| Department für Klinische Pharmazie und Diagnostik, Fakultät für Lebenswissenschaften |
Wissenschaftliche Aromatherapie |
| Forschungsprojekte |
| Thomas Mündle (Redaktion) am 4. April 2006 |
Einzigartig in Europa ist die breit angelegte Riechstoff-Forschung, die am Department für Klinische Pharmazie und Diagnostik betrieben wird. Die Aromatherapie wird hier auf ein wissenschaftliches Fundament gestellt: Dazu werden Moleküle analysiert, synthetisiert, Riechstoff-Rezeptor-Wechselwirkungen simuliert und die pharmakologische Wirksamkeit getestet. |
"Können Riechstoffe noch etwas anderes als nur gut duften?" Diese Frage beschäftigt Univ.-Prof. Mag. Dr. Gerhard Buchbauer seit Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere. Mittlerweile hat er eine Antwort darauf gefunden: Ein eindeutiges Ja. Als "große Crux" bezeichnet er hingegen den Missbrauch des Begriffs "Aromatherapie" durch unkundige Leute. Mit dem Begriff der "wissenschaftlichen Aromatherapie" möchte er seine Arbeit deshalb klar von esoterischen Sichtweisen abgrenzen. Hinter seinen Erkenntnissen steckt viel harte Arbeit: Zunächst müssen die riechenden Komponenten identifiziert und ihre Struktur geklärt werden. Dann wird nach dem für den Riecheindruck verantwortlichen Teil des Moleküls geforscht. Und schließlich wird auch die pharmakologische Wirksamkeit von Riechstoffen geprüft. "Mit dieser breiten wissenschaftlichen Ausrichtung sind wir europaweit einzigartig", meint Buchbauer nicht ohne Stolz und gleichzeitig mit Bedauern, dass die Anerkennung vor allem aus dem Ausland kommt. Riechstoffe finden Mit dem Gaschromatographen des Departments lassen sich die einzelnen Verbindungen in einer riechenden Probe auftrennen. Sie erscheinen dann in Form von einzelnen Peaks auf dem Bildschirm. Gleichzeitig ist die Apparatur so umgebaut worden, dass sich auch die aufgetrennten Verbindungen einzeln riechen lassen. "Das Überraschende ist, dass man manchmal keinen Peak sieht und trotzdem etwas riecht", erklärt Professor Buchbauer. Der Riechstoff lässt sich dann mittels präparativer Gaschromatographie anreichern, und wenn die Menge einmal groß genug ist, mit anderen Methoden wie der Massenspektrometrie auf ihre Struktur hin untersuchen. So wurden im Department etwa die Aromastoffe in Weinen, Pilzen (zusammen mit seinem früheren Assistenten OR Mag. Dr. Leopold Jirovetz) und in allerlei Ölen (Traubenkernöl, Avokadoöl, Mohnöle, zusammen mit seiner Assistentin Mag. DDr. Sabine Krist) identifiziert und charakterisiert. Riechen wissenschaftlich erklärt Ist die Struktur des Riechstoffes einmal bekannt, können durch Synthese von leicht modifizierten Stoffen Erkenntnisse über den für die Geruchswirkung verantwortlichen Teil des Moleküls gewonnen werden. Kleine Veränderungen im Aufbau können eine große Wirkung haben: Die Riechstoffe riechen auf einmal anders oder viel intensiver oder kaum mehr. Daraus lassen sich wiederum Schlüsse über die Interaktionen der Moleküle mit den (Nasen-)Rezeptoren ziehen. Als sehr fruchtbar hat sich auch eine Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Karl Peter Wolschann vom Institut für Theoretische Chemie herausgestellt. Mithilfe von Molecular Modelling und anderen computerisierten Verfahren werden Wechselwirkungen zwischen Riechstoffen und Rezeptoren am Computer simuliert. Die theoretischen Ergebnisse können dann im Labor nachgeprüft werden. Von Mäusen ? Anfangs hat Buchbauer Tierversuche gemacht. Ohne den Mäusen weh zu tun, wie er betont. Trotzdem wollte ihn in Wien niemand unterstützen. Andere WissenschafterInnen standen seinen Ideen von der pharmakologischen Wirksamkeit von Riechstoffen kritisch gegenüber. Doch mit seinen Kooperationspartnern in Innsbruck konnte er die Skeptiker bald überzeugen. In einem Experiment wurde eine Gruppe von Tieren in eine Lavendelduftwolke eingehüllt; die Kontrollgruppe hingegen bekam nur Frischluft. Die Bewegungen der Nager wurden mit Lichtschranken gemessen. "Die Kontrollgruppe ist hin- und hergesaust; die 'Lavendel-Mäuse' aber haben sich in eine Ecke zurückgezogen. Einige begannen sich zu putzen, andere dösten friedlich." ? und Menschen Heute macht Buchbauer zusammen mit seiner Assistentin Mag. Dr. Eva Heuberger (zurzeit als Post-Doc am Taste & Smell Center in Philadelphia, USA) nicht-invasive Versuche am Menschen. Dabei werden die Riechstoffe entweder eingeatmet oder aber an der Hautoberfläche aufgebracht. Bei letzterem bekommen die ProbandInnen Atemmasken mit Frischluft. "Dies ist wichtig, um genau zwischen psychologischen und pharmakologischen/physiologischen Effekten unterscheiden zu können", so Buchbauer. Diese Methode wird momentan von seiner Assistentin Mag. Dr. Martina Höferl angewandt, um die Wirkung von Riechstoffen auf psychosozialen Stress zu testen. Motivation: Neugier Die Frage, ob er nie daran gedacht habe, diese für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie durchaus interessanten Stoffe zu patentieren oder sonst wie zu vermarkten, verneint der Pharmazeut: "Zunächst: Wie wollen Sie Naturstoffe patentieren? Dann treibt mich vor allem die wissenschaftliche Neugier. Und das Thema interessiert mich wohl auch, weil ich ein Genussmensch bin." Prof. Gerhard Buchbauer ist Leiter des Departments für Klinische Pharmazie und Diagnostik. Er beschäftigt sich nunmehr seit mehr als 30 Jahren mit Riechstoffen. |

