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Hans Lischka untersucht mit seinem Team die Schutzmechanismen von DNA und RNA vor schädlicher UV-Einstrahlung.


Mit Hilfe innovativer Computersimulationen konnte ein dynamisches Bild der Fotostabilität der Nukleobasen entworfen werden. (Foto: Felix Plasser)


Institut für Theoretische Chemie der Fakultät für Chemie Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)  
Wie widerstehen DNA-Bestandteile schädlicher UV-Einwirkung?
Forschungsprojekte
Redaktion am 29. November 2010

Das genetische Material der DNA enthält Schutzmechanismen, um sich vor dem UV-Sonnenlicht zu schützen. Dies ist von essentieller Bedeutung, da es ohne Fotostabilität zu einer raschen Zersetzung von DNA und RNA kommen würde. Im Rahmen eines FWF-Projekts konnte eine ForscherInnengruppe um Hans Lischka erstmals diese ultraschnellen Prozesse der Fotostabilität der Nukleobasen umfassend darstellen. Dazu erscheint eine Publikation in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America" (PNAS).

Die Wirkung des Sonnenlichtes auf unsere Haut führt nicht nur zur erwünschten Bräunung, die das Urlaubsgefühl wohltuend verstärkt, sondern es werden dabei auch Prozesse in Gang gesetzt, die zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schädigungen führen können. Ein Forschungsteam um Hans Lischka vom Institut für Theoretische Chemie untersucht, welche Schutzmechanismen die Natur vorgesehen hat, um sich vor derartigen schädlichen Einwirkungen zu schützen. Die Strategie dabei ist einfach und doch hochkomplex: Wenn das UV-Licht die Elektronen in ein höheres Energieniveau bringt, kehren diese ultraschnell in den Ausgangszustand zurück. Dabei wird elektronische Energie in Wärme umgewandelt. Dieser Prozess läuft in bis zu einer Billiardstel Sekunde ab - eine unvorstellbar kurze Zeitdimension.

Computersimulationen zu den Eigenschaften der lichtaktiven DNA-Bestandteile

In der Arbeitsgruppe von Hans Lischka wurde gemeinsam mit Mario Barbatti vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim an der Ruhr, und in Zusammenarbeit mit KollegInnen der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag mit innovativen Computersimulationen ein anschauliches, dynamisches Bild der Fotostabilität der Nukleobasen gezeichnet. Damit haben sie zur Klärung dieses komplexen Netzwerks von ultraschnellen Prozessen beigetragen. Es konnte dargestellt werden, wie sich die DNA-Bestandteile - die Nukleotide, die in DNA und RNA für die Ausbildung von Basenpaaren verantwortlich sind - unter UV-Bestrahlung gegen Zersetzung schützen.

Neue Methode der Quantenchemie für fotophysikalische Untersuchungen

Die wesentliche Innovation dieser Arbeit liegt in der detailgetreuen Berechnung der Kopplung der Bewegungen der Elektronen mit jener der Atomkerne. Dies gelang dank der am Institut für Theoretische Chemie entwickelten und weltweit einzigartigen Methoden der Quantenchemie. Die berechneten Bewegungszustände der Nukleobasen zeigen ein äußerst bemerkenswertes dynamisches Zeitverhalten, das sich innerhalb mehrerer Größenordnungen - vom Pico/Billionstel- bis Femto/Billiardstel-Sekunden-Bereich - erstreckt.

Die neu entwickelten Methoden sind nicht nur zur Aufklärung der eben beschriebenen Dynamik in DNA-Nukleobasen geeignet, sondern sie werden auch zur Untersuchung fotophysikalischer Vorgänge in der DNA selbst und in technologisch bedeutsamen Gebieten der Fotovoltaik eingesetzt. Mit den neuen Methoden lassen sich grundlegende Prozesse des Transportes von elektronischer Anregungsenergie und der Ladungstrennung zur Stromgewinnung besser verstehen.

Rechenleistung nur mit gemeinsamen Computerressourcen möglich

Der numerische Aufwand dieser Untersuchungen war enorm und konnte nur unter extensiver Verwendung der Computerressourcen der Universität Wien und des Vienna Scientific Clusters der Universität Wien, der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur Wien erfolgreich abgeschlossen werden. (vs)


Die Publikation "Relaxation mechanisms of UV-photoexcited DNA and RNA nucleobases" (AutorInnen: Mario Barbatti, Adélia J. A. Aquino, Jaroslaw J. Szymczak, Dana Nachtigallová, Pavel Hobza und Hans Lischka) erschien am 30. November 2010 im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)".

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