Vielfältige Elternbilder an der Universität |
| Service |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 30. August 2004 |
Individuelle Lösungsstrategien und unterschiedliche Rollenbilder von Müttern und Vätern an Wiener Universitäten präsentiert das Projekt "Elternbilder" des Kinderbüros an der Universität Wien. Eine neue Serviceeinrichtung unterstützt Uni-Eltern ab Oktober: das "Elternzimmer" bietet Computerarbeitsplätze mit Kinderbetreuung im "Kinderzimmer". |
"Kinder wirken sich nicht negativ auf Karrierepläne aus! Im Gegenteil - durch ihre Existenz wird man zielorientierter, und damit steigt die Eigenverantwortung", beschreibt ein Anthropologe seine Erfahrungen mit der Vereinbarkeit von Vater- und Wissenschaft. "Einmal hörte ich den Vorwurf, dass sich frischgebackene Mütter für eine Dissertation nicht eignen würden, da ihnen die nötige Konzentration fehle: Das stimmt nicht. Einteilung ist alles, und dann kommt auch die wissenschaftliche Arbeit nicht zu kurz", fasst eine Juristin im Doktoratsstadium gängige Vorurteile zusammen. Diese und andere sehr persönlichen Reflexionen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft an der Universität sind seit kurzem in der Porträtserie "Elternbilder" auf der Homepage des Kinderbüros nachzulesen. Uni-Eltern sichtbar machen "Wir möchten Eltern im Wissenschaftsbetrieb sichtbar machen und WissenschafterInnen und Studierende vorstellen, die die Entscheidung für Kinder mit ihren Ambitionen in Beruf und Studium vereinbaren konnten", erklärt Mag. Karoline Iber, Projektleiterin des Kinderbüros, das Ziel von "Elternbilder". "Studien und Statistiken belegen, dass gerade am Arbeitsplatz Universität die Vereinbarkeit von Beruf bzw. Studium und Elternschaft als schwierig erlebt wird. In vielen Fällen wird Elternschaft zu einem relevanten Faktor für veränderte Berufsperspektiven oder Karrierebrüche: etwa in Form eines Berufswechsels, Studienverzögerungen oder einer Drop-out-Quote, die bei Studierenden mit Kind besonders hoch ist", fasst Mag. Kerstin Kopf, die das Projekt betreut, die Ausgangslage zusammen. Persönliche und einzigartige Porträts 15 Frauen und fünf Männer unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Disziplinen, WissenschafterInnen wie Studierende ? wobei die Grenzen hier fließend sind: viele WissenschafterInnen haben auch mit Kind(ern) studiert, einige Studierende schreiben bereits an ihrer Dissertation ?, haben seit Februar diesen Jahres einen umfangreichen Fragebogen beantwortet. In den Interviews geben sie Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen und Probleme, mit denen sie im Verlauf ihres wissenschaftlichen Werdegangs konfrontiert wurden, und erörtern Strategien, wie Karrierehürden überwunden werden konnten. Auf der Suche nach der (verlorenen) Zeit Jedes Porträt ist einzigartig, stellt Kerstin Kopf fest, und doch lassen sich aus den unterschiedlichen Lebensläufen einige Gemeinsamkeiten herausfiltern: So ist die knappe (Frei-)Zeit für viele ein großes Problem, dieser Zeitmangel kann aber auch die Arbeitseffizienz steigern, wie einige Eltern feststellen konnten: "Ich wurde zielgerichteter ? nach dem Motto: 'Mir stiehlt niemand meine kostbare Zeit'", resümiert etwa die ehemalige ÖH-Vorsitzende Patrice Fuchs. "Ich habe gelernt, viel strukturierter zu arbeiten und kann fast übergangslos anfangen oder abschalten", erkennt auch die Historikerin Mag. Meike Lauggas. Eine Schwierigkeit der Tätigkeit als WissenschafterIn benennt die Hispanistin und Mitarbeiterin am Projektzentrum Genderforschung, Mag. Marlen Bidwell-Steiner: "Das Socializing kommt viel zu kurz. Die für eine Karriere wichtigen Netzwerke und Veranstaltungsbesuche können aus Gründen des Zeitmanagements nicht so gepflegt und ausgebaut werden." Netzwerke aufbauen, Unverständnis abwehren Neben den individuellen und unterschiedlichen Lösungsansätzen, den differenten Rollenbildern und Orientierungshilfen, die die Elternporträts aufzeigen, wurde auch nach Ratschlägen gefragt, die anderen Betroffenen Mut machen können. Ganz wichtig erscheint den Interviewten unter anderem, die vorhandenen Angebote an Kinderbetreuung und Finanzierung auch wirklich zu nützen, sich ein Netzwerk an Familie, FreundInnen und anderen Eltern zu schaffen und sich vor allem nicht "vom Unverständnis der (meist) kinderlosen KollegInnen in die Enge treiben zu lassen", wie eine Archäologin rät. Diese und andere Tipps sollen, so Kopf, in einer Broschüre gesammelt werden, die auch einige ausgewählte Elternbilder enthalten wird. "Das Projekt soll noch wachsen und durch neue Porträts bereichert werden", ermuntert Kerstin Kopf Eltern an der Universität ? die selbstverständlich anonym bleiben können ?, ihr Know-how und ihre Erfahrungen anderen mitzuteilen und den auf der Homepage abrufbaren Fragebogen auszufüllen. "Elternzimmer" und "Kinderzimmer" "Nur durch Bewusstmachung der Hürden, die Mütter und Väter an der Universität ? egal ob WissenschafterInnen oder Studierende ? überwinden müssen, kann nachhaltig eine Verbesserung der Situation erreicht werden", betont Projektleiterin Iber. Konkrete Unterstützung für wissenschaftlich arbeitende Eltern mit Betreuungspflichten bietet ab Anfang Oktober das "Elternzimmer" in den Räumlichkeiten des Kinderbüros: Studierende und WissenschafterInnen haben immer mittwochs und donnerstags die Möglichkeit zu kostenlosem Zugang zu fünf eingerichteten Computerarbeitsplätzen. Das Angenehme: Während der Nutzung des "Elternzimmers" werden Babys und Kinder bis zwölf Jahre nebenan im "Kinderzimmer" professionell betreut. Das "Kinderzimmer", eine stundenweise, flexible und bedarfsorientierte Einrichtung, steht seit März 2004 allen Kindern von Angehörigen der Wiener Universitäten zur Verfügung. (mh) Im Rahmen des Projekts "Elternbilder - studierende und wissenschaftlich tätige Eltern im Porträt" lädt das Kinderbüro an der Universität Wien am Montag, den 25. April von 17 bis 18.30 Uhr (Aula Uni-Campus) zur Buchpräsentation und Podiumsdiskussion zum Thema "Eltern schaffen Wissenschaft" ein. Am Podium: WissenschafterInnen und Studierende mit Kind(ern), Moderation: Claudia Reiterer (ORF) Projekt "Elternbilder": Weitere Informationen (pdf), Interesse an einer Teilnahme: (01) 4277-107 01 (Mag. Kerstin Kopf ) E-Mail: elternbilder.kinderbuero@univie.ac.at Öffnungszeiten "Elternzimmer" und "Kinderzimmer": Mi 8.30-18 Uhr, Do 14-20 Uhr in den Räumlichkeiten des Kinderbüros an der Universität Wien Lammgasse 8/4, 1080 Wien E-Mail: kinderzimmer@univie.ac.at |




