Implementierung dieser Strategie ist die Gewaltrate an norwegischen Schulen um rund 30 Prozent zurückgegangen", so Roland. Donna Cross aus Australien nannte als wichtige Faktoren gegen Gewalt auch die Konstruktion von Schulen. So sollten etwa schwer einsehbare Stellen am Schulgelände vermieden werden. Viel Glas und Licht helfe den Lehrkräften, sämtliche SchülerInnen im Auge behalten zu können.

Nachhaltigkeit und soziale Kompetenz

"Ein systematischer Umgang mit dem Thema Gewalt ist notwendig. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Gewaltpotenzial an der Schule und den Leistungen von SchülerInnen", sagt Mag. Heidrun Strohmeyer, Leiterin der Sektion "Allgemeine pädagogische Angelegenheiten" im Unterrichtsministerium.
Für Spiel geht es im Zuge des Projekts auch darum, die soziale Kompetenz aller Beteiligten, wie LehrerUInnen, SchülerInnen und Eltern, bewusst zu fördern: "Es hat keinen Sinn, wenn nur Einzelpersonen mitmachen. Wir wollen alle Gruppen langfristig und nachhaltig einbinden." (td/APA)

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