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Der Kartograph Karel Kriz und ...


... der Geograph Robert Peticzka arbeiten an einer Datenbank, die verschiedene Informationen wie Zeugenaussagen, Skizzen, bodenkundliche Untersuchungen und Luftbilder miteinander verknüpft, und so das Gebiet, in dem sich das Massengrab jüdischer Kriegsopfer befinden könnte, einschränkt.


Startseite der Applikation. Datenquelle: BEV ÖK50


Ein Bodenradar misst Störungen und dient zur Untersuchung der obersten Bodenhorizonte. Grafik: Institut für Geographie


Orthofoto 1996. Datenquelle: BEV


Institut für Geographie und Regionalforschung    
Wissenschaftliche Basis für Suche nach Massengrab in Rechnitz
Forschungsprojekte, Wissenschaft
Heidrun Huber (Redaktion) am 12. Oktober 2006

In Rechnitz im Südburgenland ist die Suche nach einem Massengrab mit jüdischen Opfern der Nationalsozialisten nach wie vor aktuell. Univ.-Ass. Mag. Dr. Robert Peticzka vom Institut für Geographie und Regionalforschung führt unter der Leitung des Innenministeriums dementsprechende Bodenuntersuchungen durch. Durch ein neu entwickeltes, multimediales Informationssystem in Form einer Datenbank konnten die ForscherInnen das zu untersuchende Gebiet jetzt erheblich einschränken. Diese Woche haben erneut Grabungen begonnen.

"Die Opfer mussten zuerst [...] ihre Überkleider ausziehen und sich an den Rand einer auf freiem Feld in der Nahe des Schlachthauses bereits ausgehobenen Grube setzen; [...]; dann wurden sie erschossen, ein Teil von ihnen vielleicht auch erschlagen [...]", so liest sich eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien aus dem Jahre 1947. Der Fall: In Rechnitz im Burgenland wurden Ende des Zweiten Weltkrieges rund 180 ungarisch-jüdische ZwangsarbeiterInnen von den Nazis ermordet.

Trotz mehrmaliger intensiver Suche wurde der Ort des Massengrabes bis heute nicht gefunden. Ende der 1990er Jahre übernahm das Institut für Geographie und Regionalforschung die wissenschaftliche Arbeit für die Suche. Konkret wurde Univ.-Ass. Mag. Dr. Robert Peticzka mit bodenkundlichen, sedimentologischen Untersuchungen zur Auffindung der jüdischen Kriegstoten betraut. Mit übernommen hat das Projektteam eine enorme Fülle von Informationen und Daten, darunter Zeitzeugenaussagen inklusive händischer Skizzen und Luftbilder der Besetzungsmächte sowie Auswertungen unzähliger vorangegangener Grabungen.

Daten erheben, sammeln und aufbereiten

Die große Schwierigkeit bei der Auffindung des Grabes liegt darin, dass die in Frage kommende Fläche eine Größe von rund 15 Fußballfeldern hat. Da nicht alles aufgegraben werden kann, ist eine Einschränkung des Gebietes notwendig. Basierend auf den vorhandenen Daten und eigenen Untersuchungen, etwa Bodenradarbildern, schauten sich Robert Peticzka und sein Team den Boden bis in eine gewisse Tiefe an. Ist da was zu finden? Vorweg: Zur konkreten Position des Grabes gibt es noch keine Erkenntnisse, aber gefunden und gesammelt sind eine Menge Daten, die für die Verortung desselben notwendig sind. Deren bestmögliche Aufbereitung war eine Herausforderung, die eine Optimierung der erneuten Suche, die diese Woche begonnen hat, ermöglicht. "2002 haben wir die KollegInnen der Kartographie hinzugezogen und sie gebeten dabei zu helfen, ordnerweise Rechnitz-Daten handhabbar zu machen", erzählt Robert Peticzka.

Multimediales Informationssystem

Alle vorhandenen Daten wurden in einer Datenbank erfasst, räumlich verortet und in einer Web-Applikation visualisiert, "um damit eine optimale Zusammenschau der Daten zu gewährleisten, wodurch man letztendlich auch Erkenntnisse über den genauen Ort des Massengrabes ableiten kann", sagt Ass.-Prof. Mag. Dr. Karel Kriz von der Abteilung für Kartographie und Geoinformation. Das Ergebnis: Ein einfach zu bedienendes multimediales Informationssystem, das alle Daten thematisch und kartographisch aufbereitet zugänglich macht.

Unterschiedlichste Datenniveaus kombiniert

"Schwierig und wissenschaftlich wirklich innovativ war, dass unterschiedlichste Datenniveaus zusammengeführt wurden", hebt Peticzka hervor. Bohrungsdaten, elektromagnetische Prospektionen (Oberflächenuntersuchungen), Suchgrabungen, Luftbilder, Zeugenskizzen und Zeugenaussagen - all diese Datenbestände sind nun multimedial und räumlich verortet abfragbar.
Wenn ein Benutzer also auf eine Stelle auf der Karte klickt, scheinen die dazugehörigen Bohrdaten oder Audiofiles von Zeugenaussagen auf. Weiters können Karten, Skizzen und Bilder übereinander gelegt werden. "Vergleicht man in dem System beispielsweise ein Luftbild aus dem Jahre 1945 mit einer vor zehn Jahren durchgeführten Prospektion, ist erkennbar, dass wir in der Prospektion die am Luftbild erkennbaren Panzergräben exakt gefunden haben. Damit ist die Lage dieser Gräben exakt verifiziert", veranschaulicht Peticzka die Vorteile des Systems.

Neue Informationen aus dem Zusammenspiel der alten

Durch die Kombination der räumlichen und thematischen Analysen gewinnen die ForscherInnen neue Informationen bezüglich der Lage des vermuteten Massengrabes. Da die Kosten für eine ausgedehnte Exploration sehr hoch sind, müssen Geologen immer klar entscheiden, wo genau es sich lohnt, Arbeiten durchzuführen. Indem Peticzka, Kriz und Team die vorliegenden Daten und Untersuchungen zusammenspielen, können sie jene Flächen ausschließen, die nicht in Frage kommen. Die Datenerhebung ist soweit abgeschlossen. Bei Flächen mit Verdachtsmomenten gibt es jetzt Nachsondierungen, diese haben am Montag mit einem erweiterten Team von ArchäologInnen in Rechnitz begonnen.

Was verrät der Boden?

Welche Erkenntnisse liefern solche Nachsondierungen? "Natürlich gewachsene Böden haben eine genetische Horizontabfolge. Störungen, beispielsweise durch Grabungen verursacht, sind in Bohrkernen erkennbar", so Peticzka. Weitere Informationen können durch den Einsatz von laboranalytischen Untersuchungen erkannt werden. Eine andere Methode sind unter anderem Widerstands- und Suszeptibilitätsmessungen. So identifizieren die ForscherInnen mögliche Inhomogenitäten im Boden. (hh)

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