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Thomas Streitfellner untersucht im Rahmen des EU-Projekts "BIONET" unterschiedliche bioethische Standards in China und in Europa. Foto u. Montage: T. Dirtl


Forschungsplattform "Life - Science - Governance" Projekt "BIONET"      
China und Europa im Bio-Netz
China, Forschungsprojekte
Heidrun Huber (Redaktion) am  5. Juli 2007

Weltweit gibt es unterschiedlichste Standards in der Bioethik. Österreich beispielsweise betrachtet die Forschung an menschlichen Embryonen kritisch. China hat im Gegensatz dazu international die liberalsten ethischen Standards in der Biomedizin. Im EU-Projekt "Bionet" treffen sich China und Europa. Ziel des Projekts ist es, ein Netzwerk zwischen China und Europa zur ethischen Governance biomedizinischer Forschung aufzubauen. Einer der 21 Projektpartner ist die Forschungsplattform "Life - Science - Governance" der Universität Wien.

Chinas Biotechnologie-Forschung gehört zur Weltelite. In dem riesigen Land, wo teilweise die elementare Gesundheitsversorgung fehlt, scheint hochtechnologische Medizinforschung schwer vorstellbar. Durch sein niedriges Kostenniveau hat China aber im Forschungswettbewerb einen strategischen Vorteil gegenüber anderen Ländern. Gleichzeitig hat das Land der Mitte einen relativ schlechten Ruf wegen seiner geringen ethischen Standards. Das EU-Projekt "Bionet" (6. Rahmenprogramm) will Unterschiede in der Ethik der Biomedizin (reproduktive Technologien, regenerative Medizin, Vererbungswahrscheinlichkeitstests) zwischen China und Europa überbrücken. Dabei hat "Bionet" zum Ziel, ein nachhaltiges Netzwerk zur ethischen Governance biologischer und biomedizinischer Forschung innerhalb und zwischen China und Europa aufzubauen. Am interdisziplinären Projekt sind 21 Partner aus den Bereichen Biologie, Medizin, Geistes-, Politik- und Sozialwissenschaft beteiligt, rund ein Viertel kommt aus China.

Aufbau einer chinesisch-europäischen Kooperation

"Das 'Bionet'-Netzwerk baut eine Kooperation auf, um die spezifischen lokalen Rahmenbedingungen von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft in einem Dialog zu erörtern und die unterschiedlichen Zugänge zu bioethischer Governance zu verstehen", erklärt Mag. Thomas Streitfellner. Der Jungwissenschafter von der "Life - Science - Governance"-Forschungsplattform schreibt im Rahmen von "Bionet" seine Dissertation zu Stammzellenforschung in China und Europa. Der Projektfahrplan sieht eine Reihe von Konferenzen und Workshops vor, die in Peking, Shanghai, Changsha und anderen Orten in China und Europa stattfinden.

Klonen ja oder nein - nationale Unterschiede

Soll alles, das in der Biotechnologie möglich ist, genutzt werden? Mit den Fortschritten in der Gentechnik und Reproduktionsmedizin entstand auch ein neuer Zweig in der Ethik. Die Bioethik setzt sich mit den Folgen der neuen Techniken für die Individuen und die Gesellschaft auseinander. International gibt es momentan unterschiedliche Standards und gesetzliche Regelungen. In Europa ist therapeutisches Klonen beispielsweise nur im liberalen Großbritannien, in Belgien und in Schweden erlaubt. Im Gegensatz zum restriktiveren Europa hat China die liberalsten Rahmenbedingungen im Bereich Biomedizin Wie in Großbritannien, Belgien und Schweden ist in China therapeutischem Klonen erlaubt. Beim Klonen von Menschen heißt es hier aber ebenfalls von offizieller Seite: Stopp. So eine strikte Regel ist in China bisher aber eher die Ausnahme.
Nun bemüht sich die chinesische Regierung zunehmend, dem wachsenden Regulierungsbedarf in der Biotechnologie durch entsprechende Gesetze oder Kodizes gerecht zu werden. "Das Ziel chinesischer SpitzenforscherInnen ist, über die Annahme spezifischer nationaler Standards in biomedizinischer Forschung und Regulierung einen Zugang zu internationalen Forschungsjournalen und Netzwerken zu erhalten", erklärt der Politikwissenschafter Streitfellner.

Neue ExpertInnengruppe

Der erste "Bionet"-Workshop, der Anfang April an der Universität Peking stattfand, war bereits erfolgreich. Es entstand eine neue europäische und chinesische ExpertInnengruppe zur Ethik in der biomedizinischen Forschung und Biotechnologie. Die Gruppe wird Richtlinien für Best Practices in der ethischen Governance gemeinsamer Forschung zwischen China und Europa ausarbeiten. Peking war nicht zufällig gewählt. An der Universität Peking eröffnete 2001 ein eigenes Stammzellen-Forschungszentrum. Auch die weiteren Workshops finden an prominenten chinesischen Zentren der Lebenswissenschaften statt.

West trifft Ost ...

"Eine der großen Herausforderungen beim ersten Workshop war", erzählt Thomas Streitfellner, "die einzelnen Partner dazu zu bewegen, ihren Standpunkt ohne Blick auf die Erwartungen der anderen Partner zu formulieren." Während die europäische Seite vorsichtig war, nicht wie eine neue Kolonialmacht aufzutreten und vorzugeben, dass sie eine allgemeingültige Position über die Welt vertrete, waren die chinesischen Partner besonders bestrebt, bereits vorhandene Umsetzungen von Bioethik in China zu betonen. Der Wille zur Annäherung ist beidseitig deutlich - eine gute Vorraussetzung, um mit "Bionet" in den nächsten drei Jahren ein stabiles chinesisch-europäisches Netzwerk zu schaffen.

... und findet Gemeinsamkeiten

"Letztendlich existieren zwischen Europa und China zwar natürlich große Unterschiede", so Thomas Streitfellner, "aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, weil WissenschafterInnen im Bereich der Stammzellenforschung mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind." Wissenschaft braucht öffentliche Unterstützung. Während es in Großbritannien beispielsweise für StammzellenforscherInnen problematisch ist, wenn die öffentliche Meinung gegenüber der eigenen Arbeit negativ ist, wird es in China schwierig, wenn der Staat die Forschungsarbeit nicht mehr unterstützt, so Streitfellner. (hh)


"Bionet" ist ein Konsortium von 21 europäischen und chinesischen Partnern, die die Herausforderungen untersuchen, denen die ethische Governance der Biomedizin in China und Europa gegenübersteht. Das Projekt wird innerhalb des 6. Europäischen Rahmenprogramms gefördert. Von der Universität Wien ist die Plattform "Life - Science - Governance" mit Univ.-Prof. Dr. Herbert Gottweis und Assistent in Ausbildung Mag. Thomas Streitfellner beteiligt. Das Steering Committee bilden der Projektkoordinator Prof. Nikolas Rose von der London School of Economics and Political Science, Dr. Ole Döring vom Hamburger Institut für Asienkunde und Univ.-Prof. Dr. Herbert Gottweis vom Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien.

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