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Deutsch als Fremdsprache in Osteuropa |
| EU-Erweiterung |
| Simone Kremsberger (Redaktion) am 25. März 2004 |
Während man hierzulande nach Kundigen osteuropäischer Sprachen suchen muss, ist Deutsch in unseren östlichen Nachbarländern weit verbreitet. Der Lehrstuhl für Deutsch als Fremdsprache am Institut für Germanistik der Universität Wien kann die Kooperationsanfragen aus Osteuropa kaum bewältigen. Die Redaktion sprach mit o. Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm. |
Sind und bleiben Tschechisch, Slowakisch oder Ungarisch in Österreich oft Fremdsprachen, so hat die deutsche Sprache im Osten Europas Tradition: "Aufgrund politischer und historischer Verbindungen bis zurück zur Monarchie bildeten Mittel-, Ost- und Südosteuropa immer schon den geographischen Raum, in dem am meisten Deutsch gelernt wurde", erläutert o. Prof. Dr. Hans-Jürgen Krumm, Leiter des Lehrstuhls Deutsch als Fremdsprache (DaF) am Institut für Germanistik. Kooperation ist erwünscht "Erstaunlicherweise ist das durch den Nationalsozialismus nicht massiv beeinträchtigt worden. Auch in Ländern, in denen die Nazis unsere Sprache diskreditiert haben, etwa in Polen oder Tschechien, haben die Leute nach dem Krieg wieder begonnen, Deutsch zu lernen", setzt Prof. Krumm fort. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wuchs das Interesse an Deutsch rasant an. Viele Kooperationsanfragen kamen an Österreich, das durch die geographische Nähe, die gemeinsame Geschichte und eine neutralere Rolle als Deutschland in der Nachkriegszeit einen attraktiven Partner darstellte. Als Antwort auf den Nachfragebedarf entstanden 1993 in Wien, zwei Jahre später in Graz die DaF-Lehrstühle: "Wir sind hier Kind dieser Ostöffnung", erzählt Krumm. Die EU-Osterweiterung trägt zu dem verstärkten Andrang bei: "Spätestens seit 2001, dem Europäischen Jahr der Sprachen, ist die Erwartungshaltung groß. Ich habe damals das Forschungsprojekt 'Mehrsprachigkeit in der erweiterten Europäischen Union' initiiert, in dem wir mit Kollegen aus den Beitrittsländern untersucht haben, wie man sich dort und hier auf die neue europäische Mehrsprachigkeit vorbereitet. Das hat ein großes Interesse an engerer Zusammenarbeit ausgelöst", so Krumm, der selbst seit eineinhalb Jahren Ungarisch lernt. DaF-Auslandspraktika sind begehrt Eine erfolgreiche Aktion im Studierendenbereich ist das AuslandspraktikantInnen-Programm: "Wir schicken jedes Jahr 40 Studierende ins Ausland. Der Schwerpunkt liegt auf Ost- und Südosteuropa", schildert Krumm. Ein Ziel des Programms, für das sich auch Studierende aus Innsbruck, Graz, Salzburg und dieses Jahr erstmals Klagenfurt bewerben können, ist es, die Auslandsgermanistik mit MuttersprachlerInnen zu versorgen. Die PraktikantInnen unterrichten drei bis fünf Monate an einer ausländischen Universität Deutsch. Der Leiter des DaF-Lehrstuhls weiß: "Osteuropa ist oft nicht die erste Wahl der Studierenden, doch werden sie überzeugt, sind sie hinterher sehr glücklich. Durch den hohen Bedarf haben sie dort mehr Wichtigkeit und die Gastfreundschaft ist groß." Der Studierenden-Austausch wird, nachdem das CEEPUS-Projekt im letzten Jahr auslief und der Neuantrag nicht bewilligt wurde, zum Teil über Aktionen finanziert. Beratung und Betreuung der incomings gibt es jedenfalls: "Wir haben mit Ungarn, der Slowakei und Polen eine Vereinbarung, dass wir uns um Studierende kümmern, die sie uns schicken - ohne finanziellen Zusagen. Die entsendende Seite versucht, ein entsprechendes Programm zu finden." Austausch muss koordiniert sein Daneben hatte der Lehrstuhl Kooperationsverträge mit Budapest und Warschau, welche die Entsendung von LektorInnen beinhalteten. "Das Institutslektorprogramm ist leider ausgelaufen, doch ab kommendem Wintersemester ist für Budapest ein Nachfolgeprogramm geplant", berichtet Krumm. Ein/e ProjektassistentIn wird zu 20 Prozent in Wien, zu 80 Prozent in Budapest arbeiten, sich dort um Forschungskooperation und Studierendenaustausch kümmern und als MuttersprachlerIn unterrichten. Diese Vermittlungsfunktion ist für Krumm essentiell. Dementsprechend kritisch sieht er das Wegfallen der Bildungsbeauftragten in den EU-Beitrittsländern - in Ungarn wurde die Stelle im März letzten Jahres gestrichen, in der Slowakei und Tschechien laufen die Bildungsbeauftragten im kommenden August aus: "Manche Barrieren in der Kooperation mit Österreich fallen mit den Grenzen weg, und gleichzeitig fallen auch die Personen weg, die den Austausch organisieren können. Das ist für uns ganz fatal, weil wir viel mit den Bildungsbeauftragten zusammengearbeitet haben", so der Professor. "Das ist diese naive Vorstellung: In der EU herrscht Freizügigkeit, und wenn sie wollen, können sie ja kommen. Aber so ein Austausch muss koordiniert sein. Und es muss vor Ort Leute geben, die werben, vermitteln, vorbereiten. Denn es ist uns ja nicht damit gedient, dass vor der Tür lauter Studierende stehen, die dann hier falsch sind." (sk) Deutsch als Fremdsprache am Institut für Germanistik |
