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"Über politische Bildung. Politik-Lernen nach dem 'politischen Jahrhundert'" lautet der Titel von Wolfgang Sanders Antrittsvorlesung am Montag, 15. Juni 2009.


Einladung zur Antrittsvorlesung (PDF) CV Wolfgang Sander Didaktik der politischen Bildung der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften
Wolfgang Sander: "Über die Universität Wien hinausstrahlen"
Professuren, Porträts Neo-Professuren
Pamela Paulic am  9. Juni 2009

Am Montag, 15. Juni 2009, hält Wolfgang Sander seine Antrittsvorlesung mit dem Titel "Über politische Bildung. Politik-Lernen nach dem 'politischen Jahrhundert'". Der gebürtige Deutsche hat seit Oktober 2008 die österreichweit erste Professur für "Didaktik der politischen Bildung" an der Universität Wien inne. Erklärtes Ziel des Sozial- und Erziehungswissenschafters ist es, die politische Bildung im heimischen Bildungswesen zu stärken und zu professionalisieren.

Das Interesse an der Europawahl scheint sich, besonders bei jungen Menschen, in Grenzen zu halten. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Können sich Jugendliche überhaupt noch für die Politik - sei es nun die europäische oder die heimische - begeistern? "Sie können", meint Wolfgang Sander von der Universität Wien.

Seit Oktober 2008 bekleidet der deutsche Wissenschafter die österreichweit erste Professur für "Didaktik der politischen Bildung" an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft. Im Rahmen dieser zweijährigen Vertragsprofessur möchte Sander zur Professionalisierung der politischen Bildung an Österreichs Schulen beitragen, indem die LehrerInnen in der Aus- und Weiterbildung besser für diese Aufgabe vorbereitet werden. "Das ist wichtig, da gerade die politische Bildung an den Schulen dazu genutzt werden kann, die Jugendlichen mehr für die Politik zu begeistern", ist Sander überzeugt.

Eine interessante Entdeckungsreise ...


Nach einer zehnjährigen ordentlichen Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Justus-Universität Gießen und einer vierjährigen Professur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena möchte der deutsche Erziehungswissenschafter nun das Fach "Didaktik der politischen Bildung" in Österreich mit aufbauen und stärken. "In solchen Gründungs- und Neuerungssituationen zu arbeiten, ist besonders reizvoll", betont Sander.

Neuland in Wissenschaft und Lehre zu betreten, ist für den Wissenschafter nichts Ungewohntes: "In Deutschland habe ich Fachzeitschriften mit aufgebaut und eine wissenschaftliche Fachgesellschaft für die politische Bildung gegründet", so Sander. Auch am Aufbau der Fachdidaktik der politischen Bildung war der Sozial- und Erziehungswissenschafter schon zuvor - etwa an der Universität Jena - beteiligt. Dennoch: Die neue Aufgabe in Wien findet Sander besonders interessant: "Meine Schwerpunkte in Forschung und Lehre hier an der Universität Wien sind andere als in Deutschland."

... mit vielen Herausforderungen …

Während in Deutschland die politische Bildung schon lange auch als eigenes Fach an den Schulen etabliert ist, sieht es in Österreich etwas anders aus: Hier gilt es zunächst einmal, die "grundlegenden Fragen" zu klären und die politische Bildung inhaltlich und strukturell im österreichischen Bildungssystem besser zu verankern. Sander: "Wenn wir die Professionalisierung der LehrerInnen im Bereich der politischen Bildung anstreben, so muss diese auch in den Studienprogrammen verstärkt verankert werden."

Derzeit ist die politische Bildung für Lehramtsstudierende nur als Kombinationsfach mit der Geschichte studierbar. Allerdings ist dieses Studium an den meisten Hochschulen überwiegend von der Geschichte geprägt und Fragen der politischen Bildung spielen eher am Rande eine Rolle. Hier gehe es, so Sander, darum, die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in diesem Fach nicht nur für einen, sondern für beide inhaltlichen Schwerpunkte zu professionalisieren. Darüber hinaus soll politische Bildung in Österreich auch Unterrichtsprinzip aller Fächer sein. Sander hält das für richtig, denn "zum Beispiel auch angehende Englisch- oder DeutschlehrerInnen sollten die politischen Aspekte ihrer Fächer unterrichten können". Auch hierfür bietet die neue Professur Lehrveranstaltungen im Lehramtsstudium an.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Professur liegt auf der Ausbildung von Studierenden, die in der politischen Erwachsenenbildung tätig sein wollen - auch sie sollen vom neuen Lehrangebot im Bereich der politischen Bildung profitieren. "Die grundlegenden Aufgaben der politischen Bildung sind für mich unabhängig vom Praxisfeld", meint Sander, der selbst acht Jahre lang in der Erwachsenenbildung tätig war.

Neben diesen Herausforderungen liegt dem Wissenschafter auch eine Internationalisierung der Didaktik der politischen Bildung am Herzen. "Die politische Bildung ist im jetzigen Stadium noch zu stark an die Geschichte des jeweiligen Staates gebunden", bedauert Sander.

.... und großen Zielen …

Im Rahmen seiner Vertragsprofessur möchte Sander für eine internationale Verständigung in der Wissenschaft über Mindeststandards in der politischen Bildung eintreten. "Bei den Fremdsprachen hat man mit Hilfe des europäischen Referenzrahmens die Möglichkeit, Vergleiche zu ziehen, - so etwas wäre auch in unserem Fach wünschenswert", ist der Bildungswissenschafter überzeugt.

Weiters möchte er sich auch weiterhin der Herausgabe und Mitgestaltung von wissenschaftlichen Fachzeitschriften widmen: "Seit kurzem bin ich Mitglied des Herausgeberverein 'Forum politische Bildung'." Diese vom Bildungsministerium unterstützte Publikationsreihe wendet sich speziell an Lehrkräfte. Schon seit längerer Zeit ist Sander ferner Chefredakteur der deutschen Fachzeitschrift "kursiv – Journal für politische Bildung".

… in einer attraktiven Stadt


Nicht nur Forschung und Lehre, auch Wien reizt Sander. "Schon als Jugendlicher war ich im Rahmen einer Klassenfahrt hier und später immer wieder gerne zu Besuch", erzählt er. Die Professur an der Universität Wien ermöglicht es ihm nun, die Stadt nicht mehr nur durch die Augen des Besuchers zu sehen, sondern die Stadt als "angelernter Wiener" neu zu entdecken. (pp)


Die Antrittsvorlesung von V.-Prof. Dr. Wolfgang Sander mit dem Titel "Über politische Bildung. Politik-Lernen nach dem 'politischen Jahrhundert'" findet am 15. Juni 2009 um 18 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.


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