Eine Gruppe von BiologInnen erforscht die Entstehung, die Wirkweise und den anschließenden Zerfall von Drüsenzellen beim Schlüpfvorgang von Tintenfischen. Ziel ist es, die Struktur dieser Drüsen und insbesondere die Zusammensetzung ihres Sekrets genau zu analysieren. Die Erkenntnisse sollen helfen, komplexere Drüsensysteme bei Wirbeltieren oder beim Menschen in Zukunft besser verstehen zu können. |
Embryos, die in einem schützenden Ei heranwachsen, müssen zu gegebener Zeit diese Barriere überwinden. Vögel zum Beispiel nutzen ihren Schnabel, um die harte Eischale zu knacken. Andere Tiere wie Fische, Amphibien und Tintenfische entwickeln sich in weichen Eiern mit mehrschichtigen Hüllen, vergleichbar mit den Schalen einer Zwiebel. Um dieses "Gefängnis" verlassen zu können, verwenden die Tiere chemische Substanzen, die in speziellen Drüsenzellen produziert werden. Diese Sekrete sind stark sauer und ätzen ein Loch in die Eihüllen. Anschließend vergrößern die Embryos das Loch mit dem Körper und schlüpfen aus. Nach dem Schlüpfen werden die Drüsenzellen zurückgebildet und verschwinden vollständig.
Loligo, Sepia und Octopus
Eine Arbeitsgruppe um Dipl.-Biol. Dr. Janek von Byern nimmt im Rahmen eines FWF-Forschungsprojekts diese Drüsenzellen im wörtlichen Sinn genauer unter die Lupe. Am Beispiel von Tintenfischen der Gattungen Loligo, Sepia und Octopus möchte die Forschungsgruppe erstmals die Evolution, das Wirken und die vollständige Rückbildung dieser Systeme nachvollziehen. Dazu begibt sich der Biologe Janek von Byern regelmäßig auf die Suche nach den rund drei Zentimeter großen Tintenfischen in exotische Länder wie Thailand und Hawaii. Die Tiere werden anschließend zu Laboruntersuchungen nach Österreich gebracht.
Kurzlebige Erscheinung
Die Sekret-Drüse ist für die ForscherInnen deswegen besonders interessant, weil sie eine kurzlebige Erscheinung ist. Sie wird extra nur für den Schlüpfvorgang gebildet, hilft dem Embryo, aus dem Ei zu kommen und wird kurz danach vollständig rückgebildet. Neben der Zusammensetzung des Verdauungssekrets interessiert die BiologInnen vor allem die Entwicklung dieser Drüsen. "Uns beschäftigt vor allem, wie die Drüsen entstehen und welche Prozesse und Gene am Wachstum und der Rückbildung beteiligt sind", erklärt Janek von Byern.
Einblicke in die Evolution
Anhand des einfachen Tiermodells wie jenem der Tintenfische und durch Vergleiche mit Wirbeltieren hoffen die BiologInnen, Einblick in die Evolution von Drüsenstrukturen zu bekommen. "Damit können wir im weiteren Verlauf unserer Forschung komplexere Systeme bei Wirbeltieren oder beim Menschen besser verstehen und einen wichtigen Beitrag für die Krebsforschung liefern", so Janek von Byern abschließend. (af) |