Im Februar 2010 forderten 97 WissenschafterInnen aus zahlreichen Disziplinen in einem offenen Brief an die Mitglieder des Parlaments sowie der Bundesregierung die Rehabilitierung der nichtnationalsozialistischen Opfer des Regimes 1933-38. Die Reaktionen der politischen EntscheidungsträgerInnen waren verhalten positiv, konkrete Schritte sind bisher ausgeblieben.
Tagung mit Workshop und Symposium
WissenschafterInnen des Instituts für Zeitgeschichte und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät bringen nun wieder Bewegung in die Thematik: Von 20. bis 26. Jänner 2011 findet die Tagung "Österreich 1933 bis 1938“ statt, diese teilt sich in zwei Bereiche: einen Workshop am 21. und 22. Jänner am Campus zum Thema "Die Forschungsgräben schließen? Zu Stand und Desideraten der Erforschung des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes" sowie ein Symposium vom 24. bis 26. Jänner über "Interdisziplinäre Bestandsaufnahmen und Perspektiven" im Juridicum.
ForscherInnen aus dem In- und Ausland diskutieren dabei nicht nur den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zum Regime Dollfuß-Schuschnigg, sondern auch Forschungslücken, neue Ansätze, Quellen und Methoden. Die WissenschafterInnen behandeln dabei die Themenbereiche Verfassung, Verfolgung der politischen Opposition, politische Gewalt und Justiz über Rückgabe und Rehabilitierungsdebatte, Wissenschaftsgeschichte, Arbeit und Wirtschaft sowie Gesundheit und Soziales.
Vorträge: Eliten, Universitäten, "Anhaltelager", europäische Perspektive
So referiert Gerhard Hartmann, freier Historiker, über Herkunft, Zusammensetzung und Transformationen der Funktionselite der Jahre 1933/34 bis 1938. Herbert Posch vom Institut für Zeitgeschichte widmet sich den Universitäten dieser Periode, Gertrude Enderle-Burcel (Österr. Gesellschaft für historische Quellenstudien) dem "Staat im Umbruch - Forschungslücken zur Geschichte Österreichs der Jahre 1933 bis 1938" und Pia Schölnberger vom Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte "Freiheits- und Vermögensentzug in austrofaschistischen 'Anhaltelagern'". Eine europäische Perspektive eröffnet Alessandro Somma vom Dipartimento di Scienze Giuridiche, Ferrara, mit seinem Vortrag "Die große Transformation: "Modernisierung und soziale Befriedung in den europäischen Faschismen".
Podiumsdiskussion: Aufgearbeitet und bewältigt?
Am 24. Jänner diskutiert eine hochkarätige Runde über "Das Dollfuß-Schuschnigg-Regime im Lichte der Rechts- und Zeitgeschichte": Clemens Jabloner (Präsident des Verwaltungsgerichtshofs), Wilhelm Brauneder (Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte und ehem. Dritter Nationalratspräsident), Brigitte Bailer-Galanda (Wissenschaftliche Leiterin Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes) und Helmut Wohnout (Bundeskanzleramt). Moderiert wird die Veranstaltung von Oliver Rathkolb (Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte) und Ilse Reiter-Zatloukal (Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte). (ad)
Podiumsdiskussion "Das Dollfuß-Schuschnigg-Regime im Lichte der Rechts- und Zeitgeschichte" Montag, 24. Jänner 2011, 18 Uhr Juridicum Dachgeschoß Schottenbastei 10-16, 1010 Wien
Detailliertes Konferenzprogramm (PDF)
|