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Der Bologna-Prozess - was bringt er den JungwissenschafterInnen? |
| JungwissenschafterInnen |
| Daniela Schuster (Redaktion) am 13. März 2003 |
Mit der Bologna-Erklärung soll einem einheitlichen Europäischen Hochschulraum der Weg bereitet und damit Mobilitätshindernisse ausgeräumt werden. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für die Zukunft der (österreichischen) JungwissenschafterInnen? DieUniversitaet.at sprach mit Vizerektor Arthur Mettinger und dem Bologna-Beauftragten der Universität Wien, Dr. Alfred Müller. |
In der Bologna-Erklärung vom 19. Juni 1999 haben die für das Hochschulwesen zuständigen Minister von 30 europäischen Ländern beschlossen, den einheitlichen Hochschulraum bis zum Jahr 2010 zu verwirklichen und damit zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas als Bildungsstandort weltweit beizutragen. Maßnahmen sind unter anderen die Definition und Einhaltung europaweit geltender Qualitätsstandards in der Hochschulbildung und die Vergleichbarkeit der jeweiligen nationalen Hochschulsysteme. Zentrale Ziele sind dabei neben anderen die Förderung der Mobilität durch Beseitigung von Mobilitätshindernissen, die Berufsfähigkeit auf dem europäischen Arbeitsmarkt, die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen und die Steigerung der Attraktivität des europäischen Hochschulraums. Noch befindet sich der Prozess in der Startphase, die Rahmenbedingungen sind an den Universitäten erst im Aufbau. DieUniversitaet.at sprach mit Vizerektor Arthur Mettinger und dem Bologna-Beauftragten der Universität Wien, Dr. Alfred Müller, darüber, welche Auswirkungen "Bologna" gerade auf JungwisenschafterInnen haben wird. DieUniversitaet.at: Wie beurteilen Sie die Bedeutung des Bologna-Prozesses im Hinblick auf die Zukunftsperspetiven von JungwissenschafterInnen? Vizerektor Arthur Mettinger: Positiv. Der Bologna-Prozess wird JungwissenschafterInnen neue Chancen eröffnen. Aus mehreren Gründen: Zum einen werden die Universitäten verstärkt länderübergreifend kooperieren und Netzwerke implementieren. Dadurch wird sich die transnationale Mobilität von (Jung)WissenschafterInnen erhöhen. Zum zweiten wird sich die vertikale Mobilität durch den Umbau der Studienarchitektur bzw. die Modularität (Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen - undergratuade/graduate, Anm. d. Redaktion) verbessern. Es wird möglich sein, den Bachelor in Wien, den Master in Stockholm und den Doktor in Rom zu machen. Zum dritten wird es vermehrt gemeinsame Studienprogramme oder Doktoratsstudien der vernetzen Universitäten geben, mit internationaler Beteiligung sowohl der Studierenden als auch der Lehrenden. Die Kontakte, die so geknüpft werden, und die neuen Netzwerke, die dabei entstehen, werden sich karrierefördernd auswirken. DieUniversitaet.at: Bachelor in Wien, Master in Stockholm, Doktor in Rom - sind der Mobilität keine Grenzen gesetzt? Mettinger: "Bologna" ist kein Freifahrtschein oder eine Garantie auf eine Studienberechtigung im Ausland. Die Autonomie der jeweiligen Institutionen bleibt gewahrt. Nach wie vor können zum Beispiel britische Universitäten Case-by-Case entscheiden, wen sie aufnehmen möchten. "Bologna" erhöht aber die Chancen auf ein Weiterkommen in der eigenen wissenschaftlichen Karriere. Denn es wird sicher dabei helfen, die Transparenz der Studien-Inhalte zu erhöhen. Das Diploma Supplement erleichtert die Beurteilung von Studierenden und JungwissenschafterInnen bei der Aufnahme in ein (Studien)Programm. DieUniversitaet.at: Wie verhindern österreichische Universitäten einen "Brain Drain"? Alfred Müller: Damit österreichische JungwissenschafterInnen nicht nur ins Ausland gehen, sondern auch wiederkommen, müssen konkrete Programme gestartet werden, darauf zielend, in Österreich Karrierechancen zu finden. Dies kann nicht "Lebenszeitanstellung" bedeuten, denn die Universitäten müssen sich mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten und der Nachfrage wandeln, müssen in Forschung und Lehre dynamisch sein. In den transnationalen Netzwerken, die sich nach der Idee Bolognas herausbilden sollen, wird es sicher bessere Karrierechancen geben als im jetzigen System mit seiner Planstellenbindung. Mettinger: Wie attraktiv eine Universität ist, wird auch von ihrem Profil abhängen. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die Universitäten selbstbestimmt agieren und die Weichen für die Profilbildung stellen können. Sie müssen sich jetzt überlegen: "Was will ich, wie will ich es erreichen und für wen will ich es erreichen". Dies gilt auch in Bezug auf das Universitätspersonal und damit die JungwissenschafterInnen. Die Universitäten müssen festlegen, welchen Typus von MitarbeiterIn sie haben wollen. Welche Rolle soll in einer europäischen Universität die Sprachkompetenz ihrer MitarbeiterInnen spielen? Welche Profile möchte ich erstellen, um Bewerber zu beurteilen? DieUniversitaet.at: Bislang schickte Österreich mehr DoktorandInnen ins Ausland als an österreichische Universitäten kamen. Wie können österreichische Universitäten attraktiv für ausländische JungwissenschafterInnen werden? Mettinger: Mit dem Bologna-Prozess ist ein stärkerer Austausch und eine zahlenmäßige Balance zwischen den "Incomings" and "Outgoings" zu erwarten. Um Europa als Bildungsraum international attraktiv zu machen, müssen ganz generell Mobilitätshindernisse wie Probleme mit der Versicherung, Entlohnung, Aufenthaltsrecht etc. sukzessive beseitigt werden. Die Anziehungskraft der Universität Wien wird im wesentlichen von zwei Faktoren abhängen: Der Struktur der Doktoratsstudien und dem Stipendienwesen. Gleichzeitig sollten die Fördermittel, die mit den Programmen der Republik, wie etwa Bühler etc., vergeben werden, direkt an die Universitäten gehen, so dass diese in die Lage versetzt werden, eine (pro)aktive Rekrutierungspolitik zu fahren - also gute JungwissenschafterInnen anzuziehen und zu halten. Im Moment läuft das Applikationsverfahren an den Universitäten vorbei, wir können auf die Zuteilung von StipendiatInnen nur reagieren. Müller: Die Attraktivität der Universität hängt aber auch von der Beschäftigungsstruktur ab. Unsere Aufgabe wird es auch sein, die Frauenförderung sichtbarer zu machen. DieUniversitaet.at: Die Habilitation ist eine Besonderheit der deutschsprachigen Länder. Was geschieht mit ihr im Geiste von Bologna? Mettinger: Das wird abzuwarten sein und hängt maßgeblich von der Entwicklung des PhD ab. DieUniversitaet.at: Stichwort "Wissenschaftlicher Nachwuchs" - wird der Bologna-Prozess, und hier besonders die Veränderungen in der Studienarchitektur, auch Auswirkungen auf die heute im europäischen Vergleich eher niedrige AkademikerInnenquote Österreichs haben? Mettinger: Ich hoffe nicht nur, dass wir durch das zweistufige Studiensystem die AkademikerInnenquote heben werden können, sondern auch, dass die Drop-out-Rate gesenkt wird. Ein Studienprogramm, das nach drei Jahren zum Abschluss führt ohne Anfertigung einer großen wissenschaftlichen Arbeit sollte von mehr Studierenden bewältigt werden können. Der Erfolg eines dreijährigen Studiums und Studienangebots ist aber davon abhängig, dass die Universitäten ihre Aufgabe, die Curriculums-Entwicklung, erst nehmen, insbesondere müssen Inhalte der Lehrveranstaltungen, Lehr- und Lernformen sowie Bildungsziele besser aufeinander abgestimmt werden. In einem so kurzen Studium darf keine Zeit verschwendet werden. Das heißt aber nicht, dass die Wahlfreiheit der StudentInnen eingeschränkt, das Studium verschult werden soll. Im Gegenteil, wir brauchen eine neue Lernkultur, müssen hin zu einem autonomen, selbstständigen Lernen. Von Seiten der Universität bedarf es eines modularen Aufbaus des Studiums, die Module müssen über die Bildungsziele strukturiert werden und die Neuen Medien müssen gezielt in der Lehre eingesetzt werden. (dan) |
