Der Lauf des (neuen) Buches durch die Hauptbibliothek |
| UB |
| Gastbeitrag von Christine Bauer und Elisabeth Sestits am 7. Oktober 2004 |
Es kann schon mal passieren, dass genau jenes Buch, das man dringend braucht, noch "in Bearbeitung" ist. Was bedeutet die Bezeichnung "in Bearbeitung" und welche Stationen durchläuft ein Buch, ehe es von den BenutzerInnen entlehnt werden kann? |
Am Anfang steht der Wunsch ? Das jüngste Lehrbuch zur Klinischen Psychologie, der neue Roman von Umberto Eco, die aktuelle Veröffentlichung von Konrad P. Liessmann ? sofern sich diese oder andere ersehnte Bücher noch nicht an einem der Standorte der UB Wien befinden, können Studierende und LehrveranstaltungsleiterInnen im "elektronischen Wunschbuch" einen Buchwunsch oder eine unverbindliche Kaufempfehlung abgeben, die automatisch an die zuständigen SachreferentInnen weitergeleitet werden. Diese entscheiden (in Absprache oder in Personalunion mit den LeiterInnen der Fachbereichsbibliotheken) über die Neuzugänge, die gekauft werden. Als besonderer Service werden Wunschbuchbestellungen schon bei der Bestellung für den/die BenutzerIn vorgemerkt. Die SachreferentInnen reagieren aber nicht nur auf Wünsche, sondern stellen auch laufend Bestellpakete aus ihrem speziellen Sachgebiet zusammen. Um Doppelbestellungen zwischen UB und Fachbereichsbibliotheken zu vermeiden, werden diese Pakete dann zentral von der Erwerbungsabteilung bestellt. Durchschnittlich werden 2000 neue Bücher pro Monat angekauft. Es folgt die Handlung Im Erwerbungsbereich werden alle Verwaltungstätigkeiten in einem EDV-System durchgeführt. Die Titel werden im Katalog ersterfasst (dies geschieht durch Nutzung von Fremddaten, wie die der Deutschen Bibliothek, oder durch Eigenerfassung), sie bekommen einen Exemplarsatz und sind somit sofort im gesamten Verbundkatalog und im lokalen Opac sichtbar. Dadurch sind sowohl BenützerInnen als auch BearbeiterInnen ab dem Zeitpunkt der Bestellung (das Buch ist im Opac dann mit "bestellt" vermerkt) jederzeit über den Bearbeitungsstand informiert. Wird ein bestelltes Buch sehr dringend zur Benutzung gebraucht, ist es möglich, nach einer Anfrage beim Informationsschalter diesen Neuzugang rascher bearbeiten zu lassen. Bücher und Zeitschriftenhefte werden von der UB aber nicht nur käuflich erworben. Die Universitätsbibliothek Wien hat laut Mediengesetz ein Recht auf Belegexemplare für alle Publikationen, die in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland gedruckt oder verlegt werden. Hier bedarf es ständiger Kontrolle und oft nachdrücklicher Mahnung der Verleger. Diese Publikationen werden auch innerhalb Österreichs zwischen den Bibliotheken getauscht. Pro Jahr gelangen auf diese Weise an die 30.000 Exemplare (Bücher und bindefertige Zeitschriftenbände) neu in die Hauptbibliothek. Die Reise des Buches geht weiter Im Katalogisierungsbereich werden die Katalogeinträge nach den deutschen Regeln für wissenschaftliche Bibliothekskataloge ergänzt, womit standardisierte Sucheinstiege gewährleistet sind. Österreichische Personen- bzw. Körperschaftsnamen werden in die Deutschen Normdateien eingebracht. Zuletzt erhalten die Exemplare ihre Signatur (Standortnummer). Danach erschließen die FachreferentInnen die Bücher inhaltlich ? d.h. die Katalogeinträge werden durch Schlagworte aus der deutschen Schlagwortnormdatei ergänzt bzw. werden dort neue eingebracht. Nach der inhaltlichen Erschließung erhalten alle Neuzugänge - ob Buch oder bindefertige Zeitschriftenhefte - in der Einbandstelle ihr endgültiges Aussehen: Am Cover wird der Barcode mit Signatur angebracht, seit kurzem erhalten alle Bücher auch eine Rückenbeschriftung. Taschenbücher und Zeitschriften müssen auch noch zum Buchbinder, wobei nur ein geringer Teil der Buchbindearbeit im Haus erledigt wird. Schlussendlich kontrolliert eine Endbearbeitungsstelle die entlehnrelevanten Eingaben und gibt das Buch für die Benützung frei. Davor muss das Buch allerdings noch über den Bereich Magazine zu seinem endgültigen Standort im Büchermagazin oder an einen der Sonderstandorte wie Lesesaal, Fachbereichsbibliothek etc. gelangen. Im Moment hält die UB bei einer durchschnittlichen Durchlaufzeit eines Buches von 57 Tagen. Dieser Durchschnittswert inkludiert aber auch die Zeit, die so manches Buch beim Buchbinder außer Haus verbringt - viele Bücher warten bereits eine Woche nach Einlangen an ihrem Standort auf ihre LeserInnen. Christine Bauer ist Leiterin des Bereichs Erwerbung der Hauptbibliothek. Elisabeth Sestits ist Leiterin des Bereichs Katalogisierung der Hauptbibliothek. |



