"Ich liebe Herausforderungen", sagt Dr. Andrea Henzl. Die Motivation für die gebürtige Steirerin, sich an der größten Universität des Landes zu bewerben, war die "Chance mitzuhelfen, aus einer vielleicht etwas traditionellen Universität einen Hochleistungs- und Servicebetrieb zu machen".
Berufliche Vielfalt
Henzl liebt aber auch die Vielfalt, wie aus ihrer Berufslaufbahn ersichtlich wird: Unmittelbar nach dem Lehramtsstudium (Germanistik/Anglistik) in Graz war Andrea Henzl, Jahrgang 1951, als Lehrerin tätig, bevor sie als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin und Vertragsassistentin an der Universität Graz arbeitete und in Geschichte promovierte. Danach ging sie als FWF-Sachbearbeiterin nach Wien, arbeitete als Geschäftsführerin beim Kulturfestival Steirischer Herbst, ehe sie als Personalmanagerin in die Privatwirtschaft wechselte. Daneben absolvierte sie Management- und Führungskräfte-Ausbildungen und Kurse in Buchhaltung, Büro- und Wirtschaftsführung.
Von 1992 bis 2002 war sie Generalsekretärin der Österreichischen Rektorenkonferenz (Reko) und zuletzt Universitätsdirektorin der Donau-Universität Krems. "Ich möchte keine der Tätigkeiten missen", resümiert Henzl. Welche Erfahrungen und Soft Skills sie in ihrem neuen Aufgabengebiet an der Universität Wien einbringen könne? "Abgesehen vom Wissen um die bildungspolitische Landschaft in Österreich und die europäische Hochschulpolitik: Die Fähigkeit zur Organisation und zur Kommunikation."
Kommunikation und Teamarbeit
Und kommunikativ ist sie. "Ich glaube, dass ich wenig Schwierigkeiten habe, auf Menschen zuzugehen." In klaren, schnell gesprochenen Sätzen erzählt sie von sich und ihrem Arbeitstag. "Ich arbeite gerne in unterstützenden Teams, behalte mir aber Entscheidungen vor, die ich vorwiegend als Verstandesmensch treffe", so Henzl, der rund 70 MitarbeiterInnen unterstehen.
Den Überblick über die verschiedenen Bereiche der DLE Studien- und Lehrwesen, die so unterschiedliche Projekte und Abteilungen wie die Referate Studienzulassung und Studienrecht und universitäres Stipendienwesen, die Koordination Lehramtsstudien, Lebensbegleitendes Lernen, die Projektzentren Genderforschung und Lehrentwicklung und STUDENT POINT beherbergt, möchte Dr. Henzl über Jours Fixes mit den einzelnen Referats- und ProjektleiterInnen behalten.
Kunden- und Serviceorientierung
Andrea Henzl ist eine Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht - "was aber nicht heißt, dass ich keine Visionen und Vorstellungen habe. Ich bin aber Realistin genug, um zu wissen, was man umsetzen kann und was nicht. Das hindert mich nicht, Ideen zu haben."
Zu ihren wichtigsten Zielen in den nächsten Jahren zählt, die Universität Wien und ihre MitarbeiterInnen auf Kundenorientierung einzuschwören. "Ich bin der Meinung, dass die Studierenden im Verwaltungsbereich - nicht im Lehrbereich! - Kunden sind."
Erleichtert werden könnte dies durch eine geplante Studenten-Karte, mit deren Hilfe alle studienrelevanten Daten abrufbar sind. "Meine Vision ist, dass der Student alle Formulare online ausfüllt, mit der Karte die Studiengebühren und auch in der Mensa bezahlt, sich damit Zeugnisse ausdruckt oder die Bücher auf der UB entlehnt." Der Kundenkontakt mit den Studierenden soll dadurch auf ein Minimum reduziert werden - "nicht, weil wir das nicht wollen", betont Dr. Henzl, "sondern weil wir die Unabhängigkeit der Studierenden gewährleisten wollen." In spätestens fünf Jahren sollen die Studierenden der Universität Wien die Vorteile einer solchen Karte genießen können, schätzt Andrea Henzl zuversichtlich. Schrittweise bewege man sich ohnehin in diese Richtung z.B. mit der Online-Vorinskription oder der Online-Prüfungsanmeldung.
Im Bereich Erwachsenenbildung (Universitätslehrgänge) sei noch viel zu tun, so Henzl. "Es kann nicht sein, dass man diesen Bereich dem bfi oder dem WIFI überlässt. Das gehört auch zum Bildungsauftrag einer Universität."
Reise mit dem Wohnmobil
Ihr berufliches Ziel hat sie laut eigenen Angaben erreicht. Als privates Ziel nennt Henzl den Wunsch, in der Pension ein Wohnmobil zu kaufen und mit ihrem Mann durch die Welt zu reisen. Überhaupt fielen ihr Ortswechsel sehr leicht: "Am liebsten würde ich rundherumziehen", lacht sie, die aus Pernegg/Mur stammt, mit 18 Jahren nach Graz ging um zu studieren und seitdem in Graz, Wien und Krems gelebt und gearbeitet hat, während der Studienzeit durch Ferialarbeiten auch Großbritannien, Italien und Deutschland kennenlernte und in ihren bisherigen Tätigkeiten in der ganzen Welt unterwegs war. "Ich bin ein urbaner Mensch. Ich wohne bewusst mitten in der Stadt und genieße es sehr", erzählt sie.
"Auf die Pension aufgeschoben sind weitgehend auch Theaterbesuche oder private Lektüre", seufzt Henzl. Ihre rare Freizeit und vor allem die Wochenenden widmet sie ihrem neuneinhalbjährigen Sohn, der eine Ganztagsschule besucht. Im Sommer wird es aber die Gelegenheit geben, eine Woche lang mit ihrem Sohn gemeinsam an der Universität Wien zu "arbeiten": während der KinderuniWien. "Ich habe mir schon einige Lehrveranstaltungen ausgesucht, wo Eltern mitdürfen", freut sie sich. Bis dahin wird sie wohl energisch einige ihrer Ziele vorantreiben. (mh) |