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Christiane Spiel (2.v.r.) führt zusammen mit Dagmar Strohmeier, Alfred Schabmann und Maria Bergmann eine Studie zum Thema "Gewalt zwischen Schülerinnen und Schülern" durch.


Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation der Fakultät für Psychologie Förderung von sozialer und interkultureller Kompetenz in der Schule Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens "Programme for International Student Assessment" (PISA) - ein Projekt der OECD-Staaten      
"Wenn der Stärkere gewinnt…" - eine Zusatzstudie zu PISA '09
Forschungsprojekte
Petra Schiefer (Redaktion) am 26. Mai 2009

Gewalt in der Schule: Wer sind die Opfer und wer die TäterInnen? Eine nationale Zusatzstudie zu PISA 2009 soll Aufschluss darüber geben, inwieweit Gewalt an österreichischen Schulen Leistungen von SchülerInnen beeinflusst. Geleitet wird die Studie von der Bildungspsychologin Christiane Spiel, die mit ihrem Team die verschiedenen Formen von Gewalt in den Schulklassen untersucht.

Gewalt zwischen SchülerInnen hat viele Facetten: Sie reicht von psychischer - wie etwa Ausgrenzen oder Gerüchte verbreiten - bis hin zu körperlicher Gewalt. Christiane Spiel vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation beschäftigt sich vor allem mit dem sogenannten "Bullying": "Dabei handelt es sich um eine interpersonelle Gewaltform. Bullying wird immer absichtlich ausgeübt, wobei auch stets ein Machtungleichgewicht herrscht", erklärt die Expertin. Diese Form der Gewalt ist typisch für das schulische Umfeld und stellt einen der Aspekte dar, die Christiane Spiel in der aktuellen Studie "Gewalt zwischen Schülerinnen und Schülern - Täter und Opfer" untersucht.

Kompetenzen …
 
Bei dieser Studie, die Christiane Spiel und ihr dreiköpfiges Team in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (bifie) durchführt, handelt es sich um eine österreichische Zusatzstudie zu PISA 2009. Beim "Programme for International Student Assessment" - kurz PISA - geht es immer um die Kompetenzen von SchülerInnen mit einem thematischen Schwerpunkt. Die einzelnen OECD-Länder können parallel dazu nationale Zusatzstudien zu spezifischen Themen durchführen: In Österreich geht es diesmal u.a. um die Gewalt an den Schulen.
 
… von SchülerInnen

Die Daten der nationalen Zusatzstudien werden von den einzelnen Ländern lokal evaluiert und anschließend mit den allgemeinen PISA-Ergebnissen, die zentral von der OECD ausgewertet werden, in Verbindung gesetzt. "Für diese Zusatzstudie haben wir in den ersten Schritten zunächst das Erhebungsinstrument basierend auf internationalen und eigenen Studien konzipiert - denn sie musste aufgrund der Vorgaben der OECD in kurzer Zeit durchgeführt werden - sowie eine Pilotstudie durchgeführt. Dadurch konnten wir die Methode und die Fragestellungen besser an die österreichische Schulsituation anpassen. Jetzt erfolgt die eigentliche Datenerhebung anhand von Fragebögen", so Christiane Spiel zur Vorgangsweise.

Formen der Gewalt

Schülerinnen und Schüler, die öfters in Gewalthandlungen involviert sind, weisen schlechtere Schulleistungen auf, so die Hypothese, die dieser PISA-Zusatzstudie zugrunde liegt. "Wir wollen die verschiedenen Formen der Gewalt in den Klassen erheben: physische, verbale und Beziehungsgewalt", erklärt die Bildungspsychologin. Eine wichtige Frage ist dabei, ob die Gewalt nur auf das schulische Umfeld beschränkt ist: "Deshalb erheben wir auch die allgemeine Einstellung der Jugendlichen zu Gewalthandlungen und außerschulische Gewalt."

TäterInnen und Opfer

Warum wird jemand zum/zur TäterIn bzw. zum Opfer von Gewalthandlungen? Dabei spielen verschiedene Faktoren und Bedingungen eine Rolle - "z.B. Gewalt im Elternhaus, eine impulsive Persönlichkeit oder eine hohe Gewaltbereitschaft innerhalb der Gruppe, in der sich die Jugendlichen bewegen", so Christiane Spiel. Laut theoretischen und empirischen Arbeiten basiert Gewalt auf unterschiedlichen Arten von Aggression: "Wir unterscheiden zwischen reaktiver Aggression - diese Personen fühlen sich ständig bedroht und reagieren sehr schnell mit Gewalt - und proaktiver Aggression." Proaktiv aggressive Personen üben Bullying aus Machtgründen oder aus Beziehungsgründen aus: "Bullying aus Beziehungsgründen, d.h. um in einer Gruppe akzeptiert zu werden, spielt in Gruppen und Banden eine große Rolle und wurde erst in den letzten Jahren verstärkt untersucht."

Verantwortung übernehmen


Einzelfälle, wie jener des Amokläufers in Winnenden, sind nur im Nachhinein rekonstruierbar: "Dabei handelt es sich meist um Jugendliche, die über viele Jahre Verletzungen und Kränkungen erfahren haben, die sie nicht verarbeiten konnten."Auch wenn man solche Fälle nicht wirklich verhindern kann, so können die Schulen doch - mit Hilfe von speziellen Präventionsmaßnahmen - die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder passiert, verringern", sagt die Bildungsexpertin. Die SchülerInnen müssen sich jemandem anvertrauen und ihre Probleme verarbeiten lernen. Wichtig ist, dass sich alle verantwortlich fühlen - sowohl die Schule als auch die Eltern. "Vor allem in Österreich herrscht die Kultur, Schuldige zu suchen anstatt selbst etwas zu unternehmen", so Christiane Spiel.

Gewaltprävention

Die Bildungspsychologin führt bereits seit Mitte der 90er Jahre Studien zu dieser brisanten Thematik durch. Aufbauend auf diesem Wissen hat sie für das Bildungsministerium eine Strategie zur Gewaltprävention an österreichischen Schulen und Kindergärten konzipiert; eine Reihe von Schritten der Strategie wird derzeit vom Bildungsministerium in Kooperation mit Christiane Spiel umgesetzt. Dazu gehören auch Schulprogramme, wie z.B. das WiSK, das von dem Team um Spiel (Moira Atria und Dagmar Strohmeier) entwickelt wurde.

"Wichtig bei solchen Maßnahmen ist es, dass sie nachhaltig wirken und die gesamte Schule mit eingebunden wird", so die Expertin. Die Programme setzen deshalb auf mehreren Ebenen gleichzeitig an: Sie sollen die soziale Kompetenz von SchülerInnen fördern und somit das Gewaltpotenzial senken. "Es ist wichtig, Strategien zur Gewaltprävention so zu gestalten, dass sie an die jeweilige Schulsituation adaptierbar sind. Auf diese Weise haben die Beteiligten zudem die Möglichkeit, sich selbst einzubringen", erklärt Christiane Spiel. Das WiSK auf Klassenebene wurde bereits in einigen österreichischen und deutschen Schulen erfolgreich eingesetzt: das Gewaltpotential konnte merkbar reduziert werden. (ps)


Univ.-Prof. Mag. DDr. Christiane Spiel vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation leitet die nationale Zusatzstudie zu PISA 2009 "Gewalt zwischen Schülerinnen und Schülern - Täter und Opfer". Das Projekt, an dem sie zusammen mit ihren KollegInnen Mag. Dr. Dagmar Strohmeier, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Alfred Schabmann und Mag. Evelyn Maria Bergsmann vom Institut für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation arbeitet, läuft vom 1. Juni 2008 bis 31. Dezember 2011 und wird vom Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur gefördert.

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