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Vizerektor Arthur Mettinger und Thomas Prügl ...


... lauschen der Einführung von Dekan Martin Jäggle.






Prof. Prügl, Vizerektor Mettinger, Dekan Jäggle.


Thomas Prügl mit Ehefrau Gabriele.




Antrittsvorlesung von Thomas Prügl (PDF) Porträt über Thomas Prügl CV von Thomas Prügl
Das Basler Konzil (1431–1449) als Herausforderung für Kirchengeschichtsschreibung und Ekklesiologie
Antrittsvorlesungen
Gastbeitrag von Thomas Prügl am 17. Dezember 2008

Der Theologe Thomas Prügl hielt am 15. Dezember 2008 seine Antrittsvorlesung zum Thema "Das Basler Konzil (1431-1449) als Herausforderung für Kirchengeschichtsschreibung und Ekklesiologie". Prügl ist Vorstand des Instituts für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät.

Nur ein kleiner Teil des Touristenstromes, der sich täglich über Rom ergießt, findet den Weg in die Kirche San Pietro in Vincoli auf dem Esquilin, nicht weit vom Kolosseum. Nur ein kleiner Teil derer, die sich dahin verirren, kommt der unter dem Hochaltar ausgestellten Ketten wegen, mit denen nach frommer Überlieferung der hl. Petrus im römischen Kerker gefesselt war. Die Mehrzahl der Besucher von San Pietro in Vincoli eilt in das rechte Querschiff, in welchem Michelangelos berühmter Moses zornig den Blick ins Kirchenschiff wirft und wie ein mächtiger Wächter vor dem Grabmal des Papstes Julius II. sitzt.

Szenenwechsel: Nur ein kleiner Teil des Touristenstromes, der sich Tag für Tag durch die Vatikanischen Museen schiebt und sich am Ende der Tour unter Michaelangelos Jüngstem Gericht wiederfindet, schenkt auch dem Freskenzyklus an den Langwänden der Sixtinischen Kapelle Aufmerksamkeit. Dort finden sich an der Nordwand Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt, denen auf der Südwand ein Mosezyklus korrespondiert. Neben den bekannten Ereignissen aus dem Buch Exodus, wie dem Durchzug durch das Rote Meer oder dem Empfang der Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai, ist auch die Bestrafung der Rotte des Korach dargestellt, die im 16. KapiteI des Buches Numeri geschildert wird: "Korach (...), Datan und Abiram", so lesen wir dort, "erhoben sich gegen Mose, zusammen mit 250 führenden Männern aus der Gemeinde, rotteten sich gegen Mose und Aaron zusammen und sagten zu ihnen: 'Ihr nehmt euch viel heraus. Alle sind heilig. Die ganze Gemeinde, und der Herr ist mitten unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn?'" Das Bild des Botticelli an der Südwand der Sixtina zeigt, wie Mose und Aaron die Gemeinde von den Aufständischen trennt und diese ihrer verdienten Strafe zuführen: "Die Erde öffnete ihren Rachen und verschlang Korach und alle die zu ihm gehörten, und sie stürzten lebend in die Unterwelt hinab." (Num 16,31f.)

Die Figur des Mose erlangte für das Renaissancepapsttum in der darstellenden Kunst, aber auch in der Rhetorik, eine wichtige identifikatorische Rolle. Den Auftakt für diese papalistische Mose-Typologie in der Renaissance bildete eine päpstlichen Bulle von 1439, die die hier abgebildete Episode prominent einführt: Am 4. September 1439 verurteilte Eugen IV. das Basler Konzil, das ihn zwei Monate zuvor feierlich abgesetzt hatte, weil er, so die Anklage, gegen eine Glaubenswahrheit verstoßen habe und daher als Häretiker vom päpstlichen Thron entfernt werden müsse. Der Glaubensartikel, gegen den sich der Papst vergangen hatte, war die in Basel verabschiedete Dogma, daß das Allgemeine Konzil über dem Papst steht. Eugen IV. sah die Sache jedoch umgekehrt und verurteilte seinerseits die Basler Konzilsväter als Häretiker, die den von Gott eingesetzten Primat des Papstes leugneten. Besagte Bulle beginnt mit den Worten Moyses vir Dei: "Mose, der Mann Gottes, der um das Heil des ihm anvertrauten Volkes besorgt war und verhindern wollte, daß sich der Zorn Gottes über besagte Volk ergösse, (...) sprach zum gesamten Volk: 'Weicht von den Zelten der Frevler, (...) damit ihr nicht in ihre Sünden verwickelt werdet. (...) In gleicher Weise drängte es auch uns, (...) dieselben Worte auszurufen: 'Weicht von den Zelten der Frevler....', wenn wir jenes abscheuliche Verbrechen hören, welches gewisse verdorbene Menschen in Basel jüngst ausgeheckt haben, um die Einheit der Kirche zu zerreißen; [Weicht daher] umso mehr [von den Zelten jener Frevler], da das christliche Volk größer ist als jenes jüdische damals, da die Kirche heiliger ist als die Synagoge, und da der Stellvertreter Christi an Autorität und Würde den Mose überragt" (COD 529). Soweit die Bulle Moyses vir Dei.

Das Verdikt des (in ihren Augen abgesetzten) Papstes beeindruckte die Basler Konzilsväter wenig. Wenige Wochen später, im November desselben Jahres 1439 wählten sie einen neuen Papst, einen Laien übrigens, den schon emeritierten Herzog von Savoyen, Amadeus VIIII., der unter dem Namen Felix V. als (bislang) letzter Gegenpapst in die Geschichte einging. Diese Papstwahl, die erneut ein Schisma über die Kirche gebracht hatte, leitete den Anfang vom Ende des Basler Konzils ein. Es konnte in dem nun einsetzenden diplomatischen Wettlauf nicht genügend Unterstützung bei den europäischen Kräften mobilisieren, um die Konfrontation zu seinen Gunsten zu entscheiden. Wie konnte es aber überhaupt so weit kommen, daß sich Papst und Konzil fortan wie zwei feindliche Prinzipien gegenüberstanden?

Lesen Sie hier die gesamte Antrittsvorlesung von Thomas Prügl (PDF) vom 15.12.2008 im Kleinen Festsaal der Universität Wien

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