| Der vordere Teil der seit 1905 bestehenden Studien- sammlung am Institut für Ur- und Frühgeschichte. Fotos: R. Dreger ![]() Die rund 40.000 Objekte der Sammlung werden seit zwei Jahren von Alois Stuppner betreut. ![]() Die ältesten Fundstücke stammen aus der Altsteinzeit. ![]() Die Bronzetasse aus Stillfried an der March (NÖ) (in der Mitte des Bildes) ist eines der bedeutendsten Artefakte der Sammlung. ![]() Aufgrund seines guten Erhaltungszustandes besonders interessant für die Forschung: Steigbaum aus der späten Bronzezeit von der Kelchalpe bei Kitzbühel, Nordtirol. ![]() Kunstvoll gestaltetes Gefäß mit Stierkopf von Rabensburg (Burgenland) aus der Hallstattzeit. Institut für Ur- und Frühgeschichte, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät |
Artefakte von der Steinzeit bis zum Mittelalter |
| Sammlungen an der Universität Wien |
| Roland Dreger (Redaktion) am 29. August 2005 |
Kultobjekte, Gebrauchsgegenstände, Müll: Demjenigen, der ihre Sprache zu deuten versteht, erzählen die Überbleibsel unserer Vorfahren eine Menge. Das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien beherbergt eine in Europa einzigartige Sammlung dieser Artekfakte. |
Die schlichten Vitrinen aus den 1960er Jahren haben zweifellos ihren ganz eigenen Charme. Lediglich die Beleuchtung hat sich seit deren Anschaffung verändert. Im Zuge einer großen Sonderausstellung vor einigen Jahren wurde in eine moderne Lichtanlage investiert. Die dafür erstellte Hintergrundgestaltung mit Bildern und Informationen wurde allerdings wieder entfernt, wie überhaupt jedwede Beschriftung der mitunter doch sehr wertvollen Objekte in den Vitrinen vergebens gesucht wird. Nur hin und wieder zeigt sich ein Schriftzug hinter den Glasscheiben ? wahrscheinlich unabsichtlich. Beschreiben, ansprechen, einordnen "Es handelt sich hier um eine Studiensammlung", klärt Ass.-Prof. Dr. Alois Stuppner vom Institut für Ur- und Frühgeschichte auf. Deren Hauptaufgabe liegt in der Lehre. "In Bestimmungsübungen kann der Student die Keramikstücke, die Metallstücke in die Hand nehmen und lernt etwa das Beschreiben, Ansprechen und Einordnen der Fundstücke. Er knüpft hier eigentlich den ersten Kontakt mit dieser materiellen Kultur der einzelnen Perioden." Aber auch moderne Methoden, wie etwa die Untersuchung mittels Elektronenmikroskop, trainieren die StudentInnen anhand der namenlosen Artefakte. Für Ausstellungen heiß begehrt Ihr anonymes Dasein unterbrechen die Fundstücke nur dann, wenn sie auf Reisen gehen. Einige der Objekte sind für Ausstellungen heiß begehrt und haben es über die Landesgrenzen hinaus zu einer gewissen Berühmtheit gebracht ? wie etwa die Bronzetasse aus Stillfried an der March (NÖ). Und so verwundert es nicht, dass immer wieder auch FachkollegInnen aus dem In- und Ausland hier nachfragen, um die Artefakte wissenschaftlich unter die Lupe nehmen zu können. 38.846 Stück laut Inventarbücher Die ältesten Fundstücke der Sammlung sind so genannte Faustkeile aus der Altsteinzeit, die jüngsten stammen aus dem Mittelalter. Nur ein kleiner Teil findet sich in der illuminierten Auslage ? die Prunkstücke sozusagen, und jene, die besonders charakteristisch für eine Epoche sind. Der Großteil der Originale und Doubletten liegt im Verborgenen, in den zierlosen Schränken und Kästen verwahrt. Wie viele es genau sind, weiß selbst Stuppner nicht, der die Sammlung seit zwei Jahren betreut. Die Inventarbücher weisen einen Bestand von 38.846 Einzelstücken auf. Vieles der 1905 gegründeten Sammlung ging jedoch in den Kriegsjahren verloren oder wurde durch Bombentreffer zerstört. Und nicht alle der durch Nachlässe, Schenkungen oder Tausch in die Sammlung gelangten Stücke wurden in der Vergangenheit mit der heute üblichen wissenschaftlichen Akribie vermerkt. Privatsammlung Much Um ein Haar wäre die Sammlung überhaupt um einiges bescheidener ausgefallen, wie aus der Historie des Instituts zu erfahren ist. Gewissermaßen in letzter Sekunde konnte eine Sammlung des 1909 verstorbenen Privatgelehrten und Urgeschichtlers Matthäus Much erworben werden. Moritz Hornes, erster Professor für Urgeschichte an der Universität Wien, gelang es 1912, das Unterrichtsministerium von einem Ankauf der etwa 24.000 zum Teil einzigartigen Objekte zu überzeugen und so deren Verkauf ins Ausland zu verhindern. Auf Matthäus Much geht die Pfahlbauforschung in Österreich zurück. Durch seine zahlreichen Ausgrabungen in Niederösterreich, Oberösterreich (Mondsee) und Salzburg (Bischofshofener Raum, Arthur-Stollen) legte er so den Grundstock für die Sammlung ? die umfangreichste ihre Art in Europa. Digitale Inventarisierung Einer zeitgemäßen, sprich digitalen, und erstmals auch vollständigen Erfassung der Bestände gilt derzeit das Hauptbemühen von Stuppner. Seit 1999 geplant, soll nun durch eine gemeinschaftliche Datenbank-Initiative an der Universität Wien frischer Wind in das umfangreiche Vorhaben kommen. Dass es einen Mehrwert für Lehre und Forschung bringen würde, davon ist der Historiker überzeugt. Die elektronische Abrufbarkeit könnte sowohl den Studierenden als auch den FachkollegInnen weltweit den Zugang zu den Beständen wesentlich erleichtern. (ro) |





