Die Wirbeltiere, zu denen auch wir Menschen zählen, sind gleich "doppelt" gegen Krankheitserreger gewappnet: Sie besitzen ein zweigleisiges Immunsystem. Evolutionär gesehen ist dieser "Zweifachschutz" relativ neu: Erst vor ca. 500 Millionen Jahren begannen Wirbeltiere, zusätzlich zum "natürlichen" auch ein "adaptives" Immunsystem zu entwickeln. Mit diesem evolutionären Prozess beschäftigt sich die Hertha-Firnberg-Stipendiatin Claudia Stocsits an der Fakultät für Chemie. |
Alle Lebewesen - darunter Pflanzen, Tiere und Menschen - sind mit vielfältigen Schutzmechanismen ausgestattet, um sich in der belebten Umwelt zu behaupten: Schon einfachste Organismen besitzen ein "natürliches" bzw. "angeborenes'' Immunsystem, das Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten bekämpft. Zur natürlichen Immunabwehr von Menschen und Tieren gehört beispielsweise auch die Haut - für die meisten Organismen ein undurchdringliches Hindernis. Auf Zellebene bilden u.a. Makrophagen, sogenannte Fresszellen, die vorderste Abwehrfront.
Zusätzlich zu dieser "Grundausstattung" verfügt die Gruppe der Wirbeltiere (Vertebrata) aber noch über eine zweite Verteidigungsinstanz: Das adaptive Immunsystem wird aktiv, wenn die natürlichen Abwehrmechanismen alleine dem Angreifer nicht gewachsen sind.
"Aus evolutionsbiologischer Sicht ist diese 'Aufgabenteilung' innerhalb der Immunabwehr bei den Wirbeltieren noch sehr jung: Das adaptive Immunsystem ist erst vor ungefähr 500 Millionen Jahren sehr plötzlich entstanden", sagt die Molekularbiologin Claudia Stocsits, die im Rahmen ihres Hertha-Firnberg-Stipendiums des FWF zum Ursprung des adaptiven Immunsystems forscht.
Lernfähiges Immunsystem
Die adaptive Immunabwehr hat - wie schon der Name sagt - einen entscheidenden Vorteil gegenüber der natürlichen: Sie ist lern- und anpassungsfähig und "merkt sich" die Strategien ihrer "Feinde". "Das adaptive Immunsystem ist jener Teil der Immunabwehr, der selektiv auf Infektionen reagieren und bereits bekannte Erreger mit gesteigerter Effizienz bekämpfen kann", erklärt Claudia Stocsits: "Dieses Prinzip macht sich zum Beispiel auch die Methode der Impfung zu Nutze."
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