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"Behinderung/Integration/Universität" |
| Behinderung/Integration |
| Michaela Hafner (Redaktion) am 7. April 2003 |
Diese Woche bringt dieUniversitaet.at anlässlich des EU-Jahres der Menschen mit Behinderung den Schwerpunkt "Behinderung/Integration/Universität". Der Bogen der Beiträge spannt sich dabei von Forschungsprojekten über Erfahrungsberichte, von den baulichen Gegebenheiten bis zu einzigartigen Initiativen. |
Am 3. Dezember 2001 beschloss die Europäische Union, das Jahr 2003 zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen (EJMB 2003) auszurufen - immerhin ist schätzungsweise ein Zehntel der gesamteuropäischen Bevölkerung behindert. Behinderte Menschen und ihre Rechte, Hindernisse und Diskriminierungen sollen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Lebensqualität forciert werden. Auch wenn die zuständige EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou zuversichtlich ist, dass "the year will drive progress towards achieving equal rights for people with disabilities", hoffen Behindertenverbände, die seit Jahrzehnten für Gleichstellung und Selbstbestimmung durch Veränderung der Rahmenbedingungen und gegen Versorgung und Entmündigung kämpfen, dass es nicht nur bei Lippenbekenntnissen und schönen Reden bleibt. Sie fordern konkrete Umsetzungen wie persönliche Assistenz, uneingeschränkten Zugang zu allen Bildungseinrichtungen, Schaffung barrierefreier Wohnräume, Zugang zu einer beruflichen Erwerbstätigkeit, Teilhabe am öffentlichen und kulturellen Leben und Zugang zu Informationen und Medien. In jedem EU-Mitgliedstaat kümmert sich eine nationale Koordinierungsstelle um die Organisation und Umsetzung der Maßnahmen im EU-Jahr. Behindert - gehindert Was versteht man unter "Behinderung"? Rechte und Leistungen für Menschen mit Behinderung sind durch verschiedene Gesetze geregelt, die jeweils eine Definition von Behinderung erfordern und von Land zu Land unterschiedlich ist. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert folgendermaßen: "Aufgrund einer Erkrankung, angeborenen Schädigung oder eines Unfalls als Ursache entsteht ein dauerhafter gesundheitlicher Schaden. Der Schaden führt zu einer funktionalen Beeinträchtigung der Fähigkeiten und Aktivitäten des/der Betroffenen. Die soziale Beeinträchtigung (handicap) ist Folge des Schadens" und äußert sich in persönlichen (z.B. Freizeitaktivitäten, soziale Integration), familiären (z.B. wirtschaftliche Belastung) und gesellschaftlichen (z.B. Fürsorgeanspruch) Konsequenzen. Die Beeinträchtigungen/Schädigungen der Betroffenen ist sehr heterogen und reicht von geistiger, körperlicher und Lernbehinderung über Verhaltensstörung, Sprachbehinderung (z.B. Stottern) bis zu Hör- und Sehschädigung, chronischer (z.B. Multiple Sklerose, Hepatitis C) und psychischer Erkrankungen. Die Definition von Behinderung ist eine soziale Kategorie, die immer in Relation zur Gesellschaft, zu den anderen Fähigkeiten etc. zu sehen ist. Da es keine einheitliche Definition von Behinderung gibt, können auch keine exakten Aussagen über die Gesamtzahl von Menschen mit Behinderung gemacht werden - auch für den universitären Bereich gibt es keine genauen Zahlen, wie die kürzlich veröffentlichte Studierenden-Sozialerhebung 2002 zeigt. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung ist oft von Vorurteilen und Mitleid geprägt. Die dadurch entstandenen Barrieren im Kopf von nicht-behinderten Menschen verstellen den Blick auf das Machbare, das Gemeinsame, die Beiträge von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft. Behinderung/Integration und/an der Universität Wien DieUniversitaet.at will mit dieser Schwerpunkt-Woche zur Öffentlichkeit und Sensibilisierung mit dem Thema Behinderung/Integration beitragen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Universität Wien und ihre Angehörigen - Personen mit Behinderungen und solche, die sich in Forschung und Lehre für die Verbesserung der Lebensqualität, für Gleichstellung und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen einsetzen. Um dem Motto "Nichts über uns ohne uns" gerecht zu werden, kommen auch Betroffene zu Wort wie die Sportpädagogin Mag. Andrea Scheney, Mag. Helene Jarmer, die Sprachkurse für Österreichische Gebärdensprache am Sprachenzentrum anbietet, Studierende und die beiden Behindertenbeauftragten der Universität Wien. Kornelia Götzinger, die Behindertenbeauftragte der Universität Wien, berichtet in einem Gastbeitrag allgemein über die Situation von Behinderten an der Universität Wien. Einen persönlichen Eindruck ihrer Situation vermitteln behinderte Studierende: mit welchen Schwierigkeiten haben sie zu kämpfen, wie könnte man die Universität in ihren Augen behindertengerechter gestalten? Weiters berichten wir über eine Reihe von Projekten, Lehrveranstaltungen und Initiativen an der Universität Wien, die sich mit dem Thema Behinderung/Integration auseinander setzen. Das Sprachenzentrum der Universität Wien bietet seit dem Wintersemester 2002 Kurse für Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) an. Der viersemestrige Kurs reagiert damit auf die große Nachfrage, setzt aber auch ein sprachenpolitisches Zeichen in Richtung Anerkennung einer sprachlichen Minderheit, die in Österreich immerhin 10.000 Personen betrifft. Ein Beitrag stellt den "Integrativen Journalismuslehrgang" unter Beteiligung des Instituts für Publizistik und Kommmunikationswissenschaft vor, den im Februar 2003 die ersten 11 TeilnehmerInnen abgeschlossen haben. Univ.-Prof. Christiane Schaner-Wolles vom Institut für Sprachwissenschaft beschreibt in einem Gastbeitrag, was die Patho-Linguistik für Personen mit Sprach- und Sprechstörungen tun kann. Mag. Andrea Scheney, Sportdirektorin des Österreichischen Behindertensportverbandes, bietet am Institut für Sportwissenschaft die einzigartige Lehrveranstaltung "Sportangebote für Körper- und Sinnesbehinderte" an. Ihre persönliche Erfahrung als Behinderte kommen dabei ebenso zur Sprache wie Kritik am mangelnden Lehrangebot für Sport mit anderen "Randgruppen" wie AsthmatikerInnen. Die deutsche Erziehungswissenschafterin Sieglind Ellger-Rüttgardt, Gastprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaft, sprach mit uns über die gemeinsame schulische Erziehung von Behinderten und Nicht-Behinderten im europäischen Vergleich. Ein "Blick zurück" - die historische Perspektive - zeigt einmal mehr, dass die Konzepte von "normal" und "anormal" zeit- und kontextgebunden und daher veränderbar sind. Zum Thema Autismus werden zwei Projekte vorgestellt: eine internationale Studie unter österreichischer Beteiligung (Univ.-Klinik für Psychiatrie) publizierte unlängst die Ergebnisse einer möglichen genetischen Ursache der Erkrankung, während ein anderes Projekt die schulische Integration autistischer Kinder in speziellen Integrationsklassen untersucht. Ein weiterer Artikel informiert über die Ursachen von Legasthenie, deren Diagnose und neue Therapiemöglichkeiten, die am Institut für Psychologie und am Institut für Erziehungswissenschaft erforscht werden. Nicht nur Barrieren im Kopf - auch die baulichen Hindernisse sind immer wieder Gegenstand der Kritik von Seiten der Behindertenverbände. DieUniversitaet.at sprach mit der Behindertenvertrauensperson der Universität Wien, Josef Wettinger, darüber, wie behindertengerecht Gebäude der Universität Wien sind. Der Kulturbeitrag beschäftigt sich - ausgehend von dem Buch "berühmt - beliebt - behindert. Außergewöhnliche Frauen im Porträt" - mit Frauen, die sich trotz oder auch wegen ihrer Behinderung ihren Platz in der internationalen Kunstwelt erobert haben - die mexikanische Malerin Frida Kahlo ist nur ein beeindruckendes Beispiel von vielen. Im Laufe des Jahres wird sich dieUniversitaet.at noch öfter diesem wichtigen Thema widmen und weitere Artikel veröffentlichen. Für Anregungen und Kritik sind wir schon heute dankbar. Bedanken möchten wir uns auch bei unseren GesprächspartnerInnen für die gute Zusammenarbeit. (mh) betrifft:integration |
