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AfrikanistInnen beim Austausch im Hörsaalzentrum im Campus der Universität Wien ...


... und abends beim Heurigen. Fotos: Inst. für Afrikawissenschaften


Institut für Afrikawissenschaftender Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät Afrikanistentag 2007    
Wenn AfrikawissenschaftlerInnen tagen
Wissenschaft
Gastbeitrag von Norbert Cyffer am  2. August 2007

Vom 23. bis 25. Juli 2007 fand an der Universität Wien der "Afrikanistentag 2007" statt. Etwa 100 AfrikawissenschaftlerInnen aus Europa, Afrika, Asien und USA nahmen daran teil. Seit etwa 30 Jahren wird der Afrikanistentag an einem deutschsprachigen Hochschulort mit afrikanistischem Lehr- und Forschungsschwerpunkt durchgeführt, in Wien zuletzt 1990.

Afrikanistik, in Wien und anderswo auch Afrikawissenschaften genannt, ist definiert als Sprach-, Literatur- oder Geschichtswissenschaft, immer im interdisziplinären Kontext zu anderen Disziplinen und zur Gesellschaft.

Themen: Sprachwissenschaft, ...


In über 70 Vorträgen der vier Panels im Rahmen des "Afrikanistentages 2007" wurden meistens Themen behandelt, die sich mit aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzten.
Die Hälfte der Themen hatten sprachwissenschaftliche Inhalte. Fragen des Sprachkontakts und des Sprachwandels standen im Vordergrund. Während vor einigen Jahrzehnten noch die genetische Sprachklassifizierung und historisch-vergleichende Linguistik eine prominente Rolle spielten, sind diese Themen heute in den Hintergrund getreten, vielleicht aus der Einsicht heraus, dass sprachliche Beziehungen nicht nur genealogische Erklärungen haben. Daher sind die Fragen des Sprachkontakts, der auch in die Bildung von Sprachbünden münden kann, wichtiger geworden.
Ein weiterer Themenschwerpunkt war die Sprachtypologie, bei der auch  Aspekte der Sprachuniversalien eine Rolle spielen.

... Kolonialismus und Literatur


In den Vorträgen zur afrikanischen Geschichte wurden u.a. Themen behandelt, die zum einen den Kolonialismus zum Inhalt hatten, zum anderen seine Auswirkungen bis in die Gegenwart untersuchten. Sklaverei, Rassismus, Identitätskrisen sind einige der Themen. Ebenso ist die Suche nach einem an die Gegenwart angepassten Panafrikanismus in den Vordergrund gerückt worden, sowie Aspekte der Genderforschung oder der Religion im politischen Diskurs. Auch das Problem des gegenwärtigen Rassismus gegenüber Afrika wurde behandelt.
In der Sektion Literatur wurden sowohl Themen über afrikanische Autoren und Autorinnen behandelt als auch ihre Perzeption außerhalb Afrikas.

Nachwuchsforum


Der diesjährige Afrikanistentag unterschied sich von den vorangegangenen darin, dass eine größere Zahl jüngerer Wissenschaftlerinnen, aber auch Studierende aktiv beteiligt waren und einen Vortrag hielten.
In einem Nachwuchsforum, eine Innovation dieses Afrikanistentages, wurde jungen WissenschaftlerInnen und Studierenden die Möglichkeit gegeben, sich über die gegenwärtige Afrikanistiklandschaft im deutschsprachigen Europa auszutauschen. Auch praktische Fragen wurden diskutiert, z.B. soll man Publikationen auf deutsch oder englisch verfassen, wie werden Online-Publikationen gegenüber der konventionellen Druckform wahrgenommen?
Jüngere WissenschaftlerInnen haben ebenfalls das Problem erkannt, dass Forschung im Bereich der Afrikanistik immer mit Einmischung in andere Gesellschaften verbunden ist. Daher wurde auch die Ethik in der Feldforschung ausführlich diskutiert.

Wissenschaftliche Kooperationen mit Afrika ...


Ebenso wichtig in den Diskussionen war die Frage der Kooperationen mit afrikanischen Partneruniversitäten. Die Intensivierung der Forschungskooperationen innerhalb Europas  darf nicht zum Abbau der Zusammenarbeit mit den afrikanischen Partnern führen.

... werden zunehmend erschwert


Nicht alle angemeldeten Teilnehmer konnten nach Wien kommen. Bei einigen waren es die finanziellen Mittel, die sie an der Teilnahme hinderten. Im Falle zweier Kollegen aus Nigeria war es aber die Verweigerung der Einreisevisa. Hier handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es immer schwieriger wird, afrikanische Kollegen und Kolleginnen nach Europa zur wissenschaftlichen Kooperation einzuladen. Zwar werden meistens die Visa - oft im allerletzten Moment - erteilt, aber mit vorausgangenen Hürden, die für unsere afrikanischen KollegInnen entmutigend sind und die auch zur Aufgabe ihrer Reisepläne führen können. Wir müssen daher alle Anstrengungen unternehmen, damit dieser Misstand beseitigt wird und wir auch in Zukunft unseren Auftrag zur Forschung und Wissenschaftskooperation ungehindert wahrnehmen können.

Afrikanisten und Afrikanistinnen sind zwar keine kleine Gruppe mehr, aber immer noch so weit überschaubar, dass jeder Afrikanistentag ein Treffen von Kollegen und Kolleginnen ist, die sich im andauernden wissenschaftlichen Austausch befinden. Eine gute Atmosphäre war daher vorprogrammiert. Das gute Wetter, der freundliche Universitätscampus und der gemütliche Heurige trugen zur guten Stimmung bei. 2010 werden wir uns in Mainz wieder treffen.

O. Univ.-Prof. Dr. Norbert Cyffer ist stellvertretender Vorstand des Instituts für Afrikawissenschaften.
 

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