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Biologin Yoko Muraoka. Fotos: Y. Muraoka


Die Absetzbecken der Zuckerfabrik Hohenau: ein wichtiger Rastplatz für die Bruchwasserläufer in Österreich.


Die Ringmarkierungen an den Beinen des Bruchwasserläufers dienen zur Wiedererkennung des Tieres.


Für die Untersuchung wurden die Zugvögel vermessen sowie Geschlecht und Größe ihrer Fettdepots bestimmt.


Wissenschaftstag 2006 Department für Populationsökologie, Fakultät für Lebenswissenschaften Biologische Station Hohenau    
Vogelzug: Bruchwasserläufer bedienen sich unterschiedlicher Strategien
Forschungsprojekte
Roland Dreger (Redaktion) am 30. März 2006

Geschätzte 50 Milliarden Zugvögel sind jedes Jahr zwischen Sommer- und Winterquartier unterwegs. Einige Arten begeben sich früher, andere später auf Wanderschaft und legen dabei weitere oder kürzere Strecken zurück. Selbst innerhalb einer Art können sich die Zugstrategien der Tiere unterscheiden. Eine derartige Differenzierung konnte die Biologin Yoko Muraoka nun auch beim Bruchwasserläufer feststellen.

Yoko Muraoka untersuchte im Rahmen ihrer Diplomarbeit am Department für Populationsökologie der Universität Wien das Zugverhalten dieses Watvogels. Über ihre Arbeit berichtet sie gemeinsam mit anderen JungwissenschafterInnen am jährlich stattfindenden Wissenschaftstag des Fakultätszentrums für Ökologie, der heuer am Freitag, den 31. März, stattfindet. Bruchwasserläufer auf Feuchtgebiete angewiesen Die Bruchwasserläufer machen auf ihrer Wanderung regelmäßig Halt in Österreich. Ein wichtiger Rastplatz sind die Absetzbecken der Zuckerfabrik Hohenau in Niederösterreich, wo die Jungwissenschafterin ihre Forschungsarbeit durchgeführt hat. Die Schlammteiche bieten hier eine ausgezeichnete Nahrungsquelle für die Vögel. Watvögel, auch Limikolen genannt, leben in Übergangsbereichen zwischen Wasser und Land. In Hohenau befindet sich überdies eine Forschungsstation, die an einem internationalen Projekt zu Bruchwasserläufern teilnimmt. Nur der frühe Vogel erobert bestes Territorium Einige Bruchwasserläufer (Tringa glareola) haben es auf ihrem Weg ins Brutgebiet im hohen Norden besonders eilig. Sie legen möglichst wenige Zwischenstopps ein und fressen sich dabei gerade soviel Fett an, wie sie für die jeweils nächste Etappen benötigen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sie kommen früher im Brutgebiet an. Und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Dies gilt sowohl für das beste Territorium als auch für potenzielle Paarungspartner. Frühes Eintreffen birgt Risiko Mit dem frühen Eintreffen erkaufen sich die Vögel allerdings auch ein höheres Risiko, merkt Muraoka an: "So können zum Beispiel die Wetterverhältnisse im Brutgebiet noch nicht ideal sein." Früh in der Saison ist es zudem möglich, dass noch schlechte Nahrungsbedingungen vorherrschen. "Sind sie jedoch zu spät, laufen sie Gefahr, dass die Reviere schon besetzt sind." Brutvögel des hohen Nordens verweilen nur wenige Wochen in ihren Brutgebieten. Späte Vögel in besserer Kondition Bei sehr späten Durchzüglern konnten durchschnittlich größere Fettdepots festgestellt werden. Dies weist allgemein auf eine höhere Kondition der Tiere hin. "Durch den Vergleich mit anderen Fangstationen zeigte sich, dass das Körpergewicht der Vögel im Laufe ihres Zuges in die nördlichen Brutgebiete sukzessive zunahm", so Muraoka. "Mit den höheren Fettreserven ging auch eine durchschnittlich kürzere Aufenthaltsdauer im Rastgebiet einher, da diese Vögel weniger Fett anfressen müssen, um die nächste Zugetappe zu bewältigen." Den Nachteil der späten Stunde gleichen die Tiere offenbar mit einer besseren Kondition aus. Was sich bei Revier- und Balzkämpfen bezahlt machen könnte. Auch bei anderen Arten beobachtet Unterschiedliche Zugstrategien innerhalb einer Art konnten bisher schon bei einigen Vogelarten beobachtet werden. Die Arbeiten dazu konzentrieren sich vorwiegend auf Küstenwatvögel. Der Bruchwasserläufer zieht allerdings nicht wie die meisten Watvögel entlang der Küste, sondern durch das Binnenland. Er zählt zu den Langstreckenfliegern unter den Zugvögeln. Von seinen Brutgebieten, die sich von Nordosteuropa ostwärts bis ins zentrale Sibirien erstrecken, zieht das knapp 20 Zentimeter große Tier alljährlich in seine äquatornahen afrikanischen Winterquartiere. Mehrere Faktoren entscheiden über Zugstrategie Welcher Vogel nun welche Zugstrategie anwendet, entscheidet sich anhand mehrerer Faktoren. "Alter und Erfahrung dürften eine große Rolle spielen", sagt Muraoka. Auch wurde in mehreren Studien festgestellt, dass Konkurrenz von Bedeutung sein kann. Werden etwa kleinere Tiere eher von den besseren Nahrungsgründen vertrieben, könnte das ein Grund sein, dass sie länger im Rastgebiet verbleiben müssen, um sich genügend Fettreserven anzufressen. Keine Unterschiede bezüglich des Geschlechts Nicht festgestellt werden konnten im Übrigen geschlechtsspezifische Unterschiede im Zugverhalten, wie sie bei anderen Watvogelarten schon beobachtet wurden. Die zur Analyse nötige Geschlechtsbestimmung der Tiere führte Muraoka in Zusammenarbeit mit dem molekularbiologischen Labor des Naturhistorischen Museums in Wien durch. Rein äußerlich unterscheiden sich männliche und weibliche Bruchwasserläufer nämlich nicht voneinander. Finanziell unterstützt wurde die Forschung von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. (ro) Wissenschaftstag des Fakultätszentrums für Ökologie
Freitag, 31. März 2006, 13 bis 17.45 Uhr
Biozentrum, Hörsaal 2, Althanstraße 14, 1090 Wien
Der wissenschaftliche Nachwuchs präsentiert aktuelle Forschungsprojekte aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen.
Programm (PDF)

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