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Die Gehölzsammlung im Botanischen Garten der Universität Wien
Botanischer Garten
Gastbeitrag von Frank Schumacher am 10. März 2004

Betritt man den Botanischen Garten der Universität Wien (HBV), so erobern die weit über 1500 Bäume und Sträucher Herz und Seele und lassen vergessen, dass man sich mitten in der Stadt befindet. Der Wert der Gehölzsammlung des HBV reicht aber über die Bedeutung für Erholung und Volksbildung sowie als "Grüne Lunge" und innerstädtisches Biotop für viele Tierarten weit hinaus.

Im Botanischen Garten der Universität Wien werden ca. 600 verschiedene Gehölzarten (Bäume und Sträucher) kultiviert. Ca. 900 Bäume und wahrscheinlich noch einmal so viele Sträucher prägen das Bild des Gartens und verleihen ihm einen parkähnlichen Charakter. Gehölze, z.B. Chinesische Winterblüte und Duft-Schneeball, sind in diesen Tagen zusammen mit den krautigen Winterlingen (Hahnenfußgewächs) die ersten blühenden Pflanzen des Jahres im HBV. Gehölze beschließen die warme Saison des Gartenjahres durch ihre Laubfärbung mit einem Feuerwerk der Farben (Amberbaum). Selbst im Winter sind es Gehölze, die durch ihre knorrige Gestalt, ausladende Kronen und die Formen- und Farbenvielfalt der Rinden und Borken den Garten beleben und BesucherInnen, Fachleute und WissenschafterInnen gleichermaßen begeistern.

Chinesische Winterblüte (Chimonanthos praecox). Fotos: Archiv des HVB, R. Hromniak

Winterling - krautiges Hahnenfußgewächs(Eranthis hyemalis)

Gingko und Platane als älteste Bäume Die ältesten Bäume des Botanischen Gartens sind eine Platane (ca. 220 Jahre alt) und ein Ginkgo (über 200 Jahre alt). Beide wurden noch zu Zeiten der Direktion Jacquins d. Ä. (1768-1796) gepflanzt, der nicht nur ein genialer Botaniker war, sondern auch die für den Gartenbau wichtige Kultur von Freilandpflanzen förderte, z.B. indem er neue fremdländische Gehölze pflanzen ließ. Die oben erwähnte Platane steht vor dem Institut für Botanik am Rennweg und ist mit einer steinernen Tafel versehen. Der eindrucksvolle Ginkgo steht direkt neben dem Institut. Er ist nicht nur einer der ältesten und größten Österreichs und ein zeithistorischer Zeuge, sondern auch ein über 200-jähriges lebendes, wissenschaftshistorisches Dokument.

Ginkgo - ältester Baum des HBV

Platane - ca. 220 Jahre alt, Foto: H. Aulehla

Mächtige Baumzeugen

Der Großteil der heute öffentlich zugänglichen Fläche des Gartens (zwischen Mechelgasse und Landstraße) ist der Erweiterung auf ca. 10 ha um 1820 durch Kaiser Franz I. zu verdanken. Zunächst nur zur Nutzung überlassen, wurde dieser Gartenteil 1889 etwas verkleinert der Universität geschenkt. Drei Alleen und verschiedene Wasserbecken waren wichtige Stilelemente der streng formalen Gestaltung.

Frühling im Botanischen Garten

Drei dieser Becken und eine alte Allee mit historischer Wasserrinne erinnern noch heute an diese Zeit. Und es finden sich auch mächtige Baumzeugen aus diesen Tagen der Erweiterung des Gartens. So kann man eine große Baumhasel und eine Platane als ehemalige Alleebäume der nicht mehr vorhandenen Zentralallee identifizieren. Ebenso gehört die Gemein Esche in der noch vorhandenen Westallee wohl zur Erstbepflanzung dieses Gartenteils vor ca. 180 Jahren. Anordnung nach Verwandtschaftsverhältnissen
 

Eine weitere entscheidende und bis heute dominierende Veränderung erfuhr der Garten mit der Umsetzung eines Konzeptes nach Stephan Endlicher (Direktor 1839-1849). Der von Kaiser Franz I. überlassene Teil des Gartens wurde über Endlichers Tod hinaus in den folgenden ca. 40 Jahren in eine Anlage umgestaltet, in der die Pflanzen nach ihren Verwandtschaftsverhältnissen angeordnet wurden. Diese Anordnung erfolgte in großen Gruppen, die durch geschwungene Wege miteinander verbunden waren.

Duft-Schneeball (Viburnum farreri)

Diese Grundgestaltung und das Konzept prägen den zentralen Teil des Botanischen Gartens bis heute. Zwei riesige Amerikanische Tulpenbäume (über 25 m hoch) und eine bemerkenswert weit ausladende Orientalische Platane nahe der Gewächshäuser, aber auch die alten Buchen am ovalen Wasserbecken seien an dieser Stelle beispielhaft als Zeugen dieser Periode erwähnt. Südlich des ovalen Wasserbeckens schließen sich Gruppen mit Nadelgehölzen an, die ca. 1880-1900 angelegt wurde. Besonderheiten der Sammlung sind u.a. zwei mächtige Mammutbäume, eine Nusseibe, große Spanische Tannen und ein Hain mit Kanadischen Hemlocktannen. Arten aus den ehemaligen Kronländern Die letzte entscheidende Erweiterung erfuhr der HBV durch die Überlassung des so genannten Host'schen Gartens (südlichster Teil) in den 1920er Jahren. Das Artenspektrum ist vor allem durch das Sammlungskonzept von Nikolaus Wilhelm Host bestimmt - Zeitgenosse Jacquins und Gartenleiter dieses ehemaligen kaiserlichen Kammergartens. Host ließ hier Arten der damaligen Kronländern sammeln. So findet man in diesem Gartenteil über hundertjährige große Kastanien, Eichen, Linden oder auch Ahorne und Eschen. Dipl.-Ing. Frank Schumacher ist der technische Gartenleiter des Botanischen Gartens der Universität Wien. Die jüngeren Pflanzungen und die Bedeutung der Sammlung für Forschung und Lehre, aktuelles zur Dokumentation und zu ihrem Erhalt sind Gegenstand des zweiten Teils des Artikels "Die Gehölzsammlung im Botanischen Garten der Universität Wien". Plan des Botanischen Gartens der Universität Wien anno 1832 Aktueller Plan des Botanischen Gartens (Stand etwa 1990)

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