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Japanologe Sepp Linhart


Institut für Ostasienwissenschaften, Abteilung Japanologie
700 JapanwissenschafterInnen bei der EAJS in WienOstasienwissenschaften: Yamagata Banto-Preis an Prof. LinhartJapanischer Holzschnitt als Medium der Gegenöffentlichkeit
Zwei hohe Auszeichnungen an Japanologen Sepp Linhart
Wissenschaft
Dieter N. Unrath (Redaktion) am 31. Januar 2005

O. Prof. Dr. Sepp Linhart, Vorstand des Instituts für Ostasienwissenschaften, erhält Anfang Februar zwei japanische Auszeichnungen: Den renommierten Yamagata Banto-Preis und das Ehrendoktorat der Momoyama Gakuin Universität in Osaka. Für dieUniversitaet-online.at Grund genug, ihn zu einem Interview zu bitten. Dabei verriet er einiges über seine Ambitionen, Japanologie zu studieren, über Nacktheit im viertgrößten Inselstaat der Welt und über das "Japan-EU-Jahr der Begegnung 2005".

Forschungen rund um das Ken-Spiel Redaktion: Sie erhalten am 1. Februar den 21. Yamagata Banto-Preis von der Präfektur Osaka und am darauf folgenden Tag die Ehrendoktorwürde der Momoyama Gakuin Universität in Osaka für Ihre Verdienste um die Japanologie. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen persönlich? Sepp Linhart: Die Arbeit von JapanologInnen wird in Japan selbst sehr wenig zur Kenntnis genommen, daher ist es ein freudiges Ereignis, wenn die eigene Arbeit auch in Japan gewürdigt wird. Ich habe den Yamagata Banto-Preis vor allem für mein auf Japanisch geschriebenes Buch "Die Kulturgeschichte des Ken-Spiels" erhalten. Ich denke, es ist sinnvoll, solche Themen wie "Spiele" kultur- und sozialhistorisch zu betrachten. Beim Ken-Spiel ? ein Trink- und kein Kinderspiel ? gibt es verschiedene Formen und eben in diesen Formen wird die Gesellschaft widergespiegelt. Redaktion: Sie sind seit 1978 ordentlicher Professor für Japanologie und forschen ? wie dieUniversitaet-online.at bereits berichtete ? unter anderem über japanische Karikaturen auf Holzschnitten. Mit welchen Forschungsprojekten beschäftigen Sie sich noch? Linhart: Derzeit schreibe ich ein Buch über Karikaturen von Japan auf westlichen Kriegspropagandakarten während des russisch-japanischen Krieges sowie des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Es wird voraussichtlich im Frühjahr erscheinen. Ebenso beschäftige ich mich mit der japanischen Populärmusik von 1850 bis 1950. Ein weiteres Projekt behandelt den Zusammenstoß der europäischen und japanischen Kultur nach der Öffnung Japans in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und zwar anhand des Themas 'Nacktheit in Japan'. Damals wurden die EuropäerInnen mit der Tatsache konfrontiert, dass viele JapanerInnen halbnackt, teilweise ganz nackt umherlaufen, um z.B. ins öffentliche Bad zu gehen. Dies verursachte unter den EuropäerInnen sehr viel Aufregung: Nach europäischen Vorstellungen haben Nacktheit und die hoch entwickelte Kultur der JapanerInnen nicht zusammen gepasst, dies war ? insbesondere für die prüden BritInnen ? sehr schockierend. Während Militärdienst Japanisch gelernt Redaktion: In einem Interview mit der japanischen Botschaft in Wien, sagten Sie, dass Sie mehr durch Zufall zur Japanologie kamen. So haben Sie ein Japanisch-Lehrbuch von Ihrem Schwager geschenkt bekommen. Was hat Sie nun zur Studienwahl bewogen? Linhart: Der Entschluss, Japanologie zu studieren, war eine Ad-hoc-Entscheidung. Mein Interesse galt aber nicht ausschließlich der Japanologie, sondern auch der Sinologie und der Indologie ? letztere war allerdings so esoterisch, dass sie mich eher abgeschreckt hat. Während des Militärdienstes beim Bundesheer habe ich begonnen, Japanisch zu lernen, weil mir langweilig war ? mit diesem eben von meinem Schwager erhaltenen Buch. Ich hatte das Glück, dass das gleiche Lehrbuch, das ich während meiner Bundesheerzeit benutzte, auch auf der Universität verwendet wurde. So konnte ich alle Kursstufen gleichzeitig besucht. Redaktion: Sie haben in den 1960er Jahren Japanologie studiert. Wie viele Studierende der Japanologie gab es damals und wie war die Studien- und Lehratmosphäre? Linhart: Die Studienrichtung Japanologie gibt es an der Universität Wien erst seit 1965. Ich habe 1963 begonnen, damals konnte man es im Rahmen des Studiums Völkerkunde studieren. 1965 gab es zwei Studenten, die Japanologie im Hauptfach inskribiert hatten: mich und Prof. Dr. Erich Holubowsky, der heute die Japanisch-Sprachausbildung am Institut leitet. Bis 1978 hatten wir jedes Jahr bis zu fünf StudienanfängerInnen, daher war die Studien- und Lehratmosphäre sehr familiär. Ab 1969, als Japan mit seinem Bruttosozialprodukt die BRD überholte, erregte das Land immer mehr Aufmerksamkeit. Die Bedeutung der japanischen Wirtschaft in der Welt stieg. Dies wirkte sich auch auf das Fach aus: 1978 hatten wir plötzlich 30 AnfängerInnen, was damals sensationell war. Dieses Semester haben wir sogar 180 StudienanfängerInnen. Japan-EU-Jahr der Begegnung 2005 Redaktion: Im Rahmen des "Japan-EU-Jahres der Begegnung 2005" findet an der Universität Wien vom 31. August bis 3. September der Japanologie-Kongress "11th International Conference of the EAJS" statt. Welche Bedeutung hat diese Veranstaltung für die Universität Wien? Linhart: Die Konferenz ist der wichtigste Treffpunkt für europäische JapanwissenschafterInnen. 1972 von meinen Vorgänger Prof. Kreiner und mir initiiert und gegründet, findet der Kongress alle drei Jahre statt. Zu Beginn kamen etwa 100 WissenschafterInnen zur Veranstaltung, heuer sind es 600. Es gibt keine Weltvereinigung der JapanologInnen, daher nehmen nicht nur EuropäerInnen, sondern auch sehr viele japanische und amerikanische JapanologInnen teil. Kleine Länder wie Österreich neigen dazu, dass sie international viel mehr präsent sind als die großen Länder. Weil wir so klein sind, müssen wir öfters den Mund aufmachen und lauter schreien, damit wir zur Kenntnis genommen werden. Redaktion: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Spielt Japan auch privat in Ihrem Leben eine Rolle? Verbringen Sie z.B. in Japan Ihren Urlaub? Linhart: Ich versuche schon, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, wenn ich nach Japan fahre, um neben der rein beruflichen Tätigkeit auch privat auszuspannen oder etwas anzusehen. Früher war ich gerne in Tokio, aber heute ist es mir dort einfach zu hektisch. Man kann so wenig an einem Tag unternehmen und die Entfernungen sind zu groß. Ich besuche lieber Kyoto. Heute interessiere ich mich auch für traditionelle japanische Kultur, was mich als Student eher weniger gefesselt hat. (du)

Yamagata Banto-Preis

Der Yamagata Banto-Preis ist ein Preis für JapanologInnen und wird seit 1982 von der Präfektur Osaka vergeben. Der Preis wurde auf private Initiative des berühmten japanischen Dichters Shiba Ryotaro eingeführt.

Yamagata Banto war ein Amateurwissenschafter im 18. Jahrhundert. Mit dem Preis wird zum Ausdruck gebracht, dass jede/r BürgerIn ? wenn er/sie sich bemüht ? große Erfolge in der Forschung erbringen kann.

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