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Institut für Zeitgeschichte Institut für Politikwissenschaft
Anders Gedenken
Wissenschaft, 1945-55
Redaktion am 24. Oktober 2005

Einen bewusst kritischen Beitrag zum heurigen "Gedankenjahr" und der darauf aufbauenden Inszenierung der Republik Österreich will das internationale Symposium "Das andere und künftige Österreich im neuen Europa" bieten, das heute und morgen am Institut für Zeitgeschichte stattfindet. Es versteht sich auch als Würdigung des österreichisch-französischen Historikers Felix Kreisslers, der vor einem Jahr starb.

"Die differenzierten Ergebnisse der Historikerkommission sind zwar veröffentlicht, doch angesichts einer massiven Gedenkpolitik im Zeichen von Harmonisierung und selektiver Konstruktion österreichischer Zeitgeschichte verblassen sie", meint Prof. Friedrich Stadler, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte. Gemeinsam mit Helmut Kramer, Professor am Institut für Politikwissenschaft, übernahm er die wissenschaftliche Leitung des Symposiums "Das andere und künftige Österreich im neuen Europa".

Unzählige Vergangenheitsbilder zur Zweiten Republik in Form von Ausstellungen, TV-Dokumentationen, Spielfilmen, Events ("25 peaces") und Buchveröffentlichungen waren im Gedenkjahr 2005 zu bemerken. "Dabei wird eine inszenierte Selbstdarstellung der politischen RepräsentantInnen sichtbar, die mit einer Marginalisierung von noch immer tabuisierten oder ignorierten Themen wie Antisemitismus, Entnazifizierung, Widerstand, Restitution etc. einhergeht", so die Organisatoren. Stattdessen würden die bekannten Klischees vom Wiederaufbau sowie der "Stunde Null" "im Sog der Opferthese als identitätsstiftende, große Erzählung sichtbar", heißt es in der Programmankündigung.

In memoriam Felix Kreissler (1917-2004)

Die Tagung will aber nicht nur einen Gegenpol zum inszenierten Jubelgedenken bieten, sondern auch das beeindruckende Lebenswerk des "Österreich-Spezialisten", Historikers und Literaturwissenschafters Felix Kreissler genau ein Jahr nach seinem Tod kritisch würdigen. "In seinen Vorträgen und Publikationen hat Kreissler die Themen Widerstand, Verfolgung, Exil, österreichische Identität und den Demokratisierungsprozess im heutigen und künftigen Österreich und in der EU behandelt", erklärt Prof. Stadler.
Um diese aktuellen zeitgeschichtlichen und politikwissenschaftlichen Forschungen geht es auch im Symposium. Fünf große Themen werden in verschiedenen Workshops diskutiert: Österreichische Nation und Identität; Österreich nach der "Wende" 2000; Exil, Widerstand und Verfolgung; kritische Reflexion der offiziellen Gedenkkultur und Wissenschaftsbeziehungen Österreich - Frankreich (Wien - Paris). (mh)


Symposium "Das andere und künftige Österreich im neuen Europa. In memoriam Felix Kreissler (1917-2004)"
Montag/Dienstag, 24./25. Oktober 2005
Programm (PDF) 

Felix Kreissler (1917-2004)
Felix Kreissler wurde 1917 in Wien-Meidling geboren und engagierte sich schon als Mittelschüler gegen die austrofaschistische Diktatur. Er emigrierte 1937 nach Frankreich. Nach dem Angriff Hitler-Deutschlands auf Frankreich schloss sich Felix Kreissler der Résistance an und wurde mehrfach verhaftet. Unter dem Namen "Le Brun" und als vermeintlicher Franzose wurde er Mitte Mai 1944 ins KZ Buchenwald verschickt. Er überlebte, ebenso seine spätere Frau Denise.
1947 übersiedelte er nach Wien, 1959, im Alter von 42 Jahren, begann Kreissler in Frankreich zu studieren und erwarb drei Doktor-Titel. Ab Anfang der 1970er Jahre arbeitete er am Aufbau des Instituts für Germanistik der neugegründeten Université de Haute Normandie in Rouen mit. Mit der Gründung des Österreich-Zentrums CERA (Centre d?Études et de Recherches Autrichiennes) und der Halbjahreszeitschrift "Austriaca" gelang es, die Österreich-Kunde an den französischen Universitäten zu verankern.
Felix Kreissler genoss innerhalb der französischen und österreichischen scientific community großes Ansehen und galt als Vermittler zwischen diesen beiden Kulturen. Er hielt zahlreiche Vorträge, schrieb zahlreiche Bücher (darunter ein Standardwerk zur Ersten Republik), Aufsätze, Kommentare (auch zum Zeitgeschehen in Österreich) und beteiligte sich an vielen wissenschaftlichen Projekten. Er starb von 24. auf 25. Oktober 2004 in Paris.

Ausführlichere Informationen zu Kreissler hier.

   

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