Am Donnerstag, 26. März 2009, findet in der Aula am Campus der Universität Wien die Tagung "Europa und das Andere. Konflikte um Geschlecht und Religion" statt. Die Veranstaltung wird vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien in Kooperation mit dem Institut für Konfliktforschung (IFK) und dem Demokratiezentrum Wien (DZ) organisiert. Neben einer Podiumsdiskussion zum Thema "Einwanderungsstadt Wien. Wie umgehen mit kultureller und religiöser Diversität?" werden internationale ExpertInnen zu verschiedenen Schwerpunkten referieren. |
Die Verschleierung vor Gericht, Moscheebauten oder die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie: Konflikte um Geschlecht und Religion treten nicht nur in Österreich vermehrt auf: "In den letzten Jahren beobachten wir eine verstärkte Kulturalisierung der Debatten um Migration und Integration. Religion, insbesondere in Verbindung mit Geschlechterthemen, spielt dabei eine besondere Rolle. Konflikte wie jene um Religionsunterricht und Kopftuch werden uns daher weiter beschäftigen", so die Veranstalterinnen vom Institut für Konfliktforschung, Mag. Karin Bischof und MMag. Dr Karin Stögner. Ziel der Tagung ist ein besseres Verständnis für die Hintergründe von "kulturellem Unbehagen" auf beiden Seiten, von Ab- und Ausgrenzung und von Vorurteilen in Einwanderungsgesellschaften zu schaffen.
Konfliktfelder Geschlechterordnung und Religion
Vier Projekte an Wiener Forschungseinrichtungen haben die bisher wenig beachtete Rolle der Geschlechterordnung als Terrain aktueller Konflikte um Religion und Migration untersucht. Auf der Tagung werden unter anderem Aspekte der Diskurse und Regulationen rund um das muslimische Kopftuch, die Problematik traditionsbedingter Gewalt sowie die österreichischen Debatten um einen EU-Beitritt der Türkei behandelt.
"An den Debatten zum muslimischen Kopftuch wird deutlich, dass identitäre Prozesse über Frauen und ihre Körper - und damit auch zu Lasten von Frauen - ausgehandelt werden", erklären Mag. Leila Hadj-Abdou und Dipl.-Soz. Nora Gresch vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, die im Rahmen des EU-Projekts VEIL (Values Equality & Differences in Liberal Democracies) die Debatten in Europa über das Tragen des Kopftuchs bei muslimischen Frauen untersuchten. Das Kopftuch verstärkt stereotype Konstruktionen kultureller und religiöser Andersheit, wobei in den Medien geschlechtsspezifische Themen wie die Teilnahme am koedukativen Sportunterricht oder Zwangsverheiratung besonders präsent sind. Nicht selten ist damit ein abwertend "orientalistischer Blick" auf die Anderen verbunden, der auch der Absicherung der eigenen - europäisch-westlichen - Überlegenheit dient. Dabei erscheinen in gängigen Vorurteilen Frauen als passiv und traditionell, Männer als unzivilisiert und bedrohlich.
Staatsbürgerliche Inklusion statt kulturelle Abgrenzung
Die Veranstaltung plädiert gegen die landläufige Vorstellung, dass "die Kultur" von MigrantInnen fix und starr ist. "Migrantische Milieus sind keineswegs homogen. Sie können nicht ohne die Erfahrungen von Rassismus, fehlenden Arbeitsmöglichkeiten und rechtlichen Diskriminierungen verstanden werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Birgit Sauer vom Institut für Politikwissenschaft und Koordinatorin des VEIL-Projekts. Über eine "Politik der Toleranz" hinaus sei daher eine umfassende gesellschaftliche Inklusion nötig, die MigrantInnen nicht als "AusländerInnen" draußen hält, sondern als "BürgerInnen" einbezieht: "Minderheiten brauchen Stimme und Raum in Entscheidungsprozessen der Mehrheitsgesellschaft. Und dies wiederum setzt die Verbesserung der sozialen, ökonomischen und politischen Situation von MigrantInnen voraus".
Podiumsdiskussion zum Thema "Einwanderungsstadt Wien"
Zum Abschluss der Tagung wird in einer Podiumsdiskussion konkret auf die Situation in Wien eingegangen. Unter der Moderation von Hikmet Kayahan diskutieren die Religionslehrerin Gülmihri Aytac, Standard-Redakteurin Irene Brickner, Politologe Manfried Welan und die Leiterin der MA 17 für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten, Ursula Struppe, die Frage, wie mit kultureller und religiöser Diversität umgegangen werden sollte. (red)
Tagung: "Europa und das Andere. Konflikte um Geschlecht und Religion" Donnerstag, 26. März 2009, 10 Uhr bis 19 Uhr Aula am Campus der Universität Wien Spitalgasse 2-4, Hof 1, 1090 Wien Nähere Informationen |