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Die Philosophin Violetta L. Waibel hält am 29. Juni im Rahmen des Dies Facultatis der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft ihre Antrittsvorlesung.


Einladung zum Dies Facultatis und der Antrittsvorlesung von Violetta Waibel Institut für Philosophie der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft Lebenslauf von Violetta L. Waibel
Violetta Waibel: Verfechterin der Freiheit
Porträts Neo-Professuren, Professuren
Verena Gappmaier (Redaktion) am 22. Juni 2009

Am Montag, 29. Juni 2009, hält die Philosophin Violetta L. Waibel im Rahmen des Dies Facultatis der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft ihre Antrittsvorlesung zum Thema "Dialektische Bildeprozesse – rastloser Stillstand? Anmerkung zur Europäischen Philosophietradition". Die gebürtige Deutsche, die seit 2004 an der Universität Wien forscht und lehrt, trat im Februar 2009 ihre Professur für Europäische Philosophie und Continental Philosophy an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft an.

Das Visuelle spielt eine Schlüsselrolle in Violetta Waibels Zugang zur Philosophie. Die Beschäftigung mit Bildern war ihr schon immer wichtig, weshalb sie im ersten Bildungsweg Kunsterziehung an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) studierte und anschließend eine Ausbildung zur Augenoptikerin machte. 1980 begann sie an der LMU mit dem Studium der Neueren Deutschen Literatur, der Philosophie und der Französischen Literaturwissenschaft. Philosophie studierte sie vorerst nur im Nebenfach – weil sie, wie sie sagt "anfangs einen zu hohen Respekt vor der Philosophie hatte". Spätestens durch das Thema ihrer Magisterarbeit, in der sie die Spuren Johann Gottlieb Fichtes in der Textgenese der Werke Friedrich Hölderlins untersuchte, wurde ihr jedoch klar: "Die Philosophie ist mein Fach".

Am Anfang ihrer akademischen Laufbahn führte Waibel neben den systematischen zahlreiche philologisch-editorische Forschungen durch. An der LMU war sie ab 1987 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Jena-Projekt zur Erforschung der Formationsbedingungen der Philosophie des Deutschen Idealismus in der Nachfolge Immanuel Kants in den Jahren 1787-1796. Von 1992 bis 1995 war sie an der Edition der Werke und Briefe von Immanuel Carl Diez (1766-1796) beteiligt. "Auf immer und ewig wollte ich das nicht machen", sagt Waibel heute, "aber ich finde es enorm wichtig, so ein Handwerkszeug gelernt zu haben." Als sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und dann an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen ihre Dissertation zum Thema "Hölderlin und Fichte: 1794-1800" verfasste, begann sie mehr und mehr, nach ihren "eigenen philosophischen Fragestellungen Ausschau zu halten".

Freiheit ist ...

Für Violetta Waibels philosophische Forschungstätigkeit bildeten sich im Laufe der Zeit zwei große Schwerpunkte heraus. Auf der einen Seite beschäftigt sie sich intensiv mit Ästhetik, deren Erkenntnisse sie auf Literatur, Kunst und Musik anwendet. Den anderen Schwerpunkt stellt die theoretische Philosophie dar, im Rahmen derer ihr die Themen Subjektivität, Bewusstsein, Zeit, Emotion und Kognition und vor allem das Problem der Freiheit am Herzen liegen.
Das Thema der Freiheit, so findet Violetta Waibel, ist "extrem wichtig für das Selbstverständnis des Menschen". Eines ihrer erklärten Forschungsziele ist es, "Freiheit im Verhältnis zu ihrer Bedingtheit noch besser zu verstehen".

Trotz heftiger Gegenargumente aus der Neurologie und der Medizin scheut sie es nicht, den Freiheitsdiskurs offen mit anderen Disziplinen zu führen. "Heutzutage hört man immer wieder, dass die NeurologInnen uns beweisen können, dass Freiheit nicht existiert", berichtet Waibel: "Die Freiheit sei eine Chimäre des Menschen, ein schöner Aberglaube."
Mit dieser Ansicht stimmt Violetta Waibel nicht überein. Sie ist der Überzeugung, dass man zwar alle menschlichen Handlungen kausalmechanisch erklären kann. Das aber reiche nicht aus, um "den Menschen als Vernunftwesen im Eigentlichen zu verstehen, mit seiner ganzen Verantwortlichkeit, mit seinen Wertungen, mit seinem ethischen Verhalten. Wir brauchen zusätzlich zur kausalmechanischen Erklärung eine normative Erklärung. Und deshalb können wir auf den Begriff der Freiheit nicht verzichten", so Waibel.

Interessanterweise ist die angebliche Nichtexistenz der Freiheit keine Erfindung der Moderne, sondern der Tradition der Philosophie wohlbekannt. Violetta Waibel bemerkt, dass selbst Immanuel Kant schon zugibt, "dass wir die Freiheit theoretisch nicht beweisen können. Aber wir geben das Spezifische des Menschseins auf, wenn wir nicht bereit sind, jede Handlung, die vom Menschen getan wird, in zwei Dimensionen zu verstehen: einerseits in ihrer Einbindung – soziologisch, psychologisch, kausalmechanisch – und andererseits als 'vernünftige' Tat, also normativ."

Interdisziplinarität als "reflektiert bewusster Ansatz"

Es ist augenscheinlich, dass Violetta Waibel großen Wert auf Interdisziplinarität legt. Ihre breit gefächerte Vorbildung ist nicht zufällig entstanden. Im Gegenteil, Interdisziplinarität ist für sie ein "reflektiert bewusster Ansatz", dem sie in Forschung und Lehre einen hohen Stellenwert beimisst. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Disziplinen hat für sie den klaren Vorteil, dass man die eigenen Fragestellungen überdenken und die Perspektiven der KollegInnen anderer Fächer "mit in die eigene philosophische Arbeit aufnehmen kann". Außerdem wird man sich durch die Beschäftigung mit fremden Herangehensweisen bewusst, "wie unterschiedlich Fragestellungen an den gleichen Text und die gleichen Probleme sein können".

Die Studierenden fördern und die Wiener Philosophie internationalisieren

Ihre Begeisterung für die Philosophie möchte Violette Waibel an ihre Studierenden weitergeben. Einen besonders hohen Stellenwert hat bei ihr "die individuelle Förderung der Studierenden", denen sie die kritisch-reflektierte Arbeit mit Texten näher bringen möchte. Außerdem hat sich Waibel für ihre Professur an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft zum Ziel gesetzt, "die Internationalisierung der Wiener Philosophie" auszubauen.
Mit internationalen Vorlesungsreihen und Konferenzen, wie zum Beispiel der für Februar 2010 geplanten Tagung zum Thema "Spinoza – Affektenlehre und amor dei intellectualis" möchte sie "Wien als Ort der Philosophie noch mehr als bisher in den internationalen Blickwinkel rücken". (vg)


Die Antrittsvorlesung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Violetta Waibel im Rahmen des Dies Facultatis der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft mit dem Titel "Dialektische Bildeprozesse – rastloser Stillstand? Anmerkung zur Europäischen Philosophietradition" findet am Montag, 29. Juni 2009, um 17 Uhr im Großen Festsaal der Universität Wien statt.

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