Albert Einstein: Sein Lebensweg in der UB |
| Jahr der Physik, Kultur |
| Anna Kim (Redaktion) am 18. Mai 2005 |
Albert Einstein hat viele Gesichter: Patentamt-Angestellter und wissenschaftlicher Außenseiter, unfreiwilliger Revolutionär und Entdecker der Relativitätstheorie, Vater der Atombombe und Pazifist. Seinem Lebensweg widmet sich die Ausstellung "Albert Einstein ? Ingenieur des Universums" in der Universitätsbibliothek der Universität Wien. Sie ist Teil der großen Berliner Einstein-Ausstellung. |
Nach Einsteins Tod am 18. April 1955 wurde sein Gehirn bei der Obduktion entnommen: Genie kann und muss sich doch auch irgendwie physisch äußern, schien die Devise zu sein. Genialität lässt eben nicht kalt ? denn seither wurden nicht nur Einsteins Gehirn und seine physikalischen Theorien immer wieder untersucht. Nun ist sein Leben an der Reihe. Doch diesmal geht es weniger um das Genie als um die Person Albert Einstein. Der Mensch Albert Einstein In der Ausstellung der Wiener Universitätsbibliothek begegnet man Einstein als Kind, während seiner Jugend, während der Studien- und Erwachsenenjahre. Man kann in die bürgerliche Welt des Einstein?schen Familienbetriebs, in die Welt der Schweizer Bohème, der preußischen Elite, in die Jahre des Nationalismus und Nationalsozialismus, in die Welt des Judentums bis in die Zeit der Emigration Einsteins in die USA eintauchen. Die Ausstellung wurde unter der Leitung von Prof. Jürgen Renn, Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, konzipiert. Die Eröffnung der Wiener Ausstellung, die Teil der Berliner Einstein-Schau ist, findet am 22. Mai 2005 im Großen Lesesaal der Universitätsbibliothek statt und inkludiert den Vortrag von Prof. Lee Smolin "The unfinished revolution. Finishing what Einstein started". Im deutsch-jüdischen Mittelstand Geboren 1879 in Ulm, wuchs Einstein in einer deutsch-jüdischen Mittelstandsfamilie in München auf, wo sein Vater und sein Onkel eine eigene Fabrik für elektrische Geräte, die Elektrotechnische Fabrik J. Einstein & Cie, besaßen. Nachdem die Firma zugrunde gegangen war, zog die Familie nach Mailand. Nur Einstein blieb in München, um seine Ausbildung, ab 1888 im Luitpold-Gymnasium, zu beenden. Doch nachdem es zu Spannungen zwischen Einstein und seinen Lehrern gekommen war, ging Einstein 1894 von der Schule ohne Abschluss ab und folgte seiner Familie nach Mailand. Um dem Militärdienst zu entgehen, legte er außerdem die deutsche Staatsbürgerschaft ab. Annus mirabilis 1905 Kein Glück mit Prüfungen scheint Einstein jedenfalls gehabt zu haben: Er brauchte zwei Anläufe, um am damaligen Zürcher Polytechnikum aufgenommen zu werden, und ebenfalls zwei, um sich zu habilitieren. Dazwischen arbeitete er als Hauslehrer und Angestellter beim Schweizer Patentamt in Bern, da er keine Anstellung als Universitätsassistent erhalten konnte. Und doch spricht man vom "Annus mirabilis" 1905, das Jahr, in dem Einstein ? trotz widriger Umstände ? fünf wissenschaftliche Arbeiten vorlegte, die das Weltbild der Physik grundlegend verändern sollten: Unter anderem erschien im Juni die Abhandlung "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" mit dem Nachtrag "Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?", die zum ersten Mal die wohl berühmteste Formel der Welt, E = mc², enthält. Beide Arbeiten sind heute als spezielle Relativitätstheorie bekannt. Zehn Jahre später präsentierte er sein Hauptwerk, die Allgemeine Relativitätstheorie. Folgenreiche Sonnenfinsternis Am 29. Mai 1919 beobachtete der britische Astrophysiker Arthur Eddington während einer Sonnenfinsternis, dass das Schwerefeld der Sonne Licht genau so ablenkt, wie es die allgemeine Relativitätstheorie vorhersagt. Durch diese experimentelle Bestätigung machte Einstein weltweit Schlagzeilen und erlebte einen ungeheuren Popularitätsschub. 1921 schließlich erhielt der Physiker den Nobelpreis für Physik ? allerdings nicht für die Allgemeine Relativitätstheorie, sondern für seine Arbeiten zum Photoeffekt. Vater der Atombombe? Mit Hitlers Machtübernahme brach Albert Einstein sämtliche Kontakte zu Deutschland ab und lebte fortan in Princeton, USA. 1938 entdeckte der Berliner Wissenschafter Otto Hahn die Kernspaltung. Im folgenden August, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, warnte Einstein in einem Brief an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt vor einer neuartigen Bombe, die Deutschland im Begriff sei zu entwickeln. Auf seinen Brief hin wurde das Manhatten Project genehmigt, das zum Ziel hatte, eine eigene Atombombe zu entwickeln. Allerdings war Einstein an dem Projekt nicht beteiligt. Er erfuhr von den Folgen seines Briefes aus dem Radio, als er hörte, dass am 6. August 1945 die erste Atombombe abgeworfen worden war. Sie forderte zwischen 90.000 und 200.000 Todesopfer und zerstörte 80 Prozent des japanischen Hiroshima. (ak) Ausstellung "Albert Einstein ? Ingenieur des Universums. Der Lebensweg" vom 22. Mai bis 16. Juni 2005 im Foyer der Universitätsbibliothek Besichtigung während der Öffnungszeiten (Mo bis Fr 9-21.45 Uhr, Sa 9-12.45 Uhr) Eröffnung: (pdf) Sonntag, 22. Mai 2005, 19.30 Uhr Großer Lesesaal der Universitätsbibliothek Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien Programm: Begrüßung durch Rektor Georg Winckler Eröffnung durch Univ.-Prof. Dr. Jürgen Renn (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte) Einführende Worte zum Vortrag durch Univ.-Prof. Dr. Markus Arndt Vortrag von Prof. Lee Smolin "The unfinished revolution. Finishing what Einstein started" (in englischer Sprache) |

