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Wieviele Sterne sehen wir noch? - Nur mehr 450!
Forschungsprojekte
Josef HRoland Dreger (Redaktion)n und Günther Wuchterl am 25. September 2001

Im Rahmen der ScienceWeek 2001 gestaltete das Institut für Astronomie gemeinsam mit dem Verein Kuffner-Sternwarte die österreichweite Aktion "Wieviele Sterne sehen wir noch?". Ziel war die erstmalige landesweite Erfassung der Lichtverschmutzung, d.h. der Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Beleuchtung. Es wurden über 1700 Beobachtungen gesammelt, erste genauere Ergebnisse wurden nun präsentiert.

Lichtverschmutzung - ein altes aber jetzt akutes Problem Schon 1924 beklagte Johann Palisa, renommierter Astronom der Wiener Universitätssternwarte und Entdecker von über 120 Kleinplaneten, die Beeinträchtigung der Arbeitsbedingungen durch künstliche Beleuchtung und meinte, dass es "an der Zeit ist an ihre [der Universitätssternwarte, Anm.] Verlegung zu denken und zu schreiten". Heute sind Messungen schwächerer Himmelsobjekte von Wien aus nahezu unmöglich. Auch das Figl Observatorium für Astrophysik im Wienerwald, mit dem größten Teleskop Österreichs, wird in seiner Leistungsfähigkeit durch künstliche Beleuchtung in seiner nahen und ferneren Umgebung um bis zu 70% eingeschränkt. Zur Veranschaulichung: eine entfernte Galaxie erzeugt etwa das gleiche Signal wie eine durchschnittliche Straßenlaterne in Mondentfernung! Die AstronomInnen sammeln ihre Daten also an immer entlegeneren Plätzen, etwa an der Europäischen Südsternwarte in den chilenischen Anden. Da Österreich trotz intensiver Bemühungen der heimischen WissenschafterInnen aber - im Gegensatz zum Rest von Europa - keinen gleichberechtigten Zugang zu derartigen Sternwarten hat, betrifft sie das Problem der Lichtverschmutzung umso mehr. Die Folgen der Lichtverschmutzung sind aber noch weitreichender: der Sternenhimmel ist ja eigentlich die "obere Hälfte" unserer Umwelt und ähnlich wie viele Tiere oder Pflanzen nur mehr in nahezu unbewohnten Gebieten der Erde in aller Pracht zu bewundern. Bedenkt man, welche Inspiration der Sternenhimmel für den menschlichen Geist bisher dargestellt hat, so sollte einen dieser Umstand mehr als nachdenklich stimmen! Der mit freiem Auge oder kleinen Teleskopen sichtbare Himmel ist Motivation und Basis zur Beschäftigung mit Astronomie für viele Menschen. Vereinigungen von Astronomie-Begeisterten tragen mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit überproportional zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse, Ideen und Methoden bei. Die Lichtverschmutzung entzieht diesen Initiativen aber zunehmend die Grundlage. Ebenso wichtig sind auch die negativen Auswirkungen der künstlichen Beleuchtung auf nachtaktive Tiere. Und letztendlich bedeutet Lichtverschmutzung auch meistens Energieverschwendung. Alle diese Aspekte waren die Motivation für die Aktion "Wieviele Sterne sehen wir noch", die dementsprechend auch als Kooperation von ForscherInnen und Astronomie-Interessierten durchgeführt wurde. Die Sterne über Österreich Die Lichtverschmutzung sollte für ganz Österreich erfasst werden und alle Menschen in Österreich sollten - ganz im Sinne der ScienceWeek - mittun können. Die Sichtbarkeit der Sterne im Sternbild Kleiner Wagen erwies sich als geeignetste Methode, ist doch dieses Sternbild mit Hilfe des sehr bekannten Sternbildes des Grossen Wagens leicht zu finden. Dank Internet, der Mithilfe vieler HobbyastronomInnen und der Unterstützung verschiedenster Institutionen und Firmen ließ sich auch die Herausforderung einer österreichweiten Abwicklung bewältigen. Die 1700 eingegangenen Beobachtungen aus allen Teilen Österreichs und die 30 Berichte in verschiedenen Medien zeigen, dass sehr vielen Menschen das Problem der Lichtverschmutzung bewusst gemacht werden konnte und dass auch viele bereit waren, einen aktiven Beitrag zur Quantifizierung zu leisten. Bestärkt durch den Erfolg der Aktion beschäftigt sich nun das Umweltbundesamt intensiver mit dieser Problematik, um auch entsprechende gesetzliche Regelungen zu schaffen oder zu verbessern. Internationale Vorbilder existieren dafür. Die Aktion stieß auch in Deutschland auf reges Interesse, d. h. eine Anwendung des selben Verfahrens in anderen Ländern ist sehr wahrscheinlich. Vorläufige Ergebnisse Die wissenschaftliche Auswertung der Daten steht noch am Anfang. Erste genauere Ergebnisse wurden anlässlich der Schlussveranstaltung und Preisverleihung auf der Kuffner-Sternwarte am 16. September 2001 präsentiert. Die grobe Analyse während der ScienceWeek hatte bereits gezeigt, dass etwa 90% der sichtbaren Sterne in der Lichterflut "ertrunken" sind. Am Himmel über Österreich sind damit durchschnittlich nur mehr etwa 450 Sterne zu sehen. Die zweite Stufe der Auswertung bestätigte, dass das gewählte Verfahren trotz seiner großen Einfachheit sehr wohl auch quantitative Resultate liefert. Durch die große Menge an Beobachtungen konnte z. B. der erwartete Zusammenhang zwischen der Tiefe der Sonne unter dem Horizont und der Himmelshelligkeit dokumentiert werden. Für die Städte Wien und Linz kann nun die beobachtete Abhängigkeit der Himmelshelligkeit von der Entfernung vom Stadtzentrum mit Simulationen aus Satellitendaten verglichen werden. Die nächste Stufe der Auswertung soll auch die meteorologischen Bedingungen mit einbeziehen. Diese waren während der ScienceWeek vor allem im Westen Österreichs nicht optimal und es mangelt in einigen Gebieten auch noch an Daten. Es sind daher nach wie vor alle Menschen aufgerufen, Beobachtungen via Internet zu melden! Links: Webseite der Aktion: www.astro.univie.ac.at/~scw Institut für Astronomie der Universität Wien: www.astro.univie.ac.at Verein Kuffner Sternwarte: www.Kuffner-Sternwarte.at Josef Hron ist Assistenzprofessor am Institut für Astronomie der Universität Wien, Günther Wuchterl ist Leiter des Vereins Kuffner-Sternwarte und Post-Doc am Max-Planck Institut für Extraterrestrische Physik.

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