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Was hier vor die Blitzanlage gerät, ist mindestens mehrere Hundert Jahre alt, meist zerbrechlich und äußerst wertvoll. Im Bild: Jacqueline Kieszlich (links) und Kathrin Britt Schier (rechts). Fotos: Gabriele Gattinger


Schatten unerwünscht: ein perfekt ausgeleuchtetes prähistorisches Gefäß.


Oft sind gerade feinste Verzierungen oder Bearbeitungsspuren wie bei diesem Goldschmuck für die Wissenschaft von Interesse.


An die 100.000 Luftbilder sind in den letzten Jahren kopiert und vergrößert worden.


Institut für Ur- und Frühgeschichte, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät  
Archäologische Artefakte vor der Linse
Vielfältiger Uni-Alltag
Roland Dreger (Redaktion) am 31. Juli 2006

Seit 20 Jahren setzt Gabriele Gattinger prähistorische Fundstücke ins rechte Licht. Ob für die wissenschaftliche Auswertung, Publikationen, Ausstellungen oder zur Grabungsdokumentation - professionelle Bilder bringen einen Mehrwert für die Forschung, wie die Leiterin der Fotoabteilung am Institut für Ur- und Frühgeschichte weiß.

Zwei Studioblitze tauchen den Raum in grelles Licht. Das professionelle Equipment erinnert an ein gewöhnliches Fotostudio. Ein Mindestalter von mehreren Hundert Jahren ist hier allerdings Grundbedingung, um vor die Linse zu gelangen. Aus der Steinzeit bis zum Mittelalter stammen die Objekte, die von Gabriele Gattinger und ihrer Mitarbeiterin Kathrin Britt Schier im Auftrag der Wissenschaft abgelichtet werden.

Ausgeleuchtet bis ins kleinste Detail


So genannte Softboxen vor den Blitzen sorgen für ein möglichst diffuses Licht. Die meisten wollen überhaupt keine Schatten auf ihren Objekten, meint Gabriele Gattinger: "Ansonsten legt jeder auf etwas anderes Wert - je nach Fachgebiet. Oft sind es gerade die feinen Verzierungen oder Bearbeitungsspuren auf den Objekten, die von besonderem Interesse sind." Die speziellen Wünsche ihrer KollegInnen kennt die ausgebildete Fotografin mittlerweile gut. Seit 1985 arbeitet sie am Institut für Ur- und Frühgeschichte mit den ArchäologInnen zusammen. Untergebracht ist die Fotoabteilung im vierten Stock des ehemaligen Hauptgebäudes der Hochschule für Welthandel im 19. Wiener Bezirk. Dass sie hier gelandet ist, verdankt sie eher einem Zufall. Ein Projekt mit einem großen Kamerahersteller war ihr Einstig in diese Sparte, erzählt sie.

Randbereich wissenschaftliche Fotografie


Eine konkrete Ausbildung zum Beruf der/des wissenschaftliche/n Fotografen/-in existiert im Gegensatz zu anderen Ländern in Österreich nicht. Ihr Wissen in diesem Bereich hat sich Gattinger im Zuge der Arbeit selbst aneignen müssen. Die Erfahrung aus der Praxis gibt sie nun den Lehrlinge ihrer Abteilung und auch StudentInnen weiter.

Lichtführung in der Praxis


In einer Lehrveranstaltung werden die angehenden ForscherInnen in die Grundbegriffe der fotografischen Dokumentation, der Bildkomposition und der richtigen Lichtführung unterwiesen. Selten herrschen etwa bei Grabungen im Feld ideale Bedingungen. "Es muss mit dem vorhandenen Licht gearbeitet werden und man ist ganz der natürlichen Lichtführung ausgesetzt", erklärt die Fotografin. Manchmal fehlt es den Studierenden aber einfach an der nötigen Ausrüstung. "Dann betreuen wir sie bei ihren Diplomarbeiten oder Dissertationen."

Erfolgreiche Lehrlingsausbildung


Die Ausbildung von Lehrlingen gehört zudem seit vielen Jahren zum Aufgabengebiet der Fotoabteilung. Die Kosten dafür werden zum Teil von der Wirtschaftskammer übernommen. Vom Erfolg zeugen bereits mehrere Preise, die die derzeitigen Lehrlinge Marcella Wallner und Jacqueline Kieszlich einheimsen konnten. Die letzte Auszeichnung ist der erst kürzlich errungene erste Platz im Berufswettbewerb der Kammer für Arbeiter und Angestellte der Stadt Wien.

Über 30.000 Fundstücke warten noch


Derzeit warten noch über 30.000 archäologische Fundstücke auf ihre fotografische Erfassung. Die Sammlung des Instituts - eine der umfangreichsten ur- und frühgeschichtlichen Sammlungen in Europa - wird in einer Datenbank erfasst. Drei Jahre sind dafür veranschlagt. Koordiniert wird das Mammutprojekt von Ass.-Prof. Mag. Dr. Alois Stuppner. Der Historiker ist Leiter der Studien- und Lehrsammlung. Die Datensammlung soll letztlich Studierenden und WissenschafterInnen für ihre Forschungsarbeit zur Verfügung stehen. Bereits größtenteils abgeschlossen ist die Aufarbeitung des umfangreichen Luftbildarchivs des Instituts. An die 100.000 Stück Dia und Papierkopien sind kopiert bzw. vergrößert worden.

Man sieht den Unterschied


Die Außeneinsätze bei Grabungen sind in den letzten Jahren weniger geworden. Der Trend hin zur digitalen Fotografie geht auch an der Wissenschaft nicht spurlos vorüber. Auf die Frage, ob die Abteilung trotz des Booms der Digitalkameras Zukunft hat, antwortet Gattinger dennoch mit einem klaren Ja. Professionelle Fotos machen sich nicht so nebenbei und die richtige Technik will gelernt sein. Zudem wurde in der Vergangenheit viel in eine gute Ausrüstung investiert - "und die braucht es nun mal, um publikationsreife Fotos zu erhalten." (ro)

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