Fische, ausgestopfte Affen, Skelette und Raritäten wie kostbare Glasmodelle mariner Tiere bietet die zoologische Sammlung am Department für Theoretische Biologie. Mehr als 456.000 Feucht- und Trockenpräparate dienen seit Beginn der Zoologie an der Universität Wien im Jahr 1849 als Anschauungsmaterial in der Lehre und werden derzeit als Fundus für moderne DNA-Analysen wieder entdeckt. |
Die zoologische Sammlung ist älter als das Institut für Zoologie selbst: Sie geht auf ein um 1775 eingerichtetes Naturalienkabinett des Jesuitenordens zurück, das nach dessen Auflösung als "Naturhistorisches Museum" der Universität Wien eingerichtet wurde. Die Bestände, 1813 durch eine Skelettsammlung aus Prag ergänzt, wurden im Jahr 1849 der neu gegründeten Lehrkanzel für Zoologie übergeben. Heute enthält die Sammlung ein umfangreiches Sortiment an morphologischen und systematischen Studienobjekten: 110.000 Feuchtpräparate aus allen Tierstämmen, anatomische Präparate sowie mehr als 346.000 Trockenpräparate.
Fische aus Triest
Ein Schwerpunkt der Feuchtpräparate-Sammlung sind marine Tiere wie Fische und Stachelhäuter. Ao. Univ.-Prof. Dr. Hans Leo Nemeschkal vom Department für Theoretische Biologie, der die zoologische Sammlung betreut, erläutert: "Nach 1848 wurde eine biologische Station in Triest aufgebaut, die bis Ende des Ersten Weltkriegs eine Zweigstelle des Instituts für Zoologie an der Universität Wien war. Die Fische sind ein Zeichen für die enge Verbindung mit Triest und damit wird auch verständlich, dass es in Wien schon so lange eine Meeresbiologie gibt." Die Außenstelle in Triest endete mit der Monarchie - das Museum in Triest und das Aquarium neben dem Fischmarkt gibt es noch heute.
Das Hündchen von Marie Antoinette
Die Trockensammlung umfasst klassische Stopfpräparate von Vögeln und Säugern, Skelette, Fossilien und archäologische Stücke, 950 Laden mit Insekten sowie Glas- und Wachsmodelle. Unter den Skeletten befindet sich eine kleine Berühmtheit: Aller Wahrscheinlichkeit nach ist man im Besitz des Knochengerüsts des Schoßhündchens von Königin Marie Antoinette von Frankreich - zu Lebzeiten trotz royalem Status "ein bedauernswertes Tier", kommentiert Nemeschkal die schlechten Zähnchen des überzüchteten Hundes der Rasse King Charles.
Wachsmodelle und Glaskunstwerke
Weitere Schätze sind Wachsmodelle, die die Embryonalentwicklung u.a. beim Menschen darstellen und um 1860 als Anschauungsmaterial an deutschsprachigen Universitäten dienten, sowie die kostbaren Blaschka-Glasmodelle: "Vater und Sohn Blaschka waren Glasbläser aus dem Erzgebirge, die früh ihre Liebe zur Darstellung von Pflanzen und Tieren entdeckten", schildert Nemeschkal. Sie fertigten kunstvolle Glasmodelle an. In Harvard gibt es eine Glasmodellsammlung von Orchideen, die Wiener Zoologie beheimatet Darstellungen von marinen Tieren ? und das in Original-Glaskästen von der Wiener Weltausstellung 1873.
Hyrtls anatomische Sammlung
Eine weitere Besonderheit ist die anatomisch orientierte Sammlung, die hauptsächlich auf den Anatom und ehemaligen Rektor der Universität Wien Josef Hyrtl zurückgeht. Hans Leo Nemeschkal: "Hyrtl hat eine riesige Mehrfachsammlung aufgebaut, die er um 1874 dem Institut für Zoologie übergeben hat." Seine Spezialität waren Korrosionspräparate. "Hyrtl hat zur Darstellung von Gefäßstrukturen die Gefäße des toten Tiers ausgespült und mit Korrosionsflüssigkeit gefüllt ? erst hat man Siegellack, später Kautschuklösungen verwendet. Nachdem diese erstarrt war, hat man das umliegende Gewebe abfaulen lassen; übrig geblieben ist die feine Verästelung der Gefäße", beschreibt Nemeschkal.
Moderne Forschung an altem Material
Die zoologische Sammlung ist für aktuelle Forschungen zunehmend von Bedeutung. Zuletzt entnahm der schwedische Forscher Svante Pääbo hier DNA aus dem Stopfpräparat des südamerikanischen Beuteltiers "Caenolestes". Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, ist ein Pionier der Paläogenetik: "Er hat Aufsehen erregt, als er eine Gewebeprobe aus dem Ohrknorpel von Ramses II. entnommen hat", erzählt Prof. Nemeschkal.
Präparationskurse für Studierende
"Für die moderne Genetik sind alte Sammlungen wie diese ein wunderbarer Fundus für Analysen", betont der Biologe das Zukunftspotential der Sammlung. Voraussetzung dafür ist die Instandhaltung der Bestände. Die Präparatorin Claudia Bauer kümmert sich mit Hilfe eines Lehrlings um Erhaltung, Restauration und Vergrößerung der Sammlung - und im Lehrangebot finden sich auch Präparationskurse für Studierende. (sk) |