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Diskoinsel. Foto: Folder Arctic Station


Michaela Panzenböck und Andreas Richter vor der Bucht der Arctic Station. Fotos: Michaela Panzenböck


Während die WissenschafterInnen auf der Jagd nach Proben waren, ging Tarflich auf die Jagd nach Robben.


Treibeis, raue See und drei Grad kaltes Wasser machen eine Bootsfahrt in der Arktis nicht ungefährlich.


Ob der rauen See war nicht nur die Bootsfahrt ein Abenteuer, sondern auch die Probenentnahme.


Bizarre Eisberge in der Bucht vor Qeqertarsuaq.


In Flüssen wird der Kohlenstoff zum Meer transportiert und dabei teilweise abgebaut.


Gleich hinter der Arctic Station türmen sich die bis zu 1.000 Meter hohen Tafelberge.


Rund 1.100 EinwohnerInnen hat der Ort Qeqertarsuaq. Sie leben hauptsächlich von der Jagd und dem Fischfang.


Laborarbeit mit Aussicht.


Webseite der Arctic Station auf der Diskoinsel Informationen über Qeqertarsuaq auf der Diskoinsel, Westgrönland Department für Chemische Ökologie und Ökosystemforschung der Fakultät für Lebenswissenschaften Lesen Sie auch: Dossier "Notizen aus der Arktis" "Forschung auf der Diskoinsel"
Arktische Klimaforschung auf der Diskoinsel
Notizen aus der Arktis, Forschungsprojekte
Theresa Dirtl (Redaktion) am 22. September 2008

Rund zehn Tage verbrachten zwei WissenschafterInnen der Universität Wien auf der ältesten Forschungsstation in der Arktis, der 1906 gegründeten Arctic Station in Grönland. Auf ihrer Forschungsreise im August 2008 vertieften Andreas Richter und Michaela Panzenböck ihre Untersuchungen zum Kohlenstoffhaushalt in dieser sensiblen Klimaregion.

Wasser- und Bodenprobenentnahmen standen ganz oben auf der Prioritätenliste des Ökologen Andreas Richter und der Limnologin Michaela Panzenböck. Aufgrund des extrem unwegsamen Geländes rund um die Arctic Station auf der westgrönländischen Diskoinsel gestaltete sich dieses Vorhaben jedoch als schwieriger als gedacht. "Ein Fußmarsch von nur rund 15 Kilometer nimmt einen ganzen Tag in Anspruch, da man immer wieder Schneefelder und Flüsse überqueren muss", erzählt Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Richter. Da die beiden aber nur zehn Tage Zeit - von 17. bis 27. August - hatten, mussten sie sich vor Ort eine andere Möglichkeit organisieren, damit sie in der kurzen Zeit so viele Proben wie möglich sammeln konnten.

Hilfestellung bot ein lokaler Jäger und Fischer - die Arctic Station liegt am Rande des kleinen Ortes Qeqertarsuaq -, mit dessen Boot die beiden WissenschafterInnen auch sehr entlegene Stellen zur Probenentnahme erreichen konnten. "Das Boot wurde immer von Tarflich gesteuert, alleine hätten wir uns das nicht zugetraut, da die See wegen Sturm oft sehr rau war und auch viel Treibeis die Fahrt erschwerte", so Richter: "Das Wasser hatte nur rund drei Grad - fällt man hinein, ist man innerhalb weniger Minuten tot."

Robbenjagd und Flusserkundungen

Mit dem Boot war es den ForscherInnen möglich, in nur wenigen Tagen immerhin einen Radius von rund 30 Kilometer um die Station zu erkunden. Während Panzenböck und Richter aus Flüssen, dem Meer und aus dem Boden Proben entnahmen, war auch Tarflich nicht untätig. Der Grönländer ging in der Zwischenzeit auf die Jagd nach Robben, die, wie bei den meisten der 1.100 Einwohner, seinen Lebensunterhalt stellt.

Tal, Fluss und Meer

Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit vor Ort stand der sogenannte gelöste organische Kohlenstoff. Rund 15 bis 20 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs sind in den Permafrostböden der Arktis gespeichert; durch die Erderwärmung wird vermehrt Kohlenstoff als CO2 freigesetzt, was wiederum zu einer noch höheren Erderwärmung führen könnte. Darüber hinaus wird aber auch erwartet, dass mehr organische Kohlenstoffverbindungen aus den Böden herausgelöst werden. Daher ist gerade der Transportweg von organischem Kohlenstoff vom Boden über Flüsse bis in das Meer von großem Interesse für die ForscherInnen.

"Auf diesem Weg verändert sich der Kohlenstoff kontinuierlich. Er wird aus den Böden der Täler ausgewaschen, gelangt in die Flüsse, wo er von Mikroorganismen teilweise abgebaut wird. Der Kohlenstoff, der das Meer erreicht, ist folglich nur mehr schwer abbaubar", erklärt Ökologe Andreas Richter: "Unsere primären Forschungsfragen sind, welcher Kohlenstoff in welchen Mengen tatsächlich das Meer erreicht und inwieweit sich die Qualität des Kohlenstoffes entlang des Flusspfades verändert." Antworten auf diese Fragen können die WissenschafterInnen erst in einigen Monaten geben, wenn sie die unterschiedlichen Wasser- und Bodenproben an ihrem Department ausgewertet haben.

Experimente vor Ort


Laborversuche mit Mikroorganismen führten Panzenböck und Richter auch vor Ort durch, da die Mikroorganismen die weite Reise zurück bis nach Wien nicht überlebt hätten. Dabei verwendeten sie unterschiedliche organische Kohlenstoffverbindungen aus Böden und Pflanzen, die sie sterilisiert hatten. Diesen setzten sie dann unterschiedlichen Mikroorganismen aus dem Meer, aus Flüssen und Biofilmen aus, um zu beobachten, wie der jeweilige Kohlenstoff in diesen unterschiedlichen Wasserproben abgebaut wird und sich dabei verändert. Gleichzeitig beobachteten Richter und Panzenböck diese Vorgänge auch bei unterschiedlichen Bedingungen wie Temperatur und Nährstoffverfügbarkeit.

Noch, so Richter, gäbe es wenig Forschung zum Kohlenstoffhaushalt in der Arktis. Das liegt auch daran, dass der Kohlenstoff, der aus den Böden ausgewaschen wird, in den Flüssen nur in vergleichsweise geringen Konzentrationen zu finden und daher sehr schwer zu analysieren ist. "Da die Arktis eine sehr sensible Klimaregion ist - sie erwärmte sich in den letzten 20 Jahren am stärksten -, können selbst kleine Veränderungen im Kohlenstoffkreislauf große Auswirkungen haben", ist Andreas Richter überzeugt. (td)            

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