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Initiativkolleg "Symbiotische Interaktionen": Sprecher Michael Wagner, Mitorganisator Matthias Horn und Sprecher Jörg Ott von der Fakultät für Lebenswissenschaften.


Initiativkolleg "Symbiotische Interaktionen Fakultät für Lebenswissenschaften Max F. Perutz Laboratories Initiativkollegs der Universität Wien    
Wirte, Gäste, Parasiten: Symbioseforschung im Vormarsch
Doktoratsprogramme, Forschungsprojekte, Studium/Lehre
Bernadette Ralser (Redaktion) am  4. Oktober 2007

Neun Projekte, sechs Departments, zwei Forschungsstätten - im Oktober 2007 startet mit dem interdisziplinären Initiativkolleg "Symbiotische Interaktionen" ein neues strukturiertes Doktoratsprogramm an der Universität Wien. Im Laufe von drei Jahren werden insgesamt neun internationale KollegiatInnen an der Fakultät für Lebenswissenschaften und den Max F. Perutz Laboratories die Wechselbeziehungen zwischen Bakterien und höheren Lebewesen studieren.

Zählt man die Zellen aller Bakterien zusammen, die den menschlichen Körper besiedeln, so besitzt der Mensch mehr fremde als eigene Zellen. Kein Grund zur Besorgnis - wie die meisten Tiere und Pflanzen braucht der Mensch seine bakteriellen Mitbewohner, um zu überleben. "Das Zusammenleben von verschiedenen Bakterien sowie ihre Interaktion mit höheren Lebewesen, so genannten Eukaryoten, stellt die Grundlage allen Lebens auf der Erde dar", sagt Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Wagner vom Department für Mikrobielle Ökologie: "Symbiotische Lebensgemeinschaften sind die alles beherrschende Lebensform auf unserem Planeten."

Breites Forschungsspektrum


Das Initiativkolleg (IK) "Symbiotische Interaktionen", dem Wagner gemeinsam mit dem Meeresbiologen Univ.-Prof. Dr. Jörg Ott als Sprecher vorsteht, widmet sich jedoch auch der "Schattenseite" solcher Wechselbeziehungen. Denn der Begriff Symbiose bezeichnet lediglich das Zusammenleben verschiedener Organismen, nicht aber seine Auswirkungen: Bakterielle Symbionten können sowohl die "besten Freunde" als auch die "größten Feinde" ihrer menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Wirte sein.

Von der Amöbe bis zum Menschen


So gehen auch viele gefährliche Krankheitserreger Verbindungen mit den Zellen höherer Lebewesen ein. Mit neun verschiedenen Forschungsprojekten spannt das IK zwei breite thematische Bögen: den einen von vergleichsweise einfachen einzelligen Eukaryoten hin zur komplizierten menschlichen Zelle, den anderen von der mutualistischen (positiven) zur parasitären oder pathogenen Symbiose. Damit bereichert das neue Doktoratsprogramm bereits bestehende Forschungsschwerpunkte an der Universität Wien.

Symbioseforschung zentral


Denn das Thema Symbiose spielt nicht nur an der Fakultät für Lebenswissenschaften und in den Max F. Perutz Laboratories, sondern auch gesamtuniversitär eine zentrale Rolle: "Wir haben sowohl einen universitären als auch einen fakultären Symbiose-Schwerpunkt, an die sich das neue Initiativkolleg nahtlos angliedert", so Wagner. Das ermöglicht den KollegiatInnen nicht nur, von jahrelanger Erfahrung und einem breiten Lehrveranstaltungsangebot zu profitieren. Die thematische Nähe zu bereits laufenden, erfolgreichen Projekten hat auch finanzielle Vorteile.

Bonus für Exzellenz


So konnte das von der Universität Wien für die Gehälter der DoktorandInnen zur Verfügung gestellte Budget mit Eigenmitteln aufgestockt werden. "Einige der interessantesten BewerberInnen hatten bereits fixe Zusagen von Spitzenforschungseinrichtungen wie z.B. Max-Planck-Instituten - wir haben sie abgeworben", ist Wagner stolz: "Solchen exzellenten ForscherInnen muss man entsprechende Gehälter auf internationalem Niveau anbieten."

Strenges Auswahlverfahren


Denn die fünf jungen Frauen und vier Männer, die am Doktoratsprogramm teilnehmen, sind viel versprechende NachwuchswissenschafterInnen: "Die Konkurrenz war hart - von 85 BewerberInnen wurden nur 16 zu einem zweitägigen Seminar eingeladen, um sich und ihre Arbeit sowie ein ausgewähltes Paper vor einer strengen Kommission zu präsentieren", erzählt Univ.-Prof. Dr. Matthias Horn, der gemeinsam mit den Sprechern Wagner und Ott wesentlich bei der Organisation und Strukturierung des Initiativkollegs mitgearbeitet hat.

Mehrfachbetreuung


Jene neun BewerberInnen, die es schließlich geschafft haben, kommen aus fünf verschiedenen Nationen und werden ab Oktober unter Anleitung der jeweiligen ProjektleiterInnen an ihren Dissertationen arbeiten. Begleitet und evaluiert werden sie darüber hinaus von einem PhD Commitee, das aus zwei externen WissenschafterInnen besteht. Projektfortschritte und eventuelle Probleme werden in einem zweiwöchentlich stattfindenden gemeinsamen Seminar diskutiert. Wagner: "Unsere DoktorandInnen haben den Vorteil einer Mehrfachbetreuung."

Strukturiertes Programm


Diese Struktur gewährleistet in Verbindung mit der engen Zusammenarbeit von sechs verschiedenen Departments eine fundierte Ausbildung sowie fächerübergreifende Zusammenarbeit und zukunftsorientierte Vernetzungen. Zusätzlich soll eine neu ins Programm aufgenommene Spezialvorlesung die IK-TeilnehmerInnen mit externen SpitzenforscherInnen zusammenbringen. Abschließend wird es ein Symposium geben, in dem die Kollegmitglieder ihre Forschungsergebnisse einem internationalen wissenschaftlichen Publikum präsentieren und wichtige Kontakte für ihre spätere Zukunft knüpfen können. "Symbiose ist ein zentrales Thema der Lebenswissenschaften", so Wagner und Horn: "Die Universität Wien ergreift mit den strukturierten Doktoratsprogrammen die richtige Initiative, um vorhandene Netzwerke zu stärken und neue, zukunftsträchtige Verbindungen zu schaffen." (br)

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