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Bambus im Botanischen Garten der Universität Wien
Botanischer Garten
Gastbeitrag von Michael Kiehn am  4. Dezember 2003

Zu den Pflanzenbeständen des Botanischen Gartens zählen auch verschiedene Bambusarten. Hier sollen einige interessante Arten dieser tropischen Pflanze vorgestellt werden.

   

BesucherInnen des Botanischen Gartens der Universität Wien (HBV) sind immer wieder beeindruckt von der großen, absolut winterharten Bambus-Gruppe aus Phyllostachys viridi-glaucescens  im zentralen Bereich des Gartens.  
Bambus gilt eigentlich und zu Recht als "tropische" Pflanze, denn das Hauptverbreitungsgebiet der Bambusgewächse liegt in den tropischen und subtropischen Gebieten in Asien.

Beeindruckend: die winterharte Bambus-Gruppe im Botanischen Garten

Auch in Amerika, Afrika und Australien kommen Bambus-Arten vor. Nur wenige Arten sind auch für unser Klima geeignet, sie stammen meist aus den Bergregionen Chinas und Japans. Die Phyllostachys-Gruppe Dazu gehören Arten der Gattung Phyllostachys, die ca. 75 Arten umfasst. Seit etwa 150 Jahren gelangen Arten dieser Gattung nach Europa. Bei uns sind neben Phyllostachys viridi-glaucescens auch P. bissetii, P. nuda, P. humilis und P. aureosulcata als absolut winterhart anzusehen. Phyllostachys ist von den bei uns winterharten Bambus-Gattungen die einzige, deren Arten höher als 5 m werden. P. viridi-glaucescens kann bis zu 12 m hoch werden. Oft wird gefragt, wie alt denn die Phyllostachys-Gruppe im HBV ist. Aus einer Liste von 1893 (aus der Direktoriumszeit von Anton Kerner von Marilaun) wissen wir, dass P. viridi-glaucescens in diesem Jahr bereits an der heutigen Stelle im HBV stand. Das ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen wurde die Art erstmals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in China gesammelt und erst 1878 beschrieben; wahrscheinlich gelangte sie also direkt nach ihrer Aufsammlung über England in den Botanischen Garten der Universität Wien. Zum anderen handelt es sich bei dem heutigen Bestand noch immer um die ursprünglichen Pflanzen, denn bislang hat die Art im HBV nicht geblüht - zum Glück, denn nach einmaliger Blüte des Bestandes sterben bei vielen Bambus-Arten die ganzen Pflanzen ab. Bislang war bei Phyllostachys-Arten ein Blührhythmus von bis zu 100 Jahren bekannt; Daten gibt es z.B. für P. edulis (blüht etwa alle 50 Jahre), P. nigra (ca. alle 30 Jahre) und P. aurea (ca. alle 15 Jahre). Charakteristika des Bambus

Der Begriff "Bambus" umfasst eine ganze Unterfamilie (Bambusoideae) der echten Gräser (Poaceae). Weltweit umfasst diese Gruppe ca. 120 Gattungen mit insgesamt mehr als 1000 Arten. Manche Arten sind nur eine wenige Zentimeter hoch (z.B. Pleioblastus pygmaeus, der ebenfalls im HBV zu finden ist), andere wiederum (z.B. Phyllostachys viridi-glaucescens) überschreiten selbst bei uns eine Höhe von 10 m. An Naturstandorten erreichen einige Bambus-Arten Höhen bis zu 45 m mit einem Halmdurchmesser von ca. 35 cm.

Aus: Anton Kerner von Marilaun, "Pflanzenleben". 1888/91

Wichtigste Kennzeichen von Bambus sind: Im Boden befindliche Kriech-Sprosse (Rhizome), aus denen sehr rasch dicke, holzige, in Abschnitte unterteilte Halme wachsen (bei Bambusa arundinacea etwa 90 cm pro Tag). Die "Bambussprossen" sind im Jugendstadium von einer membranartigen Scheide mit Blattfortsatz umschlossen und kommen in ihrer endgültigen Stärke aus dem Boden, sie haben kein nachträgliches (sekundäres) Dickenwachstum. Die Halme wachsen innerhalb von zwei Monaten auf ihre volle Größe. Im oberen Bereich können sie sich schwach mit Seitenachsen verzweigen. Ein Bambushalm hat in der Regel eine Lebensdauer von fünf bis sieben Jahre. Danach verbleicht er, wird trocken und stirbt ab. In Bezug auf die Wuchsform können beim Bambus zwei Hauptgruppen unterschieden werden, die horstbildenden und die ausläuferbildenden Bambusarten. Zu den horstbildenden Arten gehören die meisten der tropischen Bambusse, aber auch die in Gärtnerkreisen bekannten Fargesien (wie Sinoarundina = Fargesia nitida oder S. murielae). Zur Gruppe der ausläuferbildenden Bambusse gehören z.B. die Phyllostachys-Arten. Um bei diesen Arten ein ungehindertes Ausdehnen zu verhindern, ist der Einbau einer unterirdischen "Sperre" angebracht. Vielfältige Nützung Bambus wird vielfältig genutzt: er dient als Baumaterial, zur Herstellung von Matten und Geflechten, Möbeln, Rohren, Papier, und die jungen Triebe vieler Arten werden als Gemüse gegessen. Eine weitere bemerkenswerte Bambus-Art im HBV ist der Riesen-Bambus Dendrocalamus giganteus. Ursprünglich aus dem malesianischen Raum stammend, wird der Riesen-Bambus heute in vielen Regionen der Tropen plantagenmäßig angebaut, um die Halme als Bauholz zu verwenden. In unserem Tropenhaus wachsen die Halme dieser Art 10 bis 30 cm pro Tag und erreichen in einem Monat das Dach des Gewächshauses. Dann müssen sie gekürzt werden, denn am natürlichen Standort kann D. giganteus 30 m Höhe erreichen. Während die Sprosse sich unter natürlichen Bedingungen im ersten Jahr praktisch nicht verzweigen, erfolgt nach Kappung der Spitze eine reichliche seitliche Verzweigung an den Knoten. Vorsicht ist beim Anfassen der Bambushalme geboten, genauer gesagt der Blatthäutchen. Diese befinden sich an den Knoten und umgeben die jungen Triebe wie ein dichter Mantel. Sie sind von feinen Nadeln besetzt, die bei Berührung abbrechen, in der Haut steckenbleiben und dann langwierige Entzündungen verursachen können. Die empfindlichen Bambussprosse werden so wirksam vor Fraßfeinden geschützt. Dr. Michael Kiehn ist Assistenzprofessor am Institut für Botanik und Organisator des Jubiläumsjahres "250 Jahre Botanischer Garten". Botanischer Garten Institut für Botanik  

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