Immer mehr Menschen sind über 50 Jahre alt, die über 80-Jährigen bilden die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe in Österreich. Altern ist nicht nur ein Thema in Politik und Gesellschaft, sondern auch in der Wissenschaft. An der Universität Wien forscht man an verschiedensten Instituten zu diesem Thema, das die meisten von uns in absehbarer Zeit betreffen wird. In den nächsten Tagen stellt dieUniversitaet-online.at dazu einige Forschungsbereiche vor. |
"Everyone I know / goes away in the end", singt Johnny Cash mit zitternder Stimme. Und stirbt kurz darauf nach dem Tod seiner Frau, mit der er sein Leben verbracht hat.
Dass der Mann die Frau überlebt, ist eher die Ausnahme. Dass am Ende des Lebens der Tod steht, nicht. Bei einer Lebenserwartung von EU-weit durchschnittlich 81 Jahren bei Frauen und 75 Jahren bei Männern ist das Alter etwas, das beinah jede und jeder zu erwarten hat - und das in der Politik, bei wirtschaftlichen Überlegungen, in der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens und natürlich in der Forschung eine immer wichtigere Rolle spielt.
Wohlbefinden und Lebensqualität im Alter
Nicht nur Kostenfragen wie die Sicherung der Pensionen sollen bei sich umkehrenden demographischen Strukturen bedacht werden. Zunehmend macht man sich Gedanken über Wohlbefinden und Lebensqualität im Alter, etwa in der "European Study of Adult Well-Being" (ESAW), deren Österreich-Leiter ao. Univ.-Prof. Dr. Germain Weber vom Institut für Klinische, Biologische und Differentielle Psychologie ist. Im Gespräch mit der Redaktion erläutert Weber die ausschlaggebenden Faktoren für Wohlbefinden im Alter in Österreich im Vergleich mit anderen EU-Ländern.
Der Untersuchung der Lebensqualität im Alter hat sich auch Ass.-Prof. Dr. Christoph Reinprecht vom Institut für Soziologie gewidmet: Er leitet das WHO-Demonstrationsprojekt "Investition in die Gesundheit älterer Menschen" in Wien, das auf die Gesundheitsförderung und Aktivierung isolierter Gruppen der älteren Bevölkerung abzielt. Zur Abdeckung einer Forschungslücke hat Reinprecht auch die Situation von älteren MigrantInnen in den Fokus seines Interesses gestellt.
Ringvorlesung und Symposien
Auch in der Lehre ist Alter/n ein Thema: Im Wintersemester 2004/05 fand unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Anton Amann vom Institut für Soziologie in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz die Ringvorlesung "Alter(n): Aufbruch in die Zukunft" statt. Als Abschluss organisiert der Autor des Buches "Die großen Alterslügen" gemeinsam mit Univ.-Doz. Dr. Hubert Ehalt vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am 2. März ein Symposium im Wiener Rathaus über "Älter werden in der Großstadt".
Amanns Kollege, der Soziologe em. Prof. Dr. Leopold Rosenmayr, plant für die Österreichische Akademie der Wissenschaften das internationale Symposium "Altern ist Leben", das von 10. bis 12. März 2005 stattfinden wird.
Im kommenden Sommersemester ist Altern wieder ein Aspekt einer Ringvorlesung: In der Lehrveranstaltung ?Bildung, Benachteiligung, Krankheit und Behinderung? von Univ.-Prof. Dr. Gottfried Biewer und ao. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Datler vom Institut für Bildungswissenschaft kommen u.a. Prof. Amann, Univ.-Prof. Ilse Kryspin-Exner (Psychologie) und Univ.-Ass. Mag. Dr. Anja Weiberg (Philosophie) zum Thema "Altern" zu Wort.
Wie sich zeigt, wird Gerontologie in Wien intensiv und in vielen Disziplinen wie Psychologie, Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Sozialgeschichte oder Pflegewissenschaft betrieben. Was bei entsprechender institutsübergreifender Vernetzung und Kommunikation einen innovativen Forschungsschwerpunkt der Universität Wien ergeben könnte. (sk)
Veranstaltungstipps:
Symposium: "Älter werden in der Großstadt" 2. März 2005, Festsaal des Wiener Rathauses Programm
Internationales Symposium: "Altern ist Leben" 10.-12. März 2005, Festsaal/Theatersaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Programm
Ringvorlesung: Bildung, Benachteiligung, Krankheit und Behinderung jeweils Mo 16-7.30, HS 50 (Hauptgebäude), Beginn: 7.3.2005 Organisiert vom Institut für Bildungswissenschaft (Gottfried Biewer, Wilfried Datler). Das Programm der Vorträge wird im Veranstaltungskalender angekündigt. |