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Fachbereichsbibliothek Botanik. Fotos: Roland Dreger.


Dr. Robert Stangl


An die bis ins letzte Drittel des 19. Jhdts. gültige Zuordnung der Botanik zur Medizin erinnern noch heute die zu dieser Zeit verwendeten Heilpflanzen- tafeln, die die wesentlich fragileren und teureren Herbarbögen zu Unter- richtszwecken größtenteils ersetzen sollten.


Computerarbeitsplätze: In den Plastiktafeln (Vordergrund) befinden sich Fotografien wertvoller ausländischer Herbarbögen, öfters sogar sog. Typus- belege, die aus Konser- vierungsgründen möglichst geschont und soweit wie möglich in der fotogra- fischen Form genützt werden sollen. Auch heute noch müssen in manchen erworbenen Werken die eingebundenen und gefalteten Druckbögen noch von Hand aufgeschnitten werden, eine Arbeit, der sich Peter Komma mit Sorgfalt und Präzision unterzieht.


Fachbereichsbibliothek Botanik
250 Jahre Fachliteratur zum Bereich Botanik
UB
Gastbeitrag von Robert Stangl am  7. Dezember 2004

Die botanische Fachinformation ist an der Universität Wien einer spezialisierten Bibliothek anvertraut, die noch in der Rokoko-Ära gegründet wurde. Auswahl, Erwerb, Erschließung, Bereitstellung und Benützungsregelung der Literatur bilden bis heute den Rahmen der Aktivitäten dieser Bibliothek. Eine kurze Skizze des Bestandes der jetzigen Fachbereichsbibliothek Botanik von den ersten Schenkungen und Erwerbungen bis ins digitale Zeitalter.

Der Import der Linné'schen Systematik an die Wiener Universität Noch vor 1755 hatte der schwedische Arzt Carl von Linné (1707-1778) ein zwar künstliches, aber leicht anwendbares Ordnungssystem des Pflanzenreiches vollendet und damit Pflanzensystematik und botanische Nomenklatur von Grund auf reformiert. Als es 1754 im Rahmen der Theresianischen Universitätsreform zur Gründung eines Botanischen Gartens kam, wurde in diesem die Linné'sche Systematik sowohl im Bebauungsplan als auch in der Forschungs- und Lehrpraxis übernommen. Dem Literaturbedarf der neuen Institution trug man durch die Überlassung von 85 facheinschlägigen Duplikaten aus der kaiserlichen Hofbibliothek Rechnung. 1769 kam es in den Gartengebäuden zur Einrichtung eines speziellen Bibliotheksraumes, in dem der Buchbestand geschlossen aufgestellt wurde. Jedoch konnte bis 1842 von einem planmäßigen Bestandesaufbau keine Rede sein, der Bücherzuwachs blieb sporadisch und gering. Die botanische Bibliothek in der Ära des "natürlichen Pflanzensystems" Der Wechsel zu einem natürlichen Pflanzensystem kam im Wiener Universitätsgarten erst 1840. Zu dieser Zeit (1842) wurde für die Bibliothek ein regelmäßiger Jahresetat in der Höhe von 500 Gulden erreicht, was erstmalig einen kontinuierlichen und planbaren Bestandsaufbau ermöglichte. Bedeutung und Umfang der Bibliothek stiegen enorm an, als sie 1844, zur Eröffnung des neuen Botanischen Museums im Botanischen Garten, alle botanischen Werke des sog. "k.k. Hof-Naturaliencabinetes" übertragen bekam. Zusätzlich hinterließ der damalige Botanik-Ordinarius im Jahre 1849 seine bis auf 36.000 Gulden geschätzte private Buchsammlung der Bibliothek. Auch sein Nachfolger förderte durch Überlassung von über 500 Werken den Bestandesaufbau stark. Dadurch erreichte der Bibliotheksbestand im Jahre 1855 eine Höhe von ca. 8000 Bänden, die Bibliothek galt damals als die Nummer eins aller botanischen Bibliotheken Europas. Die Bibliotheksentwicklung von der Gründerzeit bis zum Zweiten Weltkrieg Die 1842 noch ausreichende Dotation war spätestens seit 1866 ungenügend. Zusätzlich verlor die Bibliothek 1884 durch Abgabe großer Teile des Bestandes an das neu erbaute "Naturhistorische Hofmuseum" stark an wissenschaftlicher Bedeutung. Dennoch konnte schon 1888 durch unermüdlichen Einsatz wieder ein Bestand von 10.000 Bänden erreicht werden. 1905 übernahm das neu errichtete "Botanische Institut der Universität Wien" Aufgaben und Bibliothek des nunmehr unzureichenden "Botanischen Museums". Eine Reihe großzügiger Literaturgeschenke ließ die Bibliothek auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts florieren, bevor der Ausbruch des Ersten Weltkrieges aller bibliothekarischen Aufbautätigkeit ein ebenso abruptes wie nachhaltiges Ende bereitete. Es mangelte schlicht an allem, weder das Kriegsende noch die gesamte Zwischenkriegszeit brachten der Bibliothek eine nennenswerte Besserung. Den erstaunlichen, trotz aller Ressourcenmängel auch in der Zwischenkriegszeit erbrachten  wissenschaftlichen Leistungen der Wiener systematischen Botanik konnte die Bibliothek leider nicht folgen. Nennenswerten Bucherwerb gab es in dieser Zeit vornehmlich aus Nachlässen, mit meist nur geringer Relevanz für laufende Forschungsvorhaben. Der Zweite Weltkrieg brachte dann der Bibliothek schließlich den schmerzhaften Verlust von ca. 1000 Sonderabdrucken, 150 Cahiers und etwa 50 Büchern. Die Bibliothek in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Zwar besserten sich die ärgsten Mängel für die Bibliothek ab den 1960er Jahren, dennoch konnte die Bibliothek weder personell noch finanziell mit der raschen Zunahme an Fachpublikationen Schritt halten. Dasselbe galt leider auch für die sich ab 1970 rasant entwickelnde fachwissenschaftliche Diversifizierung des Institutes. 1990 wurde die Bibliothek an die Universitätsbibliothek Wien angeschlossen und als "Fachbibliothek für Botanik" konstituiert. Dem Platzmangel konnte man im Jahr 1992 durch vergrößerte und renovierte Bibliotheksräume mit Stellraumreserven für ca. 20 Jahre abhelfen. 1995 kamen die ersten Bibliothekscomputer zum Einsatz, ab 1999 war die Bibliothek voll in das österreichische wissenschaftliche Bibliotheksnetz integriert. Dennoch blieb die Diskrepanz zwischen den seit 1995 immer fühlbarer werdenden Sparmaßnahmen und den stetig steigenden Leistungsanforderungen an die Bibliothek bestehen. Dr. Robert Stangl ist Leiter der Fachbereichsbibliothek Botanik.  

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