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Institut für Kultur- und Sozialanthropologieder Fakultät für Sozialwissenschaften CREOLE (Cultural Differences and Transnational Processes) A Joint-MA Programme in Anthropology Forschungsservice und Internationale Beziehungen
Lesen Sie auch: Fünf neue "ERASMUS 1 Projekte" ab 1. Oktober an der Universität Wien
CREOLE - Joint-Master-Programm für AnthropologInnen
Joint-Degree-Studien an der Universität Wien, Studium/Lehre
Simone Kremsberger (Redaktion) am 21. Februar 2006

Ein "Joint Degree" ist eine gute Ausgangsposition für JungwissenschafterInnen, meint Thomas Fillitz. Der Vorstand des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie koordiniert das EU-geförderte Joint-Master-Programm CREOLE, das gemeinsam mit fünf Partneruniversitäten entwickelt wird. Studienstart ist im Wintersemester 2007/08.

"Die Kultur- und Sozialanthropologie beschäftigt sich in vergleichender Perspektive mit der Vielfalt der Formen menschlichen Zusammenlebens an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten", heißt es auf der Instituts-Homepage - ein Fach also, das sich gut zum Reisen eignet. Für Mobilität unter den Studierenden soll ein neues EU-gefördertes Joint-Degree-Programm sorgen, das ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Fillitz, Vorstand des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie, ins Leben gerufen hat: CREOLE.

Zum "Joint Master" mit CREOLE


CREOLE bedeutet "Cultural Differences and Transnational Processes" und ist ein Master-Programm, das mit einem "Joint Degree" abschließt - einem akademischen Grad, der von mindestens zwei Universitäten für die erfolgreiche Absolvierung eines gemeinsam entwickelten, angebotenen und anerkannten Studienprogramms verliehen wird. Im Fall von CREOLE sind das fünf Partneruniversitäten: Seit Oktober 2005 arbeitet Fillitz mit KollegInnen aus Barcelona, Ljubljana, Maynooth, Paris und Stockholm an einem gemeinsamen Curriculum.

Vernetzt durch Sokrates-Intensivprogramme


Die europaweit vernetzte Zusammenarbeit ist für Prof. Fillitz nicht neu. Seit 1998 hat er sechs Sokrates-Intensivprogramme (IP) koordiniert: In einem mindestens zehntägigen Workshop forschen internationale ProfessorInnen und deren Studierende gemeinsam mit heimischen KollegInnen zu einem Thema. Die StudentInnen werden aktiv eingebunden, indem sie ebenfalls Referate halten, so Fillitz: "Ziel ist, dass sie forschungskonzentriert arbeiten."

Von Kosmopolitentum zu Stadtforschung


Forschung steht auch im Mittelpunkt des Master-Programms CREOLE, das inhaltlich drei Schwerpunkte setzt: transnationale Prozesse, materielle und visuelle Kultur. Ersterer umfasst Themen wie Kosmopolitentum, Migration, Genderfragen oder Rechtspluralismus.
"Materielle Kultur ist ein Forschungsschwerpunkt in Paris", schildert Thomas Fillitz. "Es geht um die Beziehung zwischen Mensch und Objekt und darum, wie Objekte das Leben beeinflussen. Ich habe beispielsweise das Referat von einer Pariser Studentin gehört, die in ihrer Dissertation am Beispiel von 20-m²-Wohnungen - zum Teil WGs - untersucht hat, wie sich Leute eine gewisse Bewegungsmotorik angewöhnen."
Visuelle Kultur ist ein Forschungsgebiet, das sich mit kulturellen Aspekten der Wahrnehmung auseinander setzt. "In diesem Bereich werden wir in Wien unser Videolabor ausbauen", sagt der Institutsvorstand. Studierende können dann im Rahmen des Master-Programms auch eine Ausbildung zum Beispiel in Videodokumentation bekommen.
Innerhalb dieser drei Pfeiler kann sich der wissenschaftliche Nachwuchs spezialisieren. "Zu Beginn ist ein Schwerpunkt auf Stadtforschung angedacht - immerhin haben wir sechs interessante Städte im Programm."

"Keine Angst vor Elitärem"


Im Rahmen von CREOLE solle eine forschungsbasierte Diplomarbeit entstehen - "reines Literaturlesen reicht nicht", schickt Prof. Fillitz voraus. Der Forschungsplan für die Master-These soll neben der bisherigen Studienleistung ein Auswahlkriterium für das Programm sein. Der Zugang wird beschränkt sein, wie viele der 2200 Studierenden im Magisterstudium Kultur- und Sozialanthropologie in Wien und der jeweils rund 400 Studierenden des Fachs an den Partnerunis an CREOLE teilnehmen können, steht aber noch nicht fest.
Eine Eliteveranstaltung also? "Wir haben keine Angst vor Elitärem", meint der Anthropologe. "Das ist eine zusätzliche Qualität des Programms."

Mobilität im Studium


Die angehenden Kultur- und SozialanthropologInnen werden ab Studienstart im Wintersemester 2007 jeweils ein Jahr an der Heimuniversität und ein Jahr an einer Partneruniversität studieren, die Diplomprüfungen sollen von je einem Prüfer/einer Prüferin von der eigenen und der Gastuniversität abgehalten werden. Organisatorische Fragen werden noch abgeklärt: "Eventuell kann man die Diplomprüfungen während der Intensivprogramme in Wien abhalten", so Prof. Fillitz. Unterrichtssprache wird Englisch sein, auch die Diplomarbeit soll auf Englisch abgefasst werden. Bislang bieten Fillitz und sein Kollege Univ.-Prof. Dr. Andre Gingrich am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie alljährlich ein "Anthropologisches Laboratorium" auf Englisch an.

Chance für JungwissenschafterInnen


Das internationale Programm liefert JungwissenschafterInnen einen Startvorteil in die Zukunft: "Wenn man eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte, hat man bei CREOLE auf Grund der internationalen Vernetzung, des Kennenlernens anderer KollegInnen und der pluralistischen, aber auch sehr konzentrierten Ausbildung Vorteile, die man mit einem lokalen Studium oder einem normalen ERASMUS-/Sokrates-Programm nicht hat", ist Thomas Fillitz überzeugt. "Wir wollen ForscherInnen frühzeitig fördern." (sk)

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