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Anton Amann vom Institut für Soziologie,


Wilfried Datler vom Institut für Bildungswissenschaft ...


... und Elisabeth Seidl vom Institut für Pflegewissenschaft beschäftigen sich mit der Lebensqualität demenzkranker Menschen in Österreichs Pflegeheimen.


Institut für Soziologie der Fakultät für Sozialwissenschaften Institut für Pflegewissenschaft der Fakultät für Sozialwissenschaften Institut für Bildungswissenschaftder Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft universitäre Forschungsschwerpunkte
Alt, dement und lebensfroh? Zur Lebensqualität im Pflegeheim
Forschungsprojekte, Universitäre Forschungsschwerpunkte
Bernadette Ralser (Redaktion) am 19. April 2007

Die Wissenschaft hinkt den rasanten gesellschaftlichen Veränderungen im Versuch, wichtige anstehende Fragen zu beantworten, oft kläglich hinterher. Gerade im Bereich "Überalterung der Gesellschaft" mangelt es an Studien, die den Blickwinkel der Betroffenen ins Auge fassen. Die Zahl der alten und demenzkranken Personen nimmt stetig zu. Doch wie geht es diesen Menschen eigentlich? Ein aktuelles Forschungsprojekt setzt sich mit der Lebensqualität von BewohnerInnen österreichischer Pflegeheime auseinander.

"Gerade weil die Forschungslage zum Thema Lebensqualität alter Menschen nicht sehr weit gediehen ist, finde ich es begrüßenswert, dass die Universität Wien diesen Bereich mit einem universitären Forschungsschwerpunkt fördert", sagt Univ.-Prof. Mag. Dr. Anton Amann vom Institut für Soziologie. In einem kürzlich gestarteten Projekt geht er gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Seidl vom Institut für Pflegewissenschaft und Ao. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler vom Institut für Bildungswissenschaft der Frage nach, welche Faktoren die Lebensqualität alter Menschen beeinflussen.

"Sie leben in einer anderen Welt"

Ein Großteil der alten Menschen in Österreichs Pflegeheimen leidet an geistigen Beeinträchtigungen wie etwa demenziellen Erkrankungen. "Demenzkranke Menschen finden in unserer Welt kaum Platz und sind teilweise nicht mehr erreichbar, vor allem wenn sie nicht professionell betreut und begleitet werden", erklärt Elisabeth Seidl. Der Bedarf an Wissen über den Umgang mit solchen PatientInnen ist dementsprechend groß. Das Forschungsprojekt will nun die Methoden und Erfahrungen der drei beteiligten Disziplinen nutzen, um den Zusammenhang zwischen Lebens- und Pflegequalität zu untersuchen.

Mensch im Mittelpunkt

"Beiden soll es gut gehen, der Person, die gepflegt wird, und der Person, die pflegt", sagt Seidl. Dementsprechend personenzentriert ist die Herangehensweise an die Thematik. Und darin liegt auch die große Herausforderung des Projekts: methodisch abzuklären, in welcher Weise und bis zu welchem Ausmaß demenzkranke Menschen in der Lage sind, selbst über ihre Befindlichkeit Auskunft zu geben. Denn neben der Einschätzung von Angehörigen und der Einstellung des Pflegepersonals gegenüber ihren PatientInnen wollen Anton Amann, Wilfried Datler und Elisabeth Seidl auch dem Erleben und den Wahrnehmungen der Betroffenen Gehör verschaffen.

Innovatives Forschungsthema

Hier interessieren sich die drei WissenschafterInnen vor allem für die ganz alltäglichen Situationen, in denen es zur Interaktion zwischen betreuter und pflegender Person kommt. "Wir gehen der Frage nach, was wichtige Bezugspersonen veranlasst, in bestimmten Situationen in bestimmter Weise mit den alten Menschen in Beziehung zu treten", beschreibt Wilfried Datler das Forschungsinteresse: "Wir wollen wissen, welche Überzeugungen, welche situativen Einschätzungen und Gefühle für das Handeln eine besondere Rolle spielen." Ähnliche Fragen wurden bisher vor allem im Hinblick auf den Frühbereich menschlicher Entwicklung gestellt; über den Lebensabschnitt "Alter" gibt es noch sehr wenig empirische pädagogische Forschung.

Methodenentwicklung

Neben inhaltlichen Ergebnissen zielt das innovative und interdisziplinäre Projekt deshalb vor allem auf die Adaption bewährter sowie die Entwicklung neuer Forschungsmethoden. Gearbeitet wird mit einem Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden: "Wir bauen auf dem vorhandenen Instrumentarium auf, versuchen aber auch, völlig neue Wege zu beschreiten", so Anton Amann.

Forschungsverlauf

Das dreijährig angelegte Projekt steht noch am Anfang: Die laufende Forschungsphase dient der Sichtung einschlägiger Literatur sowie einer ersten Kontaktaufnahme zu österreichischen Pflegeinstitutionen. "Der Erfolg des Projekts steht und fällt mit der Kooperationsbereitschaft der Pflegeheime", sagt Datler. Im weiteren Verlauf des Projekts sollen auch fortgeschrittene Studierende die Möglichkeit erhalten, sich in den Forschungsprozess zu integrieren. Sie werden in eigenen Lehrveranstaltungen für die Projektmitarbeit qualifiziert.

Wechselseitige Korrektive

Im Zentrum der Projektplanung steht jedoch der ständige wissenschaftliche Austausch: Diskussionen, Workshops, Tagungen und Gespräche mit KollegInnen aus Deutschland und der Schweiz ermöglichen neben wechselseitiger Korrektive auch die Weitergabe unterschiedlicher Perspektiven und Erfahrungen sowie die kontinuierliche inhaltliche und methodische Weiterentwicklung.

Wissen als Basis für gute Pflege

Darüber Bescheid zu wissen, wie es dem Gegenüber geht, wie der alte Mensch seine persönliche Situation erlebt, würde die verantwortungsvolle Arbeit, die Österreichs Pflegepersonal tagtäglich verrichtet, wesentlich erleichtern. "Außerdem könnte dieses Wissen die Bereitschaft der Pfleger und Pflegerinnen erhöhen, sich fortzubilden und ihre Kompetenzen zu erweitern", hofft Elisabeth Seidl. Langfristiges Ziel des Projekts ist die Steigerung der Zufriedenheit und der Lebensqualität von BewohnerInnen österreichischer Pflegeheime und ihrer Bezugspersonen. (br)


Das Projekt "An empirical investigation into the lifeworld and life quality of nursing home residents" wird im Rahmen des universitären Forschungsschwerpunktes "Ethische und Gesellschaftliche Perspektiven des Alterns" gefördert. Das interdisziplinäre Forschungsteam besteht aus Univ.-Prof. Mag. Dr. Anton Amann, Institut für Soziologie (Projektkoordinator), Ao. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler, Institut für Bildungswissenschaft, und Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Seidl, Institut für Pflegewissenschaft.

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