![]() Trappist beim Predigen, Mariannhill. ![]() Die ersten afrikanischen Priester Südafrikas. ![]() Trappistenpatres, Mariannhill. Fotos: GACMM (Generalatsarchiv Congregatio Missionariorum de Mariannhill). Homepage Clemens Gütl |
Trappistenmission Mariannhill in Südafrika |
| Forschungsprojekte |
| Dieter N. Unrath (Redaktion) am 21. Oktober 2004 |
Missionierungen durch die katholische Kirche waren und sind nach wie vor umstritten. Das Dissertationsprojekt von Mag. Clemens Gütl (Institut für Afrikanistik) beschäftigt sich mit der Geschichte der Missionierung von AfrikanerInnen im Umfeld des ehemaligen Trappistenklosters Mariannhill in Südafrika. |
Die sozialhistorische Detailstudie trägt den Arbeitstitel "Die Trappistenmission Mariannhill 1882-1909: Eine Untersuchung europäisch-afrikanischer Interaktion in der kolonialen Situation unter besonderer Berücksichtigung ökonomischer und soziokultureller Faktoren". "Das Ziel meiner Dissertation wird die Rekonstruktion der afrikanischen Seite des Missionsprozesses sein, wobei die Interaktion zwischen der einheimischen isizulusprachigen Bevölkerung und der 'Klostermannschaft' (Patres, Brüder und Klosterschwestern) eingehend analysiert wird", konstatiert Gütl, dessen Dissertationsbetreuer Hon.-Prof. Dr. Christian Mährdel (Institut für Afrikanistik, Institut für Geschichte, Institut für Zeitgeschichte) ist. Ungewöhnlich: missionierende Trappisten Das Kloster Mariannhill wurde 1882 in der britischen Kolonie Natal von Trappistenmönchen gegründet. Die Mönche kamen hauptsächlich aus Deutschland (Bayern und Rheinland) und aus Österreich, der Gründer und erste Abt, Pater Franz (Wendelin) Pfanner (1825-1909), stammte aus Vorarlberg. Er verstand es, Menschen zum Klostereintritt zu motivieren mit der Folge, dass es sich bis zum Jahr 1900 personell mit ca. 300 Mönchen und eben so vielen Missionsschwestern zum größten Trappistenkloster der Welt entwickelte. Pfanner hatte ab 1885 auch europäische Frauen angeworben und einen eigenen Orden gegründet, der für die Missionierung der afrikanischen Mädchen und Frauen zuständig war. Obwohl der Trappistenorden eine schweigende und kontemplative Gemeinschaft ist, betrieb das Kloster trotzdem intensiv Missionsarbeit. Diese Tatsache ließ sich mit der beschaulichen und zurückgezogenen Lebensweise des Trappistenordens nicht vereinbaren. Daher trennte Papst Pius X. 1909 das Kloster Mariannhill und seine Filialstationen vom Ordensverband und gab den Weg frei zur Gründung der Kongregation der Missionare von Mariannhill, die noch immer das Kloster unweit der Hafenstadt Durban betreuen. Mariannhill war weltbekannt und bedeutend und wurde u.a. vom amerikanischen Autor Mark Twain und Mahatma Ghandi besucht, die sich von der Lebensweise der Mönche beeindruckt zeigten. Konvertiten aus ökonomischen Gründen? Clemens Gütl, dessen Arbeit mit einem Doktoratsstipendien der ÖAW finanziert und voraussichtlich Anfang 2005 fertig gestellt wird, beschäftigt sich vor allem mit den Motiven von AfrikanerInnen zur (zumindest formellen) Akzeptanz katholischer Glaubens- und Lebensformen im Übergang von traditionellen Strukturen zur Annahme einer eigenen Identität als Gruppe von "amaKholwa" ("Gläubige", afrikanische ChristInnen). Die vielfältigen Rollen der beteiligten AkteurInnen, ihre Denk- und Handlungsweisen werden differenziert analysiert. Fragen wie "Was bewegte die Einheimischen zu konvertieren oder gar katholische Priester zu werden?" sollen geklärt werden. "Bisherige Recherchen ergaben, dass die einheimische Bevölkerung vom Kloster ökonomisch profitierte und durch kostenlosen Schulbesuch und die Verteilung von Kleidung oder ähnliche wirtschaftliche Maßnahmen gewissermaßen 'angelockt' wurden, bevor sie katholisch getauft, d. h. 'bekehrt' wurden. Außerdem verlangte das Kloster beispielsweise von ihren afrikanischen Pächtern weniger Zins, als es andere Grundbesitzer taten", erklärt Gütl. Wenige Vorarbeiten Leider gibt es wenige Vorarbeiten zum Thema, sowohl was die Thematik "europäisch-afrikanische Interaktion" allgemein als auch die kritische Erforschung der katholischen Kirchen- und Missionsgeschichte in Afrika im Besonderen betrifft. Die Beschäftigung aus der afrikanistisch-geschichtswissenschaftlichen Perspektive ist nahezu nicht existent, so der Afrikanist Gütl. "Theologische bzw. kirchenhistorische Zugänge spiegeln meist nur die Innensicht wider, ohne Bezüge zu politischen, ökonomischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen der Betroffenen herzustellen und ohne, dass sie die jeweiligen AkteurInnen, auch nicht die europäischen, in Beziehung zum historischen Kontext jener Zeit setzen", kritisiert Clemens Gütl. Bisherige Arbeiten tendierten vielfach zu einer Darstellung von AfrikanerInnen als passive Subjekte, deren Denken und Handeln aus einer ausschließlich europäischen Sicht interpretiert wurde, ohne die betreffenden Personen selbst zu Wort kommen und sie Stellung beziehen zu lassen. Gütl lässt daher auch Informationen aus der Oral History in seine Arbeit einfließen: Er hatte u.a. die Gelegenheit zu lebensgeschichtlichen Interviews mit drei inzwischen hochbetagten AfrikanerInnen, darunter dem 96-jährigen Sohn eines der ersten Konvertiten in Mariannhill. Zum Teil verschlossene Quellen Wichtige Quellen befinden sich in Kolonialarchiven in Südafrika. Die bedeutendsten und gleichzeitig umfangreichsten Dokumente zur Lebenssituation der AfrikanerInnen in Natal sind wohl jene des sogenannten Secretary for Native Affairs und die Natal Colonial Publications. Auch Tageszeitungen, die teilweise sehr kritisch über Mariannhill berichteten, wertet Gütl aus. Es können vor allem schriftliche europäische Missionsquellen genutzt und ausgewertet werden: "Dabei gibt es aber die Schwierigkeit des Zuganges zu den entsprechenden Dokumenten, weil vielfach die Sorge besteht, dass man beim Recherchieren auf Informationen stößt, die auf die Tätigkeit in Mariannhill ein schlechtes Licht werfen könnten", so Mag. Gütl. (du) Buchtipp: ?Adieu ihr lieben Schwarzen? - Gesammelte Schriften des Tiroler Afrikamissionars Franz Mayr (1865-1914). Herausgegeben und kommentiert von Clemens Gütl. Wien, Köln: Böhlau-Verlag (erscheint im Herbst 2004). Ca. 400 Seiten, ca. 64 SW-Abb., ISBN 3-205-77144-3 |



