Synchron-Schwindler am Werk |
| Kultur |
| Simone Kremsberger (Redaktion) am 13. Januar 2005 |
Die "Agentur maschek" unternimmt in "The Great Television Swindle" im Rabenhof Theater eine Expedition durch 50 Jahre Fernsehgeschichte und deutet sie in kompromissloser Live-Synchronisation neu. |
Die Manipulierbarkeit von Bildern hat sich das kabarettistische Impro-Synchronisationstrio maschek zum Programm gemacht. maschek, das sind Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel, Sprösse der 1970er Jahre, die sich beim Studium an der Universität Wien kennen lernten, formierten und zu radikalen Neudeutern von TV-Archivmaterial entwickelten. Vom "Underground" zum Regierungsauftrag Ihre Fernseh-Rückblick-Show "maschek.redt.drüber" im Wiener Rabenhof und im Grazer Theater im Bahnhof hat mittlerweile Kult-Faktor. Doch irgendwann reicht es den drei Synchron-Schwindlern nicht mehr, im "Underground" zu werken, und sie nehmen einen Auftrag der Regierung Wolfgang Schüssel an: die Fernseh-Archivbilder der Politgeschichte so umzudeuten, dass die Regierungsmannschaft gut dastehe. Gewisse Skrupel gegenüber dem staatlichen Auftraggeber sind rasch beseitigt, und die Agentur maschek macht sich ans Werk. Soweit der Plot zu dem neuesten maschek-Programm "The Great Televison Swindle. Eine Expedition durch 50 Jahre Fernsehgeschichte". maschek beweist sich hier nicht nur in der Impro-Synchronisationskunst, wobei ein wenig mehr Differenzierung bei den weiblichen Stimmen angebracht wäre, sondern liefert die Story des Aufstiegs und Scheiterns der Agentur maschek mit. Erstmals ist mit Ed Hauswirth vom Theater im Bahnhof auch ein Regisseur an Bord. Gleich zwei Leinwände, die auch Live-Projektionen erlauben, allerhand technischer Krimskrams und Sounds und Visuals von Wiens aufstrebendem musikalischen Wunderkind Gustav alias Eva Jantschitsch unterstützen sie bei ihrem Werk: "Sie können uns 90 Minuten lang auf die Finger schauen, wie wir mit den Bildern spielen." Ja. Kanzler Habakuk, Vize Mimi Wir schauen zu, wie die drei in der österreichischen (Fernseh)Geschichte fuhrwerken, wir verfolgen, wie Leopold Figls medienwirksamer Satz "Österreich ist frei!" entsteht, wir erleben, wie Bruno Kreisky und Josef Taus bei der Fernsehdiskussion zur Nationalratswahl 1975 die Rollen des "echten Staatsmanns" und des "sicheren Verlierers" tauschen, wir sehen mit Schrecken, wie das Kinderprogramm "Wer bastelt mit?" als 'Zuchtlager' für Akkordarbeiter enttarnt wird. Natürlich bleiben solche Manipulationen nicht ohne Folgen. Und plötzlich ist der Kärntner Landeshauptmann Kanzler. Worauf ein Vertreter der Agentur maschek in "Haider-Panik" gerät und wüst zu randalieren beginnt. Schnell wird die Geschichte weiter umgeschrieben, und über Kanzler-Vizekanzler-Konstellationen wie Franz Schuh und DJ Ötzi, Habakuk und Mimi erringt man erneut Schüssels Sieg ? um auf diese Weise zum wohl verdienten Honorar für den schweißtreibenden Regierungsauftrag zu kommen. Ob dem Trio der Aufstieg zur Haus- und Hof-Agentur der öffentlichen Hand schließlich gelingt oder ob es dem Underground erhalten bleibt, ist im Rabenhof Theater zu überprüfen, live, echt und ? "wir können uns keinen Text merken" ? immer neu. (sk) "The Great Television Swindle. Eine Expedition durch 50 Jahre Fernsehgeschichte? von und mit maschek Weitere Vorstellungen: 13., 14., 15., 21., 22. Jänner 2005, 20 Uhr Rabenhof Theater |


